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Corona aktuell Machen uns Masken immun?

Corona aktuell: Mann mit Maske
© Ander5 / Shutterstock
Noch immer wartet die ganze Welt auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Laut einer Theorie von US-Forschern könnte uns aber auch eine Maske immun machen.

Während in Deutschland immer noch viele Menschen dagegen protestieren, in der Öffentlichkeit eine Atemmaske zum Schutz vor dem Coronavirus zu tragen, sorgen zwei US-Forscher aktuell mit einer gewagten Theorie für Aufsehen. In einem Meinungsstück im New England Journal of Medicine äußern Sie die Vermutung, dass wir durch das Tragen einer Maske sogar eine Immunität gegen die Infektion aufbauen könnten.

Wie Masken schützen

Tatsächlich klingt der Ansatz der Forscher Monica Ghandi und George Rutherford von der University of California in San Francisco sogar erst einmal logisch. Generell kann eine Stoffmaske, die ein infizierter Mensch trägt, zwar einen Großteil der Viren in Form von Tröpfchen abfangen, aber nicht alle. Einige wenige Erreger dringen also trotz Maske in die Atemluft nach außen. Allerdings ist die Virenlast bestenfalls so gering, dass sich ein in nächster Nähe befindlicher Mensch nicht infiziert, solange er ebenfalls eine Maske trägt.

Infektion im Austausch für Immunität?

Laut der Theorie der Experten könnte es jedoch auch zu einer Alternative kommen. So könnte sich eine zweite Person trotz Maske eben doch anstecken. Aber da die Virenlast so gering ist, sollte es dem Immunsystem möglich sein, die Erreger effektiv zu bekämpfen. So würde der Betroffene bestenfalls überhaupt nichts von der Erkrankung merken. Gleichzeitig könnte die Immunreaktion aber bereits ausreichen, um eine Immunität gegen die Coronaviren aufzubauen. Erneuten Infektionen könnte so vorgebeugt werden.

Im Klartext: Durch die Masken würden sich zwar generell mehr Menschen anstecken, diese entwickeln aber keine Beschwerden und wären anschließend bestenfalls sogar immun. So ließe sich das Virus eindämmen, bis tatsächlich eine Impfung entwickelt wird.

Aber wie bewerten andere Experten die Theorie? Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) sagte dem "Science Media Center": "Der Artikel ist prinzipiell sehr interessant und in vielen Punkten plausibel. Ich bin aber etwas skeptisch, denn er basiert auf zwei Annahmen, die wissenschaftlich für Sars-CoV-2 noch nicht belegt sind. Erstens, dass eine geringere Dosis an Virus weniger starke Symptome oder Krankheit auslöst, und zweitens, dass milde oder asymptomatische Infektionen einen langlebigen Immunschutz auslösen."

Zwar ist bei einigen Krankheiten belegt, dass eine höhere Virenlast auch für einen schwereren Verlauf sorgt – so war es beispielsweise bei Pocken. Bei Covid-19 konnte aber lediglich bei einer Studie an Hamstern beobachtet werden, dass die Tiere abhängig von der Menge der Viren unterschiedlich stark erkrankten. Ob das bei Menschen auch so ist, ist bisher unklar.

Eine Frage der Immunität…

Forscher auf der ganzen Welt beschäftigen sich mit der Frage, ob und inwieweit Betroffene nach einer Infektion vor einer erneuten Ansteckung geschützt sind.Zwar gebe es mittlerweile durch verschiedene Untersuchungen Hinweise darauf, dass infizierte Menschen nach überstandener Erkrankung zumindest für eine Zeit lang eine gewisse Immunität gegen die Viren haben – und zwar auch nach einem milderen Verlauf. Brinkmann dämpft die Hoffnungen hier allerdings: "Wir sehen eine Immunantwort bei Menschen mit milden Verläufen, aber die große Frage ist ja, wie langlebig sie ist – also wie lange sie geschützt sind." Bevor Forscher hier aussagekräftige Daten vorlegen können, werden vermutlich noch Monate vergehen.

...oder der Politik?

Gerade über den letzten Punkt sind sich die beiden US-Forscher ebenfalls klar, wie sie in ihrem Meinung Beitrag schreiben: "Um unsere Hypothese zu überprüfen, brauchen wir weitere Studien, die den Anteil der asymptomatische infizierten in Gegenden mit und ohne Alltagsmasken vergleichen." Kritiker bemängeln an der Theorie aber noch einen weiteren Punkt: Das New England Journal of Medicine werde zwar weltweit gelesen, richte sich aber vor allem an eine amerikanische Leserschaft. Und gerade in den USA ist das Tragen von Masken im Alltag derzeit noch ein wesentlich größeres Streitthema als hierzulande. Somit könne die Theorie auch schlicht als Aufruf verstanden werden, Masken zu tragen.


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