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"Kann mir denn niemand helfen?" 75-Jähriger sucht nach Tod seiner Frau verzweifelt Freunde

Einsamkeit: Senior am Fenster
© Viacheslav Nikolaenko / Shutterstock
Gegen die Einsamkeit nach dem Tod seiner Frau hat sich ein 75-Jähriger verzweifelt auf die Suche nach Freunden gemacht – mit einer emotionalen Botschaft.

"Ich habe Jo verloren", steht in goldener Schrift auf schwarzem Hintergrund geschrieben. Silberne Blumen umranken die Worte. Es ist ein schönes Poster, keine Frage, das an Tony Williams Tür in East Hampshire hängt. Wenn auch ein trauriges. Denn Jo ist der Name seiner Frau. Sie ist im Mai dieses Jahres gestorben.

Seitdem ist der 75-Jährige alleine. Jeden Tag sitzt er vor seinem Telefon, in der Hoffnung, jemand würde anrufen. Doch es bleibt still. Dabei hat Tony seine Nummer bereits mehrfach versucht, unter Leute zu bringen. Er schaltete eine Anzeige in der Zeitung. Er druckte sich Visitenkarten. Er verteilte sie in Parks. Doch nie meldete sich jemand zurück. Dabei will Tony weder etwas verkaufen, noch jemandem zur Last fallen. Seine Bitte ist eine bescheidene: Der Mann sucht einfach nur Freunde.

Einsamkeit als Folter

Nun hängt da dieses Poster an seinem Fenster. Es ist sein letzter Versuch, erzählt Tony dem Magazin "tyla". Familie und Freunde habe er keine. Und auch sonst niemandem, mit dem er reden könnte. "Ich empfinde die unerlässliche Stille 24 Stunden am Tag als eine unerträgliche Folter", steht auf dem Plakat geschrieben. Und die letzte, verzweifelte Frage: "Kann mir denn niemand helfen?"

Es ist mehr als 35 Jahre her, dass Tony seine Jo in einer Bar kennenlernte. Sie redeten, tauschten sich aus – und es war, als hätten sie sich schon ewig gekannt, erinnert sich Tony. Von da an verbrachten sie jede freie Minute miteinander: "Manchmal verbrachten wir Stunden damit, zu kochen, zu lachen und Musik zu hören – das war das Highlight unserer Tage",  schwärmt Tony noch heute von seiner Frau: "Sie war meine beste Freundin".

Tonys Frau starb an Krebs

Im Mai fühlte sich Jo plötzlich schlecht. Die Erkrankung stellte sich als Bauchspeicheldrüsenkrebs heraus. Gerade einmal neun Tage verblieben dem Paar nach der Diagnose, bis Jo im Alter von 75 Jahren in ihrem gemeinsamen Zuhause verstarb. Zurück blieb Tony: "Jetzt bin ich hier, völlig alleine, in unserem gemeinsamen Haus, in dem meine liebevolle Frau ihre letzten Tage im Sterben verbrachte".

Obwohl sich Tony in tiefer Trauer befindet, möchte er niemanden belasten: "Ich suche niemanden, der mir beim Weinen zuhört – ich möchte nur einen Menschen, mit dem ich plaudern kann! Ich kann mit jedem über alles reden", versichert der 75-Jährige.

Einige Tage hängt das Poster nun bereits an seinem Fenster. Nun haben auch englischsprachige Magazine einen Aufruf gestartet, um Freunde für Tony zu finden. Noch wartet dieser sehnsüchtig darauf, dass sein Telefon klingelt – bald ist es hoffentlich seine Türklingel, die den Witwer zukünftig auf Trab halten wird, wenn seine neuen Freunde zu Besuch kommen.

verwendete Quellen: Tyla, Metro, SWNS


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