"Auch, wenn es hart ist: Ich stehe gerne nachts für mein Kind auf!"

Eine Mutter erzählt, warum sie ein schreiendes Kind in der Nacht inzwischen als Bereicherung empfindet.

Für alle Eltern ist es Horror pur: Die Kinder sind endlich eingeschlafen und Mama und Papa haben nach einem langen Tag "Feierabend" - und plötzlich weint doch wieder jemand und braucht Trost und Aufmerksamkeit, während man sich selbst nichts mehr wünscht, als sich endlich auszuruhen. Auch die amerikanische Autorin Bunmi Laditan war fix und fertig, als ihr Sohn eines Nachts "ihre" Zeit beanspruchte. Doch auf Facebook erzählt sie, wie die Situation ihr ein völlig neues Gefühl und Verständnis für ihre Rolle als Mutter geschenkt hat:

 

"Die Nacht gehört mir."

"Die Tage mögen für Arbeit, Saubermachen und Besorgungen sein: Sobald das letzte Kind schwer und ruhig in seinem Bettchen atmet, erwache ich auf ganz neue Art zum Leben. Stille breitet sich in meinem Haus aus, und ich kann endlich machen, was immer ich will.

Es war nicht einmal eine Stunde, nachdem ich alle schlafen gelegt hatte, dass er anfing zu heulen. Ich erstarrte und hörte genauer hin. Manchmal macht er das nur kurz im Schlaf, aber nein, er rief meinen Namen.

Ich fand ihn halb sitzend, aufgebracht und verschwitzt vor. Er schluchzte und weinte verwirrt vor sich hin. Ich versuchte alle meine normalen Tricks: Ich fand seinen roten Lieblings-Teddy, ich schlug die Decke zurück, damit die Luft ihn abkühlen konnte, ich nahm ihn wie ein Baby in meine Arme und drückte ihn an mich.

"Ich will nicht hier sein, in seinem Zimmer!"

Mein Leben war in letzter Zeit voll Hektik und Veränderung - vielleicht spürte er das? Natürlich spürt er sowas.

Nichts davon klappte, und ich merkte, wie sich das vertraute Gefühl der Frustration in mir breit machte. Ich wollte nicht hier sein, in seinem Zimmer, und mit ihm in seiner anstrengendsten Form kämpfen. Ich wollte mich hinlegen, lesen, etwas Netflix gucken oder irgendwas essen, was ich nicht essen sollte. Das hatte ich verdient. Ich hatte eh nur eine Stunde übrig, bis ich den Kampf gegen die Müdigkeit, die ständig hinter meinen Augen lauert, verlieren würde. Und was, wenn er seine Geschwister wecken würde? Das einzige, was schlimmer ist als ein Kind, das nachts wach wird, sind drei davon mit dem gleichen Problem.

Mein erster Impuls war, das zu verteidigen, was mir gehörte - meine heilige Nacht-Zeit. Aber wenn es eine Sache gibt, die ich über das Mutter-Sein gelernt habe, dann ist es, dass manche Dinge einfach nicht beschleunigt werden können. Kinder spüren es, wenn du ungeduldig bist, und werden absichtlich langsamer, was einen wahnsinnig macht. Sie erkennen, dass du gedanklich schon woanders bist und nutzen jede Waffe in ihrem Arsenal, um dich ins Hier und Jetzt zu zwingen. (...)

Ich musste jetzt einfach hier sein, das wusste ich genau.

Also ließ ich all die Dinge, die ich eigentlich tun wollte, hinter mir und konzentrierte mich voll auf das dunkle Zimmer mit meinem Sohn im Schlafanzug mit seinem Lieblings-Cartoon und seinem Lightning-Mc-Queen-Bett aus Plastik.

Ich kuschelte mich in den dünnen Teppich auf dem Holzboden und ergab mich - nicht meinem Sohn und seinen Bedürfnissen, sondern diesem Moment, und was er von mir brauchte. Ich musste jetzt einfach hier sein, das wusste ich genau. Es gab kein Entkommen, keine Möglichkeit, hier mit Überzeugungsarbeit, Bestechung oder Drohungen zu entfliehen. Die Elternratgeber-Bücher und erfahrenen Großmütter mochten etwas anderes sagen, aber ich konnte in meinen Knochen fühlen, wo ich gebraucht wurde: Hier.

"Egal, wann er wieder aufwacht: Ich werde für ihn da sein!"

Ich dachte an nichts und fühlte seine kleine, weiche Hand in meiner, zunächst ein fester Griff, der sich aber bald entspannte, bis sein Atem wieder tief und ruhig wurde.

Die Menschen bezahlen viel Geld für etwas, das Kinder einem völlig umsonst beibringen: Wie man aufhört, gegen das zu kämpfen, was passiert, und es einfach genau ansieht. Das heißt nicht, dass man zu allem Ja sagt. Aber um etwas effektiv ändern zu können, muss man es erst einmal verstehen und wirklich erleben, egal wie unbequem das sein mag. Manchmal muss man sich einfach mal hinsetzen.

Jetzt schläft er, endlich. Bei Kindern heißt "Gute Nacht!" manchmal "Bis gleich!", aber ich bin ganz ruhig und ausgeglichen. Egal, ob er in acht Stunden aufwacht, oder schon in 30 Minuten, ich werde ihn da treffen, wo er gerade ist.

Dafür wurde ja schließlich Kaffee erfunden."

heh
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