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Die 5 wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Coronavirus: Grafik des Virus
© ffikretow@hotmail.com / Shutterstock
Der Virologe Prof. Dr. Henrik Streeck nimmt im neuen E-Book "Coronavirus – Alles, was Sie wissen müssen" Stellung zu den häufigsten Fragen rund um das Virus. Hier gibt es einen Ausschnitt aus dem Buch!

Herr Prof. Streeck, worin unterscheidet sich das neue Coronavirus von anderen bekannten Coronaviren?

Prof. Streeck: Das ist im Augenblick schwer zu sagen. Das Besondere an dem neuen Coronavirus ist, dass es eine sehr hohe Ähnlichkeit mit dem SARS-Erreger hat, der zwischen November 2002 und Juni 2003 vor allem in China, Taiwan, Vietnam, Singapur und Kanada für eine Epidemie sorgte und mit einer hohen Sterblichkeitsrate einherging; die Weltgesundheitsorganisation schätzt sie auf etwa zehn Prozent. 

Coronavirus: Buchcover
© PR

Dieses SARS-Virus zeigte uns erstmals, dass Coronaviren nicht nur einen harmlosen Schnupfen hervorrufen, sondern auch sehr gefährlich sein können. Deshalb war es wichtig und richtig, dem neuen SARS-CoV-2 von Anfang an mit besonderer Obacht zu begegnen. Nach allem, was wir bislang wissen, spricht jedoch vieles dafür, dass es wohl eher zur Gruppe der bereits erwähnten Coronaviren zu zählen ist, die mildere Krankheitsverläufe hervorrufen.“

Wie wird das neue Coronavirus übertragen?

Prof. Streeck: SARS-CoV-2 vermehrt sich im Rachen des Infizierten in Millionenhöhe und verbreitet sich von dort aus in die Lunge und in die Nase. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, das heißt, die Viren, die im Rachen sitzen, werden über feinste Speichel- oder Schleimtröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen an andere weitergegeben. Es gibt derzeit keinen Hinweis dafür, dass es über die Atemluft übertragen ober über eine Schmierinfektion weitergegeben werden kann.

Welche Altersgruppen sind besonders oft betroffen?

Prof. Streeck: Hierbei muss man unterscheiden zwischen Infektion und Krankheitsverlauf. Ob sich jemand infiziert oder nicht, ist altersunabhängig. Das heißt, ein Neugeborenes kann sich ebenso wie ein hochbetagter Mensch anstecken. Wie die Erkrankung aber dann verläuft, also ob der Betroffene nur mild oder ob er schwer erkrankt, hängt tatsächlich vom Alter ab: Je älter jemand ist, desto höher ist das Risiko, dass Erkrankung und Verlauf schwerwiegend sind (...).

Was ist zu tun, wenn man den Verdacht hat, sich infiziert zu haben?

Prof. Streeck: Grundsätzlich gilt: Nicht jeder mit einem Schnupfen oder Husten hat sich gleich mit SARS-CoV-2 infiziert. Dementsprechend wird auch nicht jeder, der unter Erkältungssymptomen leidet, auf das Coronavirus getestet. Sich bei der Testung auf echte Verdachtsfälle zu beschränken, ist angemessen. Denn es geht auch darum zu verhindern, dass die Labore an Kapazitätsgrenzen stoßen. In der Regel müssen deshalb zusätzlich zu den Symptomen weitere Faktoren hinzukommen. 

Dazu gehört zum Beispiel, dass der Betroffene in den vergangenen 14 Tagen Kontakt mit einem bestätigten Coronavirus-Infizierten hatte oder dass er sich in den vergangenen 14 Tagen in einem vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten hat. Wer in einer Region – wie zum Beispiel im Kreis Heinsberg – war, in der das Coronavirus ausgebrochen ist, wird ebenfalls getestet, wenn sich Symptome bemerkbar machen.

Generell empfehle ich denjenigen, die Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten, sich vorsichtshalber in häusliche Quarantäne zu begeben und ein Symptomtagebuch zu führen. Ein solches Symptomtagebuch kann man zum Beispiel im Internet herunterladen. Treten dann tatsächlich Beschwerden auf, sollte man den Hausarzt kontaktieren. Alternativ kann man sich auch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden, die Telefonnummer lautet 116117. Bei schweren Krankheitserscheinungen wie hohes Fieber oder Atemnot sollte man umgehend die Notfallaufnahme aufsuchen.

Und welche Therapiemaßnahmen können Sie empfehlen, wenn man mild erkrankt ist und sich zu Hause auskuriert?

Prof Streeck: Ich empfehle, therapeutisch direkt dort anzusetzen, wo sich das Virus vermehrt: im Rachen. Dort ist das Virus millionenfach zu finden und dort springt es von Zelle zu Zelle, um sich weiter zu vermehren. Dies lässt sich verhindern, indem man den Viren nicht die Möglichkeit gibt, an einer Zelle anzuhaften. Hierfür muss man die Schleimhäute gut befeuchten, also vor allem viel Wasser und Tee trinken. 

Ein wirksames Mittel ist Gingerol – das ist der Stoff, der frischem Ingwer seinen scharfen Geschmack verleiht. Deshalb bietet es sich an, viel Ingwertee zu trinken: Er ist generell schleimfördernd und er ist speziell für die Schleimhäute hinten im Rachen nützlich, indem er die Viren quasi aus den Geweben herausschwemmt. Sie können dann einfach runtergeschluckt und von der Magensäure vernichtet werden. Dieser Effekt lässt sich im Übrigen auch mit Mundspülungen erzielen. 

Wichtig ist auch, das Immunsystem bei seiner Abwehrarbeit zu unterstützen. Bewährt haben sich vor allem Vitamin C und Vitamin D. Dagegen sollte man die Anwendung von Zink, dem man ebenfalls eine immunsystemstärkende Wirkung zuschreibt, allenfalls auf die Anfangsphase der Erkrankung begrenzen.

Prof. Streeck ist Professor für Virologie und Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Das ganze Interview sowie weitere Tipps zum Umgang mit dem Coronavirus gibt es im Buch "Coronavirus – Alles, was Sie wissen müssen".

Spi

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