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"Mein Körper musste berührt werden" – Krebskranke Frau verlässt Ehemann, um guten Sex zu haben

Dying for Sex: Krebskranke Frau verlässt Mann, um guten Sex zu haben
© Prochkailo / Shutterstock
Das Leben schreibt heftige Geschichten: Als Molly unheilbar an Krebs erkrankte, verließ sie ihren Ehemann – um nochmal richtig guten Sex zu haben.

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht mehr lange zu leben hast? 

Als Molly (damals 41) erfuhr, dass sie unheilbar an Brustkrebs erkrankt war, traf sie eine radikale Entscheidung. Sie verließ nach 15 Jahren Ehe ihren Ehemann, weil sie ihr Sexleben noch einmal richtig und in vollen Zügen genießen wollte. 

Die Geschichte von Molly wird jetzt in dem Podcast "Dying for Sex" – zu deutsch "Sterben für Sex" – erzählt, in dem die Brustkrebspatientin Molly mit ihrer besten Freundin Nikki darüber spricht, wie die Diagnose "unheilbar" ihr Leben verändert hat. Die Freundinnen sprechen nicht nur über Sex – es geht auch um die ganz großen Themen: Was bedeutet Vergebung? Was bedeutet Freundschaft? Was fangen wir mit der Zeit an, die uns auf dieser Erde gegeben ist?

"In meiner Ehe gab es schon sexuelle Schwierigkeiten, bevor der Krebs kam", erzählt Molly im Gespräch mit ihrer Freundin. 2011 war sie zum ersten Mal an Brustkrebs erkrankt. Zwar konnte sie die Krankheit zunächst bezwingen. Doch die körperliche Beziehung zu ihrem Mann war nicht mehr gut. Molly und ihr Mann versuchten es mit einer Paartherapie – da kehrte der Krebs zurück. Die Ärzte sagten Molly, dass es keine Chance mehr auf Heilung gebe.

Molly startete eine Hormon-Therapie – und diese hatte extreme Auswirkungen. Molly verspürte ein großes Bedürfnis nach körperlicher Nähe. "Ich war die ganze Zeit geil" erzählt Molly in dem Podcast. "Mein Körper musste berührt werden."  

Als ihr Mann diesem starken Bedürfnis nicht gerecht werden konnte, beschloss Molly, sich von ihrem Mann zu trennen und die ihr verbleibende Zeit auf ihre ganze eigene Weise zu nutzen. Sie begann damit, sehr viele Männer zu daten und mit ihnen zu schlafen.

Emotionale Worte auf Instagram

Ihre Erlebnisse dokumentierte sie mit damals noch anonymen Bildern auf Instagram. Die Fotos zeigen ihren Körper in Unterwäsche, dazu schrieb sie emotionale Botschaften wie diese:  "Ich weiß nicht, was mir mehr Angst macht. Der Gedanke daran, dass ich in einem Jahr nicht mehr hier sein könnte oder der Gedanke, dass es mir dann noch schlechter gehen könnte als heute".

Den Männern erzählt Molly nichts von ihrer Krankheit – sie will nicht, dass die anderen nur den Krebs in ihr sehen.

Durch Sex fühle ich mich lebendig und es ist eine große Ablenkung davon, krank zu sein

Ihre erotischen Begegnungen werden für Molly elementar wichtig. "Sie gaben ihr das Gefühl, am Leben zu sein", erzählt ihre Freundin gegenüber der "New York Post". Als Nikki und sie in einer Podcast-Folge die Nummern all der Männer durchgehen, kommen sie auf 183 Männern – und hören dann auf zu zählen. 

Sex und Krankheiten

Die Idee zu dem intimen Podcast entstand 2018, als die Freundinnen sich einmal zum Mittagessen trafen. Molly hatte an diesem Tag bereits zwei heiße Dates gehabt, berichtet ihre Freundin Nikki der "New York Post". An diesem Tag war Molly sehr gut drauf, die Freundinnen kamen zu dem Schluss: "Da steckt doch eine Story drin! Sex und Krankheiten werden selten zusammen diskutiert".

Auf ihrem Blog "everythingleadstothis.com" schreibt Molly zu diesem Thema: "Meiner Erfahrung nach sprechen viele Menschen in der "Todeswelt" nicht über Sex. Möglicherweise aus vielen Gründen, die von Verlegenheit bis zur Verleugnung des Körpers reichen. Narben, Nebenwirkungen von Medikamenten, mangelnde Informationen von Ärzten - all diese Dinge machen es schwierig, sich sexuell mit dem Körper verbinden zu wollen. Aber berührt zu werden und durch eine ähnliche Diagnose wie ich Intimität zu finden, kann mächtig und lebenswichtig sein".

Der Podcast ist Mollys Vermächtnis

Gesagt, getan. Inzwischen sind bereits mehrere Folgend es Podcasts "Dying for Sex" abrufbar. Molly spricht darin mit viel schwarzem Humor über ihre Erlebnisse. Die letzte Folge soll am 11. März veröffentlicht werden. Die Folgen sind Mollys Vermächtnis. Der letzte Eintrag auf ihrer Instagram-Seite stammt aus dem Dezember 2018. Drei Monate danach ist sie im Alter von 45 Jahren verstorben. 

Nikki wünscht sich, dass ihre Podcast-Folgen eine Inspiration für andere Menschen sind: "Meine Hoffnung ist es, dass die Menschen sich mehr um ihre Beziehungen kümmern. Wartet nicht, bis jemand euch sagt, dass ihr sterben werdet. Was steht auf deiner Wunschliste? Wofür willst du leben?"

Verwendete Quellen: Bild.de, nypost.com, Podcast "Dying For Sex", everythingleadstothis.com


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