"Ich brauche Zeit für mich": Vater jammert über Kinderbetreuung

Erst arbeiten und direkt danach das Kind bespaßen? Ist diesem Vater alles zu viel, darum beschwert er sich im Internet. Allerdings erntet er wenig Verständnis.

Keine Frage: Kinder zu betreuen, kann richtig anstrengend sein und dass Mütter und Väter sich ab und an eine Pause von der Kinderbespaßung wünschen, ist völlig normal und verständlich. Idealerweise ermöglichen sich darum die jeweiligen Elternpaare gegenseitig kleine Auszeiten zwischen all den Herausforderungen, oder werden zuweilen von der Familie, Freunden oder sonstigen Kinderbetreuer*innen entlastet. 

Anonymer Vater bittet um Hilfe

Doch während immer mehr Männer sich mit Herz und Freude der partnerschaftlichen Betreuung der Kinder widmen und zur Entlastung und auch der beruflichen Förderung ihrer Frauen beitragen, gibt es auch so manchen Mann, der mit diesem Konzept der gegenseitigen Entlastung etwas überfordert scheint. So wie dieser Vater, der unter dem Pseudonym #dadjan in der Facebook-Gruppe "Dad's Life" um Hilfe bittet.

"Hallo zusammen", beginnt der Mann seinen Post und schildert dann seine Situation. Er gehe Vollzeit arbeiten, der Kindergarten seines Sohnes koste 300 Euro. Nun wolle seine Frau auch arbeiten gehen, um diese Kosten zu finanzieren. "Wo ich natürlich erst mal nix dagegen habe", kommentiert der Mann und beweist damit immerhin, dass er gedanklich aus dem Zeitalter heraus ist, als der Ehemann seiner Ehefrau das Arbeiten noch verbieten durfte. Ja, gab es auch mal. Ist zum Glück vorbei!!

"Kann mich hier jemand verstehen?"

Doch jetzt kommt das Problem des verunsicherten Vaters: "Ich [muss ihn] dann mittags 2-3 Mal die Woche direkt nach der Arbeit vom Kindergarten abholen und ihn dann auch unterhalten, essen machen etc. und ins Bett bringen, da der Job von meiner Frau bis mindestens 20 Uhr geht". Das ist dem vermeintlich so engagierten Vater schlicht zu viel: "Mein Problem bei dem Ganzen ist, dass es mir ehrlich gesagt einfach zu viel ist, da ich nach der Arbeit ziemlich kaputt bin und so gesehen keine Minute Ruhe habe! Außerdem will ich auch wieder ein paar Hobbys nachgehen." Seinen Post schließt er mit zwei Fragen: "Wer von euch muss auch nach einem 8 -9 Stunden-Tag noch für sein Kind sorgen bis es ins Bett geht? Stelle ich mich an oder kann mich hier jemand verstehen, dass es mir einfach zu viel ist nach der Arbeit?"

Der Mann schildert also ziemlich exakt die Lebenssituation der meisten berufstätigen Frauen mit Kindern, die zwischen Job, Haushalt und Kinderbetreuung kaum noch eine Minuten Zeit für sich haben, wenn nicht Partner, Familie oder sonst wer mithilft und für Entlastung sorgt. Die Realität viel zu vieler Frauen ist eben noch immer diese: Sie leisten einen Haufen unbezahlte Pflege-, Betreuungs- und Hausarbeit, kommen parallel in der Arbeitswelt schlechter weiter, verdienen weniger, haben schlechtere Karrierechancen und landen schließlich eher in der Altersarmut. Einer der wesentlichen Lösungsansätze für diese Problematik liegt ganz klar in der gleichberechtigten Kindererziehung. 50/50 Job, Kind, Haushalt, Entlastung und Belastung. Wenn man denn einen Partner hat, der bei der Sache mitzieht …

Nun ja, der Vater in diesem Fall leidet also sehr. Zum Glück hat er schon eine ganz tolle Lösungsidee: Seine Frau solle sich doch einfach eine Arbeit suchen, die besser zu den Öffnungszeiten des Kindergarten passen. Ja ne, is klar …

"Wann hat deine Frau Zeit für sich?"

Es mag wenig überraschend sein, dass der verzweifelte Vater zu seinem Post nicht allzu viel Verständnis erntet. Stattdessen wird er quasi gegrillt. Auch Väter kommentieren:  "Ein verantwortungsvoller Vater muss da durch", und, "Tja, willkommen im Papasein! Vater ist Mann 24h und 365 Tage im Jahr". Einer schreibt klipp und klar: "Ich finde du stellst dich an. Wenn dir dein Sohn wirklich wichtig wäre, würdest du diese Frage nicht stellen - und heutzutage den passenden Job zu finden ist eh fast unmöglich".

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Eine der Kommentatorinnen bringt es wunderbar auf den Punkt: "Also soll deine Frau jeden Tag nach der Arbeit euer Kind abholen? Wieso ist es für sie weniger anstrengend als für dich? Wann hat sie dann Zeit für ihre Hobbys? Ich finde es hört sich ziemlich fair an, wenn du 2-3 die Woche euer Kind abholst nach der Arbeit und sie 2-3 Tage die Woche. Hört sich egoistisch an, es von der Partnerin zu verlangen, aber es selbst nicht zu wollen."

Es ist sehr zu hoffen, dass der verzweifelte Vater irgendwann verstanden hat und er künftig mehr tun wird, um seine Frau gleichberechtigt zu entlasten.

mh
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