Vulven malen beim Evangelischen Kirchentag – endlich tut sich was in der Kirche!

Die Evangelische Kirche steht generell für mehr Toleranz und liberales Ausleben des christlichen Glaubens. Dafür hat sie beim Evangelischen Kirchentag einen Workshop mit den Namen "Vulven malen" angeboten – sehr zum Ärgernis einiger Bürger. Warum eigentlich? 

Das Motto des diesjährigen Evangelischen Kirchentags, der vom 19.–23. Juni 2019 stattfand, stand unter dem Thema “Kirche in einem anderen Kontext erleben“. Das Motto haben sich die Organisatoren doch sehr zu Herzen genommen. 

Aufregender Post bei Twitter

Der "andere Kontext" wurde unter anderem durch einen Workshop mit dem Namen "Vulven malen" geboten – und sehr visuell beworben. Denn die Manager des Twitter-Accounts posteten ein sehr plakatives Gif zum Thema. 

Einige Nutzer der Plattform schrien virtuell förmlich auf. Ja, sie drohten sogar mit dem Austritt aus der Kirche. 

Andere wiederum nutzten Sarkasmus um ihr Missfallen auszudrücken: "Lasst uns gemeinsam singen, beten und diskutieren. Und weibliche Geschlechtsteile malen. Erbauliche und die Seelen erquickende Unterhaltung für die ganze Familie", kommentiert dort ein User.

Zwar regen sich hauptsächlich die Herren der Schöpfung über die Veranstaltung auf, aber auch Frauen schienen sich angegriffen zu fühlen. "Das ist eine Beleidigung als Christin und als Frau weiß ich schon wie meine aussieht", schrieb eine Nutzerin. 

Lebensbejahende Botschaft 

Die Organisatoren reagierten natürlich prompt mit einer Erklärung: Die Veranstaltung stünde auch in Zusammenhang mit der lebensbejahenden Botschaft des Schöpfungsberichtes im Buch Genesis. Vulven malen sei nur ein kleiner Teil des Angebots des Kirchentages und spezifisch des Zentrums Geschlechterwelten.

Dort gab es unter anderem auch Workshops zu den Themen Familienbilder, Gewalterleben von Männern oder Geschlechtergerechtigkeit – oder auch zum Thema "Schöner kommen". 

Aber auch daran störte sich ein Nutzer: "Und wie lautet der Bibelbezug und die spezifisch evangelische Herleitung für das Podium 'Schöner kommen'“, ätzte er über Twitter. 

Warum regen sich eigentlich alle so auf?

Während die Katholische Kirche noch mitten in der Genderdebatte steckt, zelebriert der Evangelische Kirchentag die Sexualität, die schließlich genauso natürlich ist, wie wir Menschen selbst. Darüber hinaus wurde in der Kirche jahrhundertelang weibliche Sexualität tabuisiert.

Es zeigt doch eine gewisse Größe und auch den Mut der Veranstalter, dass diese gewillt waren, sich den Tabus zu stellen und dabei dem Shitstorm in den sozialen Medien souverän mit Humor zu begegnen. Auch den Vorschlag, einen Workshop zum Thema "Aus Scheiße ein Gehirn basteln" konterte das Social Media Team ebenfalls mit Witz und Augenzwinkern. 

Schließlich ging der Workshop darum, "sich kreativ mit der eigenen Körperlichkeit auseinanderzusetzen" und in "ungezwungener Atmosphäre in Austausch über das weibliche, äußere Genital, die Vulva, zu treten". Sich darüber aufzuregen würde Sexualität und Weiblichkeit wieder nur tabuisieren. Da sind wir im 21. Jahrhundert doch schon weiter. 

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