Nach 100 Babys soll Schluss sein: Ehemann betätigt sich als Samenspender

Der Brite Clive Jones fährt als Samenspender durch die Lande, um Frauen mit Kinderwunsch zu beglücken - unbürokratisch und kostenlos.

Clive bringt sein Sperma selbst vorbei

Er parkt seinen weißen Lieferwagen in einer Seitenstraße, zieht hinten die Vorhänge zu und masturbiert. Dann bringt er seiner Kundin die „Ware“ in einer Spritze frisch nach Hause - „unter den Arm geklemmt“, wie er sagt, damit seine Spermien warm und beweglich bleiben. "Ich simse ihnen dann, dass ich in drei Minuten da bin.“

Rund 16 Spenden pro Monat bringt er auf diesem Weg zu Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch – aber nicht jede bringt das gewünschte Ergebnis. Dann kommt er einfach nochmal, solange bis es klappt.

Das erzählt Clive Jones (62) in der Dokumentation „4 Men 175 Babies: The UK's Super Sperm Donors“ des britischen Senders Channel 4, in der mehrere unregistrierte Samenspender vorgestellt werden.

Hilfsbereitschaft oder Eitelkeit?

Nach eigenen Angaben hat Jones neben den drei Kindern mit seiner Ehefrau in den vergangenen fünf Jahren 67 Kinder mit anderen Frauen gezeugt - 14 weitere seien unterwegs. Bei 100 will er aufhören. Was ein bisschen nach männlicher Eitelkeit und nicht nur nach Hilfsbereitschaft klingt.

Trotzdem beteuert der pensionierte Mathelehrer, er verschenke sein Sperma nicht, weil er 100-facher Vater werden wolle, sondern um Frauen zu helfen, die Schwierigkeiten haben, ein Kind zu bekommen.

Wenn ich stolz bin, dann bin ich stolz, weil ich diesen Familien geholfen habe, sagt er.

Seine Kundinnen – oft gleichgeschlechtliche Paare -  kontaktiert Jones über einschlägige Seiten auf Facebook. Alles Weitere wird per Email verabredet. Dass er der gesetzliche Vater der Kinder ist und dass er deshalb Gefahr läuft, auf Unterhalt verklagt zu werden, nimmt er in Kauf.

Seine Frau ist "not amused" ...

Seine 39-jährige Frau bekam erst vor rund zwei Jahren mit, womit sich ihr Mann beschäftigt. Sie hatte Verdacht geschöpft und fand auf seinem Smartphone eindeutige Nachrichten von Frauen. Jones hatte geahnt, dass sie seinen ehrenamtlichen Rentnerjob nicht gutheißen würde und hatte ihr sicherheitshalber nichts davon erzählt. Und ja, sie sei tatsächlich „nicht glücklich“ mit der Situation, so formulierte es Jones bei BBC. „Aber ich wurde auch noch nicht aus dem Haus geworfen.“

... die Samenbanken sind es auch nicht

Britische Kinderwunschklinken warnen vor Clive Jones und anderen unregistrierten Samenspendern, weil diese Geschlechts- oder Erbkrankheiten übertragen könnten. Sie fordern Frauen auf, die solche Dienste in Anspruch genommen haben, sich ärztlich untersuchen zu lassen.

Samenbanken sind für private Reproduktionskliniken allerdings ein großes Geschäft: Eine einzige Behandlung kostet mindestens 900 Euro. Und die staatliche Nationale Samenbank bietet ihre Dienste nur unter bestimmten Voraussetzungen an, außerdem sind die Wartezeiten lang.

Clive Jones war dort als Samenspender übrigens nicht erwünscht. Ursprünglich wollte er sein Sperma ganz offiziell spenden - doch die Reproduktionskliniken lehnten ihn ab, weil er älter als 45 Jahre war.

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