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Corona aktuell Sind wir nach einer Infektion doch länger immun?

Corona aktuell: Coronaviren als Grafik
© Corona Borealis Studio / Shutterstock
Erste Studien zu einer möglichen Langzeitimmunität nach einer Infektion mit dem Coronavirus waren eher ernüchternd. Neuere Untersuchungen legen nun aber einen anderen Schluss nahe.

Unser Immunsystem ist ein kleines Wunder der Natur: Lösen Viren oder Bakterien eine bestimmte Krankheit aus, erinnert sich das Immunsystem noch lange Zeit an den Erreger und bildet Antikörper dagegen. Greift der Erreger den Körper noch einmal an, fährt unsere Immunabwehr hoch und sorgt dafür, dass wir nicht noch einmal so schwer erkranken, wie bei der ersten Infektion.

Allerdings sind einige Viren und Bakterien sehr wandelbar, wodurch es ihnen gelingt, dass Immunsystem immer wieder auszutricksen. Grippeviren gehören beispielsweise dazu – sie mutieren so oft, dass wir, selbst wenn wir geimpft sind, immer wieder krank werden können.

Wie wirkt sich das Coronavirus auf das Immunsystem aus?

Aber wie sieht es eigentlich mit dem neuen Coronavirus aus? Erste Forschungen legten nahe, dass die Antikörper nach einer überstandenen Infektion schnell wieder abgebaut werden, was bedeuten würde, dass man auch relativ zeitnah erneut infiziert werden könnte. Nun liegen neue Untersuchungen vor, die andeuten, dass sich das Immungedächtnis doch länger an die Infektion erinnern und entsprechend reagieren könnte. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass manche Studien bisher nicht von unabhängigen Experten begutachtet wurden.

Ist man nach einer Infektion doch länger immun?

Generell legt nicht nur die Anzahl der Antikörper fest, wie das Immunsystem auf eine neue Infektion mit einem Virus reagiert. Stattdessen erfolgt die Immunantwort in mehreren Schritten: Zunächst kommt die sogenannte unspezifische Immunabwehr zum Einsatz. Dabei werden sogenannte T-Zellen aktiviert, die Erreger vernichten und weitere Abwehrmaßnahmen koordinieren. Dann fangen die sogenannten B-Zellen damit an, Antikörper zu produzieren. Deren Anzahl sowie die Anzahl der B-Zellen nehmen im Laufe der Zeit nach der Infektion aber immer weiter ab.

Die neuen Untersuchungen in Bezug auf das Coronavirus zeigen allerdings, dass die Anzahl der B-Zellen nicht auf null fällt: Im Blut und im Knochenmark bleiben sie erhalten und können dementsprechend bei einer erneuten Infektion tätig werden. Deepta Bhattacharya von der University of Arizona, Co-Autor einer der neuen Untersuchungen, sagt dazu: "Die Antikörper nehmen ab, aber sie verbleiben in einem Bereich, der wie ein stabiler Tiefpunkt aussieht." Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die B-Zellen im Knochenmark weiterhin Antikörper produzieren. "Die Reaktion sieht vollkommen dauerhaft aus."

T-Zellen greifen Coronaviren an

Auch die Tätigkeit der T-Zellen lässt Wissenschaftler laut einer der neuen Studien hoffen, dass wir nach überstandener Coronainfektion doch länger immun sein könnten. Für die Untersuchung wurden Patienten, die das Coronvirus durchgemacht hatten, T-Zellen entnommen und isoliert. Versuche im Labor ergaben, dass sich die T-Zellen rapide teilten und sofort angriffen, wenn sie erneut mit den Coronaviren in Kontakt kamen. Das galt auch bei den T-Zellen von Patienten, die nur einen milden Krankheitsverlauf hatten. Ursprünglich hatten die Forscher befürchtet, dass die Reaktion des Immunsystems in diesem Fall schwächer ausfällt.

Abgesehen davon, dass die neuen Forschungen teilweise noch nicht unabhängig geprüft worden sind, können aber auch sie bisher nur eine kurzfristige Beurteilung zur Immunität nach einer überstandenen Coronainfektion sein. Auf endgültige Beweise, wie lange das Immunsystem auf die Erreger reagiert, werden wir noch eine Weile warten müssen.


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