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Corona aktuell: Lässt sich Corona mit Nikotinpflastern behandeln?

Corona: Frau mit Nikotinpflaster
© Andrey_Popov / Shutterstock
Französische Forscher bringen aufgrund der Ergebnisse einer kleinen Studie Nikotinpflaster als Behandlungsmethode für das Coronavirus ins Gespräch. Was dahintersteckt.

Eine kleine Studie aus Frankreich hat Forscher auf eine ziemlich ungewöhnliche Idee gebracht, wie man das Coronavirus bekämpfen könnte: Sie wollen Nikotinpflaster an medizinischem Personal und an mit Covid-19-infizierten Personen testen, um die Krankheit einzudämmen. Der renommierte Molekularbiologe Jean-Pierre Changeux und seine Kollegen vom Pasteur-Institut führen diesen Vorschlag auf die Ergebnisse ihrer Umfrage unter insgesamt 480 Corona-Patienten zurück, die im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière in Paris behandelt werden.

Erkranken Raucher seltener an Covid-19?

Demnach sind unter den Betroffenen auffallend wenig Raucher: Lediglich fünf Prozent der befragten Patienten gab an, täglich zu rauchen, insgesamt handelte es sich um 22 Personen. Dabei müsste die Quote laut den Wissenschaftlern deutlich höher sein, da in der gesamten Bevölkerung bis zu 80 Prozent mehr Menschen in einer vergleichbaren Alters- und Geschlechtsverteilung rauchen. Die Untersuchung passt auch zu einer Studie aus China, laut der von über 1100 Corona-Patienten lediglich 12,6 Prozent Raucher waren. Der Durchschnitt an Rauchern in der gesamten Bevölkerung liegt bei 28 Prozent.

Die Experten vermuten, dass Nikotin das Virus davon abhalten könnte, Körperzellen zu infizieren. Außerdem könnte es dazu beitragen, dass das Immunsystem nicht mehr übermäßig stark auf die Viren reagiert – das wurde häufiger bei schweren Erkrankungen beobachtet. Durch den Test von Nikotinpflastern an erkrankten Patienten wollen die Forscher nun herausfinden, ob Nikotin die Verbreitung des Virus verringern oder sogar davor schützen kann.

Kleine Testgruppe sorgt für Kritik

Allerdings ist noch nicht klar, ob die französischen Gesundheitsbehörden den Test tatsächlich genehmigen werden. Die kleine befragte Gruppe von nur 22 Rauchern kann für zufällige statistische Abweichungen sorgen, die das Gesamtergebnis verzerren. Außerdem beruhten die Angaben der Patienten, ob sie Raucher oder Nichtraucher seien, ausschließlich auf deren eigenen Angaben. Diese wurden nicht überprüft – das heißt, es ist nicht garantiert, dass Personen, die sich als Nichtraucher bezeichnet hatten, tatsächlich auch Nichtraucher sind.

Eine mögliche Begründung für die wenigen erfassten Raucher unter den Covid-19-Patienten könnte aber auch eine andere sein: Viele Raucher leiden unter dem sogenannten Raucherhusten. Es ist möglich, dass einige mit dem Virus infizierte Raucher schlichtweg gar nicht gemerkt haben, dass sie die Viren in sich tragen – denn Husten ist eines der häufigsten Symptome der Erkrankung.

Ein weiterer Grund, warum die Gesundheitsbehörden das mögliche Experiment mit den Nikotinpflastern genau prüfen werden: Rauchen erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen wie beispielsweise Lungenkrebs. Und Menschen mit solchen Vorerkrankungen sind häufiger und schwerer vom Coronavirus betroffen – daher rät das Robert-Koch-Institut dringend davon ab, mit dem Rauchen anzufangen.

Ist wirklich das Nikotin das Heilmittel?

Und: Die Forscher vermuten in der Studie lediglich, dass das Nikotin für die geringe Raucherquote unter Patienten verantwortlich sein könnte. Tatsächlich enthält Tabakrauch etwa 4.800 Chemikalien und theoretisch könnte jeder Bestandteil davon ursächlich für die Quote sein.


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