VG-Wort Pixel

Abtreibung Baby überlebt – und trifft 39 Jahre später seine Mutter

Mellissa Ohden: Ein schlafendes, 12 Tage altes Baby
© Dmytro Surkov / Shutterstock
Melissa Ohden sollte abgetrieben werden, doch sie überlebte den Eingriff, ohne dass ihre Mutter davon wusste. Mittlerweile ist Melissa erwachsen – und hat ihre Mutter ausfindig gemacht. 

Melissa Ohden weiß, seit sie ein Kind ist, dass ihre Eltern sie adoptiert haben. "Ron und Linda haben es nie vor mir verheimlicht", zitiert sie die "Sun". "Aber es war mir egal. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit mit meiner Schwester Tammy." Warum sie adoptiert wurde, habe die Amerikanerin anfangs jedoch nicht gewusst. Erst als sie 14 war und ihre Schwester im Streit zu ihr sagte: "Meine Eltern wollten mich wenigstens", habe ihre Adoptivmama ihr daraufhin die ganze Wahrheit erzählt: Dass Melissas leibliche Mutter versucht hatte sie abzutreiben und ihr Überleben ein Unfall war.

Fehlgeschlagene Abtreibung im 8. Monat

Damals erfuhr die heute 42-Jährige, was ihre Adoptiveltern von der Adoptionsstelle wussten: Melissas Mutter hatte in der 31. Schwangerschaftswoche, also im achten Monat, eine Abtreibung vornehmen lassen. Die Ärzte hatten der Schwangeren damals ein Mittel injiziert, das eine Totgeburt zur Folge haben sollte. Nach der Entbindung verließ Melissas Mutter die Klinik offenbar in dem Glauben, der Eingriff sei "erfolgreich" gewesen. Doch das war er nicht: Melissa lebte. Eine Schwester bemerkte und rettete das kaum überlebensfähige Baby aus dem "biologischen Abfall" und brachte es auf die Frühchen-Station. Dort wurde Melissa aufgepäppelt und anschließend in ein anderes Krankenhaus gegeben – von wo aus sie wenige Wochen später in die Obhut ihrer Adoptiveltern kam. 

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Nachdem sie von ihrer Vergangenheit erfahren hatte, sei sie zunächst verstört und völlig fertig gewesen, berichtet Melissa gegenüber "Sun". Doch ein paar Jahre später, mit 19, fasste sie den Entschluss, nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. Ihre erste Spur führte sie zu ihrem Vater, so die Amerikanerin. 2007, also 30 Jahre ihrer Geburt, versuchte sie Kontakt zu ihm aufzunehmen, doch kurz darauf erfuhr sie von seinem Tod. Zu einem Austausch oder gar Treffen kam es nie. Von Melissas Mutter fehlte weiterhin jede Spur.

Erst 2013 änderte sich das, allerdings war es dieses Mal Melissa, die kontaktiert wurde: Sie erhielt einen Anruf von einer Frau, die sich als die Cousine von Melissas leiblicher Mutter vorstellte. Sie wusste von dem Abtreibungsversuch und war durch Melissas Bemühungen, ihre Eltern zu finden, auf sie aufmerksam geworden. Sie vermittelte Melissa den Kontakt zu ihrer Mutter, Ruth, – die ihrer Tochter daraufhin die ganze Wahrheit erzählte.

Von der Mutter zur Abtreibung gezwungen

Ruth war 19, als sie mit Melissa schwanger war. Sie wollte das Kind austragen, doch ihre Mutter drängte sie zur Abtreibung in der Klinik, in der sie selbst als Krankenschwester arbeitete. Im Gegensatz zu Ruth habe ihre Mutter gewusst, dass Melissa den Eingriff überlebte – doch offenbar habe sie gezielt versucht es zu vertuschen und zu veranlassen, dass das Baby "entsorgt" wird. Ruth habe von alledem 2007 erfahren, sich aber nicht getraut, Melissa selbst zu kontaktieren. Deshalb kam es erst 2013 zum ersten Kontakt, auf Initiative von Ruths Cousine.

Zunächst haben Mutter und Tochter lediglich telefoniert und sich E-Mails geschrieben, um sich besser kennenzulernen. 2016 kam es zum ersten persönlichen Treffen. "Als wir uns gesehen haben, sind wir uns direkt in die Arme gefallen und haben uns eine gefühlte Ewigkeit lang einfach nur umarmt", erzählt Melissa. "Ich konnte dich nicht einmal halten", habe ihre Mutter damals gesagt. 

Bis heute halten die beiden Kontakt und stehen sich mittlerweile sogar richtig nahe. "Es sind nach wie vor einige Fragen offen, aber was ich weiß, ist: Obwohl ich das eigentliche Opfer dieser Abtreibung sein sollte, war Ruth auch ein Opfer. Und wir beide haben uns dagegen entschieden, in der Opferrolle zu verharren. Wir haben uns entschieden zu kämpfen. Zu leben. Zu lieben. Zu vergeben. Und der Welt etwas zurückzugeben." 

sus

Mehr zum Thema