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Absurde Strafe Mutter droht Anzeige, weil sie beim Homeschooling zuhörte

Homeschooling: Mutter und Kind beim Lernen
© Fabio Principe / Shutterstock
Eine Mutter aus Salzburg wollte ihrem Kind beim Homeschooling helfen – und hörte beim Unterricht zu. Daraufhin drohte ihr die Bildungsdirektion mit einer Anzeige.

Homeschooling bringt so manche Kinder (und Eltern) an ihre Grenzen. Das hat vielerlei Gründe: Das gemeinsame Arbeiten und Lernen auf kleinstem Raum. Mangelhafte Internetverbindungen. Schlecht digitalisierte Lerninhalte. Kollidierende Konferenzen von Mama und Kind. Lockdown-erfahrenen Familien würden an dieser Stelle vermutlich noch eine Reihe anderer nervenzerrende Faktoren einfallen. Aber dafür bestraft werden, selbst als Lehrkraft einzuspringen? Das klingt für die meisten Eltern absurd – schließlich würden sie sich viel mehr wünschen, den Lehrer*innen-Job so schnell wie möglich wieder an den Nagel zu hängen.

Strafe und Anzeige für Homeschooling-Teilnahme angedroht

Eine solche Strafe wurde nun jedoch einer Mutter aus Salzburg angedroht. Wie die Frau gegenüber RTL berichtete, wollte sie ihrer 15-jährigen Tochter beim Homeschooling helfen. Als sie merkte, dass das Mädchen nicht mehr hinterherkam, schrieb sie dem Klassenvorstand eine E-Mail mit der Bitte, am Unterricht teilzunehmen. Darauf folgte die erste Überraschung – die Teilnahme wurde ihr verwehrt. 

Als die Frau eine Beschwerde bei der Bildungsdirektion Salzburg einreichen wollte, drohte diese tatsächlich mit einer Bestrafung – aber nicht gegenüber der Schule, sondern der Mutter persönlich. Denn offenbar hätte sie dem Homeschooling gar nicht lauschen dürfen: "Dann hat man mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich strafbar mache und dass man mich jetzt beim Strafamt melden und anzeigen wird", erklärte die Frau im RTL-Interview.

Eltern dürfen nur in Ausnahmen am Unterricht der Kinder teilnehmen

Die Bildungsdirektion soll auf Nachfrage lediglich bestätigt haben, der Mutter die Rechtslage erklärt zu haben, ein Bußgeld sei nicht verhängt worden. Aber wofür sollte die Frau überhaupt bestraft werden? Tatsächlich gibt es auch in Deutschland die Regelung, dass Eltern nur in Sonderfällen am Unterricht der Kinder teilnehmen dürfen. Allerdings würden sich so manche Mamas und Papas aktuell ja durchaus über ein wenig Ruhe freuen – nur ist es eben schwer bis unmöglich, im Home-Office und -Schooling wegzuhören. 

Der Lockdown dürfte durchaus als Ausnahmelage gelten. Laut RTL sollen manche Bundesländer bereits eine spezielle Lernverordnung für den Distanzunterricht veröffentlicht haben, wie zum Beispiel Nordrhein-Westfahlen, wo Eltern ihre Kinder beim Homeschooling "beobachten" dürfen. Im Zweifel gilt: Bei der Schule nachfragen. Aktuell sind wir schließlich alle auf die gegenseitige Unterstützung angewiesen.


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