Kritik an "pullernden" Kindern: Sarah Kuttner verärgert Eltern

In einem Tweet kritisierte Sarah Kuttner Eltern, die ihre Kinder zum Pinkeln an Bäume halten, statt sie aufs WC zu begleiten.

Es war nur ein vermeintlich harmloser Tweet, in dem Autorin und Moderatorin Sarah Kuttner sich über Eltern lustig machte, die ihre Kinder zum Pipi machen an den nächstbesten Baum halten:

Klar, natürlich ist es besser (und hygienischer), sein Kind mit in ein Café zu nehmen und dort die Toilette zu benutzen, als es wie einen Hund zum nächsten Baum zu schicken. Doch viele Eltern fühlten sich von dem Tweet angegriffen und machten auf das Offensichtliche aufmerksam: Bei einem Kind liegen oft nur wenige Sekunden zwischen "Alles gut" und "Ich mache in die Hose!" Und in so einem Notfall ist ein Baum natürlich besser als einpinkeln. Auf Twitter gab es schnell Gegenwind für Kuttner:

Von der Meinungsverschiedenheit zum Shitstorm

Auch andere Medien wurden auf die Kontroverse aufmerksam - schon bald hatte man das Gefühl, Kuttner hätte das komplette Internet gegen sich aufgebracht.

Als die Beleidigungen Überhand nahmen und eine Userin darüber fantasierte, Kuttners Hund zu töten, war es allerdings genug - in einem Facebook-Posting rief die Autorin dazu auf, doch mal bitteschön auf dem Teppich zu bleiben:

"Wie das hässliche Internet funktioniert"

Ich: „Wenn in einem ganz bestimmten Bezirk (Berlin-Prenzlauer Berg), in einem ganz bestimmten Kiez, wo es alle 10 Meter (ungelogen!) in durchweg kinderfreundlichen Cafés und Restaurants verfügbare Toiletten gibt, finde ich es oll und unnötig, wenn Eltern ihre Kinder direkt davor an einen Baum halten zum Pinkeln.“

Die sommerlochgeplagte Presse (aus Platzmangel in diesem so furchtbar engen Internet verkürzend und aus dem Kontext reissend, und selbstverständlich nicht vorsichtshalber nachfragend): „Sarah Kuttner verbietet Kindern das Pinkeln.“ Idioten, die die sommerlochgeplagte Presse lesen: „Sarah Kuttner hasst Kinder!“ Idioten, die all das nicht lesen, sich aber über acht Ecken erzählen lassen („Sarah Kuttner hasst Kinder und will alle Kinder töten!“): „Lasst uns den Hund von der Kuttner töten!“

Als ich vor ein paar Wochen mal twitterte, dass ich einen Mann, der an einen Kinderspielplatz pisste, zur Rede gestellt habe, hat es keine Sau aufgeregt. Da hat keiner geschrien: "Alte Männerhasserin! Was, wenn der Mann ganz dringend musste und einfach keine Toilette gefunden hat?!". Da war man sich einig, dass das pfui und bäh und unnötig ist.

"Klar sind Kinder was anderes als an Spielplätze pissende Männer"

Aber in einem wahnsinnig kinderfreundlichen Umfeld, in dem (ich wiederhole mich gern und bestehe darauf, dass ich das schon im Originaltext auf diesen einen engen Bereich von Prenzlauer Berg eingrenzte) Toiletten in jedem zweiten Ladengeschäft vorhanden und mit einer freundlichen Frage zu benutzen sind, muss es schon ein spezieller Notfall sein, wenn man den Sechsjährigen an einen Baum (direkt vor einem Café) halten muss.
Wie irre, dass ein so kleines, verhältnismässig unwichtiges Thema so groß und mit so viel unreflektiertem Hass behandelt wird.

"Ich danke allen Müttern, die mir reflektiert und mit Ruhe schrieben..."

... dass es schon ab und an den einen unkontrollierbaren Notfallmoment mit Kindern gibt, dass der aber fast immer in einem naheliegenden Café/Restaurant zu lösen ist und sie ihre Kinder auch nicht an Bäume gehalten sehen wollen. An die Menschen, die mir alter Kinderhasserin/Kinder töten-Wollerin mit Gewalt drohen: fange ich eben mal an Konsequenzen zu ziehen.

Ich gehe jetzt eine Runde mit dem Hund. Eine Rolle Kotbeutel in der Tasche. Sogar immer darauf achtend, dass er nicht an Kinderspielplätze oder Baustellenmaterial oä pinkelt. Dabei dürfte er. Denn er darf nicht auf Restaurantklos."

War es die Aufregung wert?

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Es lohnt sich nie, wegen einer Meinung im Netz völlig auszurasten. Kuttner wird sich nicht davon überzeugen lassen, dass es dringende Baum-Notfälle gibt. Und betroffene Eltern werden Kuttner zuliebe ihre Kinder nicht einnässen lassen. Unterm Strich kommt niemand zu Schaden, und kein Hund muss deshalb vergiftet werden. Eigentlich ganz einfach, oder?

heh
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.

Neuer Inhalt