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Weil Männer schwerer erkranken Sollen Frauen bei der Impfung nachgereiht werden?

Corona aktuell: Mann beim Impfen
© Melinda Nagy / Shutterstock
Der freie Schriftsteller und Autor Ralf Bönt plädiert darauf, Frauen bei der Impfung gegen COVID-19 nachzureihen und Männer zuerst zu impfen, weil diese schwerer erkranken. Was steckt dahinter?

Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen hierzulande wesentlich zäher als ursprünglich geplant: Bundesländer beklagen zu wenig Impfdosen, der Bundesregierung wird in vielen Fällen Versagen bei den Bestellungen vorgeworfen. Und auch die Impf-Reihenfolge wird nach wie vor diskutiert. Passend dazu hat der freie Schriftsteller und Autor Ralf Bönt einen Gastbeitrag bei Zeit Online veröffentlicht, in dem er darauf plädiert, vorrangig Männer zu impfen und Frauen nachzureihen. Der Grund: Statistiken belegen, dass Männer häufiger an COVID-19 versterben und eher zu schweren Krankheitsverläufen neigen, bei denen Beatmungsmaschinen eingesetzt werden müssen.

Ist es ein Risiko, ein Mann zu sein?

Wer noch nicht geimpft ist, ist aktuell noch immer vor allem dazu angehalten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu zählen der Abstand zu anderen Menschen, häufiges Händewaschen, das Tragen einer Atemschutzmaske und ein aufmerksamer Umgang mit möglichen Symptomen. Laut einer Studie des Fachblattes PNAS sind das alles Punkte, die Frauen eher beherzigen als Männer – denn sie nehmen das Virus und dessen mögliche Folgen ernster. Außerdem wird davon ausgegangen, dass Männer eher zu einem ungesünderen Lebensstil neigen als Frauen, sich also beispielsweise schlechter ernähren, eher rauchen und seltener bei Ärzt*innen vorstellig werden.

Das alles sind aber eigentlich Dinge, an denen Männer arbeiten könnten – weshalb die Frage bleibt, ob man sie bedingt durch änderbare Faktoren wirklich zu einer Risikogruppe zählen sollte. Hier werden unter anderem biologische Gründe ins Feld geführt: Frauen haben beispielsweise eine stärkere X-Chromoson-Dosis und die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron, die das Immunsystem und damit die natürliche Abwehr gegen Viren stärken können. "Allerdings erkranken Frauen gleich häufig oder sogar etwas häufiger" erklärt Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, die Leiterin der Abteilung für Gendermedizin an der MedUni Wien, gegenüber woman.at. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass Frauen überwiegend in systemrelevanten Berufen wie der Pflege arbeiten und einer dementsprechend höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind.

Andere Risikofaktoren sind wichtiger

Zwar lasse sich nicht ganz abstreiten, dass Männer biologisch gesehen etwas im Nachteil sind, aber es gebe andere Risikofaktoren, die als wichtiger eingestuft werden sollten. Dazu würden neben dem Alter beispielsweise mögliche Vorerkrankungen wie Diabetes oder COPD zählen.

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Kautzky-Willer verweist außerdem auf eine andere Risikogruppe, die ebenfalls im Fokus stehen sollte: schwangere Frauen. Erste Untersuchungen belegen nämlich, dass Schwangere, die sich mit COVID-19 anstecken, ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, eine nötige Intensivbehandlung sowie eine höhere Sterblichkeit für Mutter und Kind aufweisen. Dennoch sind diese Frauen bisher von den Impfungen ausgeschlossen, weil die Datenlage unzureichend sei. Hier gebe es Nachholbedarf. Dementsprechend könne man die Diskussion laut der Expertin auch umdrehen und darüber sprechen, ob nicht auch Frauen mit Kinderwunsch beim Impfen vorgereiht werden sollten.

Quellen: zeit.de, woman.at


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