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Neue Langzeitstudie Corona aktuell: Schwerwiegende psychische Spätfolgen möglich

Corona aktuell: Traurige Frau sieht aus dem Fenster
© Africa Studio / Shutterstock
Britische Forscher konnten einer Studie zeigen, dass eine Coronainfektion schwerwiegende Spätfolgen haben kann – sogar dann, wenn die Infektion einen milden Verlauf hatte.

Mittlerweile grassiert das Coronavirus seit vielen Monaten. Und langsam zeichnet sich ab, welche Spätfolgen eine Infektion tatsächlich haben kann. Eine neue Studie von britischen Forschern an der Oxford University belegt nun, dass das Risiko für psychische Erkrankungen nach einer überstandenen Coronainfektion erhöht ist. Demnach kommt es bei rund jedem fünften (18,1 Prozent) Corona-Patienten innerhalb von drei Monaten nach der Erkrankung zu psychischen Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen. Als Ursache dafür vermutet man die Isolation während der Quarantäne.

Zusammenhang zwischen Covid-19 und psychischen Störungen

Insgesamt wurden die elektronischen Patientenakten von über 69 Millionen Amerikanern analysiert. Darunter fielen auch 62.000 Covid-Infektionen mit einem milden Krankheitsverlauf. Um herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Coronainfektion und psychischen Problemen gibt, untersuchten die Forscher einen Zeitraum von zwei Wochen bis drei Monate nach der Covid-Diagnose.

Psychische Vorbelastungen als Risiko

Beachtet werden muss bei der Studie allerdings, dass von den genannten 18,1 Prozent lediglich 5,8 Prozent zum ersten Mal eine psychische Erkrankung diagnostiziert bekommen hatten. Der Rest der Betroffenen litt bereits vorher an psychischen Problemen. Dafür konnte aber ausgeschlossen werden, dass die psychischen Probleme ursächlich durch eine andere Krankheit entstanden waren. Paul Harrison, Professor für Psychiatrie an der University of Oxford und einer der leitenden Forscher der Studie, sagt zu den Ergebnissen: "Dass Covid-19-Überlebende ein höheres Risiko für mentale gesundheitliche Probleme haben, ist laut unserer Untersuchung sehr wahrscheinlich. Wir müssen dringend die Ursachen hierfür analysieren und neue Behandlungsmethoden entwickeln."

Kritik von anderen Experten

Unabhängige Experten relativieren das Studienergebnis allerdings. Zum einen sollen elektronische Gesundheitsakten demnach nicht überbewertet werden, es fehle noch weitere Forschung in dem Bereich. Zusätzlich könne man nicht immer einen Zusammenhang zwischen einer Krankheit und Corona belegen. Als Beispiel dafür wird die Krankheit Demenz genannt: Innerhalb von drei Monaten wurde sie bei Covid-19-Patienten doppelt so häufig diagnostiziert wie sonst, ein ursächlicher Zusammenhang wurde aber nicht gefunden. Die häufigere Demenzdiagnose könnte also auch dadurch zustande gekommen sein, dass die Betroffenen einfach häufiger untersucht worden waren.

Andere Risikofaktoren wurden nicht beachtet

Ebenfalls negativ anzumerken ist, dass bei der Studie andere typische Risikofaktoren für eine psychische Erkrankung nicht beachtet wurden. Mögliche Faktoren wie beispielsweise das Geschlecht, das Alter, chronischer Stress oder der mögliche Konsum von Alkohol oder Drogen wurden nicht berücksichtigt. Dabei ist erwiesen, dass Faktoren wie diese eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit spielen.

Generell gibt es bisher nur wenige belegbare Daten darüber, welche Symptome und mögliche Langzeitfolgen eine Coronainfektion haben kann. Weitere Studien müssen klären, ob und inwieweit die psychische Gesundheit tatsächlich durch eine Coronainfektion beeinflusst wird.


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