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Langzeitfolgen Corona aktuell: Lässt uns das Virus schneller altern?

Corona aktuell: Hände
© TierneyMJ / Shutterstock
Noch immer ist nicht abschließend geklärt, welche Folgeschäden durch eine Coronainfektion auftreten können. Forscher fürchten nun, dass Infizierte schneller altern könnten.

Anhaltende Müdigkeit, Verlust des Geschmacks-und Geruchssinns und mehr: Mit dem Coronavirus infizierte Patienten haben teilweise auch Monate nach der Erkrankung noch mit Beschwerden zu kämpfen. Experten sprechen hier bereits von dem sogenannten Post-Covid-Syndrom. Forscher befürchten aber noch weitere Langzeitfolgen – dazu zählt auch Prof. Dr. Stefan Schreiber vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, der unter anderem zu chronischen Entzündungen und Alterungsprozessen forscht.

Altern wir durch Corona schneller?

Der Experte befürchtet in einem Interview mit der "Welt", dass das Coronavirus unsere Organe selbst bei einem milden Krankheitsverlauf schneller altern lassen könnte: "Neben konkreten Krankheitsfolgen beschleunigt das Virus auch erstmal unbemerkt die Alterungsprozesse der inneren Organe. Ein 30-Jähriger, der die Infektion jetzt bekommt, könnte dadurch in zwei Jahren die Lunge oder das Herz eines 40-Jährigen haben – oder in zehn Jahren Lunge oder Herz eines 60-Jährigen."

Zwar betrifft Covid-19 vor allem die Atemwege oder die Lunge, die Krankheit kann sich jedoch auch auf andere Organe ausweiten. Aktuelle Studien deuten an, dass die Organe durch eine Infektion langfristig geschädigt werden könnten. Außerdem scheinen die Viren oft auch bestimmte Zellen mit dem Namen Endothel zu befallen. Diese Zellen bilden die Wände der Blutgefäße im gesamten Körper, die, wie die bisherige Forschung zeigt, häufig durch Corona geschädigt werden.

Endothelien sterben durch Infektion ab

Sterben die Endothelien infolge der Infektion ab, wird das Immunsystem aktiviert – und reagiert darauf ziemlich radikal, wie Schreiber erklärt: "Schäden werden erst isoliert, dann das betroffene Gewebe zerstört, es schmeißt sozusagen eine Bombe hinein, um es danach wieder neu aufzubauen. Wenn das aber so großflächig passiert, dann entsteht enormer Aufruhr, ein Signalsturm, der sich selbst weiter anheizt."

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Zwar sollen die Schäden nach überstandener Infektion repariert werden können, der Experte vermutet aber, dass die Endothelien trotzdem langfristige Folgen durch die Infektion davontragen könnten. Und da die Zellen auch an der Blutversorgung der Organe beteiligt sind, könnte sich das wiederum auf deren Alterungsprozesse auswirken.

Corona-Patienten sollen an Studie mitwirken

Bisher gibt es keine Belege für diese Vermutungen des Experten – deshalb rufen er und sein Team alle positiv getesteten Corona Patienten in Schleswig-Holstein dazu auf, zu regelmäßigen Check-ups im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel zu erscheinen. Die Betroffenen sollen auf mögliche Langzeitschäden an den Organen untersucht werden, dabei stehen vor allem Herz, Lunge, Niere, Stoffwechsel, Leber und das Nervensystem im Fokus. Insgesamt soll die Studie über 24 Monate laufen, Patienten sollten aber damit einverstanden sein, auch nach fünf bzw. zehn Jahren an Nachuntersuchungen teilzunehmen.


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