Dementer 86-Jähriger ruht sich an Haltestelle aus: Bußgeldbescheid

Weil ein herzkranker und dementer alter Mann an einer Bushaltestelle Rast machte, stellt ihm das Ordnungsamt Düsseldorf ein Verwarnungsgeld in Rechnung – dieser Vorfall erhitzt die Gemüter.

Bußgeldbescheid: Zwei Menschen warten an einer Bushaltestelle.
Letztes Video wiederholen


Acht Minuten: So lange (oder – wie man's nimmt – kurz) soll ein 86-Jähriger in Düsseldorf an einer Bushaltestelle gesessen haben. Allerdings nicht, weil er auf einen Bus wartete. Sondern weil der demente, herzkranke Senior eine Pause brauchte, als er mit seiner 15 Jahre alten Hündin unterwegs war. Für die Kontrolleure des Ordnungsamts ein klarer Fall: Keine ordnungsgemäße Nutzung des Wartehäuschens! Strafe: 35 Euro.

So schildert ein Bekannter des Rentners den Fall, der sich ganz in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs zugetragen haben soll. "Sie benutzten die Anlage des ÖPNV an der vorgenannten Örtlichkeit nicht ihrer Zweckbestimmung entsprechend und nutzten diese als Ruheplatz", wiehert der Amtsschimmel in dem Bescheid, den der Bekannte bei Twitter postete. Für den Nutzer mit den Namen "HansDampf" eine Unverschämtheit: "HABT IHR DEN VERSTAND VERLOREN", fragt er sich.

"Häuschen sollten den Kunden zur Verfügung stehen"

Tatsächlich ist der Bußgeldbescheid echt, wie die "Rheinische Post" berichtet. Gerade im Umfeld des Bahnhofs kontrollieren Stadt-Mitarbeiter Bushaltestellen regelmäßig auf "unerlaubte Nutzung": "Die Häuschen sollen den Kunden und Nutzern des Nahverkehrs zur Verfügung stehen", zitiert die "RP" eine Sprecherin. Sie vermutet, dass den Kollegen nicht klar war, dass der Rentner lediglich ein Päuschen eingelegt hatte – vielmehr glaubten die Kontrolleure wohl, er sei ein Obdachloser oder Trinker.

Nach dem Wirbel um den Bußgeldbescheid rudert die Stadt jetzt allerdings zurück: Der 86-Jährige müsse die 35 Euro nicht bezahlen, wenn er eine kurze Gegen-Äußerung verlauten ließe. "Das muss nichts Großes sein", sagte die Sprecherin der "RP". "Wenn der Mann einfach eine Pause benötigte, dann war das selbstverständlich in Ordnung."

Der Ordnungsdezernent der Stadt Düsseldorf nannte den Fall "unglücklich" – grundsätzlich bittet er aber um Verständnis für die Arbeit des Ordnungsdienstes.

kia
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.