Holocaust-Projekt: Wenn ein jüdisches Mädchen Instagram gehabt hätte

Wie sähe es aus, wenn ein jüdisches Mädchen während des Holocausts schon Instagram gehabt hätte? Ein Projekt zu Gedenken des Holocausts versucht dies nachzustellen. 

Junge Menschen teilen ihre Erlebnisse heutzutage in den sozialen Medien. Doch was wäre gewesen, wenn es Facebook, Instagram & Co. schon zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gegeben hätte? Mit dem Projekt eva.stories ist ein Online-Projekt anlässlich des israelischen Tags des Gedenkens an Holocaust und Heldentum ("Jom haScho’a") gestartet, das vor allem die junge Instagram-Generation für das Thema sensibilisieren soll. 

Gedenken an den Holocaust

Auf dem gleichnamigen Profil erzählt ein 13-jähriges Mädchen aus Ungarn namens Eva, das 1944 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden war, ihre Geschichte. Seit dem 01. Mai 2015, zeigt das Profil stündlich kurze Videos auf Instagram, die auch in den Highlights gespeichert werden. Eine junge Schauspielerin schlüpft in die Rolle von Eva Heymann und dokumentiert so mit ihren selbstgedrehten Insta-Stories die Folgen von Antisemitismus in Zeiten des Nationalsozialismus.

Ziel der Aktion: Der sechs Millionen Juden zu gedenken, die im Holocaust ermordet wurden. 

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Eva.Stories Official Trailer

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Die Geschichte von Eva 

Insgesamt handelt es sich um 70 Kurzfilme, die das Leben der jungen Eva erzählen. Sie verliebt sich, feiert ihren Geburtstag, trifft sich mit ihren Freunden und verbringt Zeit in der Apotheke des Großvaters. Wie ein junges Mädchen in unserer Zeit versieht das Mädchen ihre Posts mit Hashtags und Emojis. 

Der Alltag einer Jüdin 1944

Doch die Geschichten erzählen auch vom Alltag in Nazi-Europa. So werden sie und ihre Freunde auf der Straße als "dreckige Juden beschimpft" und ihre Cousine Marta wird nach Polen gebracht, was die 13-Jährige noch nicht einordnen kann. "Ich kann nicht aufhören, mich zu fragen: Was wird Marta mit nicht einmal einem Koffer in Polen machen?", fragt sie in die Kamera. Auch Haussuchungen durch Nazis filmt und dokumentiert Eva und bezeichnet diese als "Mitarbeiter des Teufels".  

Eva lebte wirklich 

Was jetzt erst einmal klingt wie eine ausgedachte Geschichte, ist nicht einfach aus der Luft gegriffen, denn Eva gab es wirklich. "Ich wurde dreizehn – an einem Freitag, den dreizehnten wurde ich geboren", lautet Evas erster Tagebucheintrag, am selben Tag, im Jahr 1944. Im Jahr 2019 hätte so vielleicht ihre erste Insta-Story lauten können.

Die echte Eva Heymann wurde nur wenige Monate nach dieser Aufnahme nach Auschwitz deportiert. 

Drei Monate später deportiert

Am 6. Juni 1944 wird Eva bereits nach Auschwitz deportiert und stirbt dort. Nach dem Krieg wurde das Tagebuch ihrer Mutter übergeben, die den Holocaust überlebte. Heute ist es unter dem Namen als Buch "Das rote Fahrrad" zu lesen, erschienen im Nischen Verlag. 

Auch Evas Highlight-Stories bei Instagram sind alle jeweils mit Datum versehen, beginnend am 13. Februar, mit Ende im Juni. Das Profil eva.stories hat binnen weniger Tage bereits 1,2 Millionen Follower gesammelt, die das nachgestellte Leben von Eva miterleben und der Ermordeten des Holocausts gedenken. 

Hintergrund der Aktion

Kritiker empfinden das Projekt als zu oberflächlich, sogar als geschmacklos. Der Initiator des Projekts, Regisseur Mati Kochavi, verteidigt sich in der "New York Times": "Die Erinnerung an den Holocaust verschwindet außerhalb Israels“, sagt er. "Wir haben das Tagebuch gefunden und gesagt: 'Lasst uns davon ausgehen, dass Eva statt Stift und Papier ein Smartphone gehabt hätte und damit dokumentiert hätte, was mit ihr passierte'. Also brachten wir das Smartphone in das Jahr 1944", berichtet er weiter. Das Projekt sei gemeinsam mit seiner Tochter entstanden, die Eva spielt, und kostete mehrere Millionen Euro.

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