Der Fall Collini: Elyas M'Barek im fesselnden Kampf um Gerechtigkeit

"Der Fall Collini" ist eine spannende Buchverfilmung, die ein Stück deutsche Geschichte und die Frage nach Gerechtigkeit beleuchtet.

Die Buchverfilmung "Der Fall Collini" nach Ferdinand von Schirach (55), die am 18. April in den deutschen Kinos startet, liefert eine wichtige Geschichtsstunde eingebettet in einen packenden Thriller. "Fack ju Göhte"-Star Elyas M'Barek (36) muss als Nachwuchsanwalt Caspar Leinen bei der Pflichtverteidigung eines Mörders die Grenzen der Wahrheitsfindung vor Gericht erkennen. Neben M'Barek sorgt insbesondere eine Rollenbesetzung für eine geglückte Umsetzung des Romanstoffs.

Das Dreher-Gesetz und seine Folgen - Darum geht's

Caspar Leinen (Elyas M'Barek) steht vor einer großen Herausforderung: In seinem ersten Fall als Rechtsanwalt muss er die Pflichtverteidigung von Fabrizio Collini (Franco Nero) übernehmen. Der Italiener erschoss scheinbar grundlos den deutschen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite.

Für Leinen wird der Fall zu einem Wechselbad zwischen Gefühl und Verstand, denn: Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara). Zudem hatte sich der mächtige Unternehmer seiner wie ein Ersatzvater angenommen. Vor Gericht versucht der junge Anwalt seinem Mandat gerecht zu werden. Doch Collini ist zu keiner Aussage bereit und Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) spielt gekonnt seine Schachzüge - bis Leinen auf einen Justizskandal stößt, der eine überraschende Wendung bringt.

Es geht um das sogenannte Dreher-Gesetz, das 1968 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde und zahlreiche Kriegsverbrechen als Totschlag und nicht als Mord bewertete - wodurch viele Taten von Nazi-Tätern auf einmal als verjährt galten und straffrei blieben. Ein Blick in Collinis Vergangenheit zeigt Leinen, dass der Vater des Angeklagten und der ehemalige SS-Offizier Hans Meyer unmittelbar von diesem Gesetz betroffen waren - als Leidtragender und als Profiteur. Der Kampf um Gerechtigkeit beginnt...

Ein Mann der wenigen Worte ist der eigentliche Star des Films

Elyas M'Barek steht als engagierter Anwalt Caspar Leinen im Mittelpunkt des Films. Als Zuschauer freut man sich mit ihm, dass die Filmemacher das richtige Näschen hatten und ihm den gelungenen Wechsel ins ernstere Fach ermöglichten. Leinens innere Zerrissenheit zwischen der harmonischen Vergangenheit mit Meyer und dessen Enkeltochter und die am Ende vorherrschende Verpflichtung seines Mandanten Collini gegenüber im Hier und Jetzt, bringt M'Barek nahbar auf die Leinwand.

Neben ihm überzeugen Heiner Lauterbach (66) als sich überschätzender Staranwalt Richard Mattinger und Alexandra Maria Lara (40) als Kämpferin für ihre Familie, die am Ende eine bittere Wahrheit verkraften muss.

Doch auch wenn die deutschen Schauspieler in ihren Rollen überzeugen können, so ist es vor allem Franco Nero (77), der mit seiner Titelrolle dem Film zu einer glaubwürdigen Umsetzung verhilft. Der italienische Schauspieler spielte bis dato in mehr als 200 Mafiafilmen und Italowestern mit, seine Erfahrung ist ein Geschenk für die deutsche Produktion. Mit wenig Sprechanteil setzt Nero allein mit Blicken, Mimik und Gestik den unnahbaren Collini perfekt um.

Fazit: Prädestiniert für die Kinoleinwand

Nachdem Ferdinand von Schirach das Stück "Terror" (2015) auf die Theaterbühnen und ins TV ("Terror - Ihr Urteil", 2016) gebracht hat, hat es mit "Der Fall Collini" (2011) nun sein erster Roman überhaupt auf die große Leinwand geschafft. Regisseur Marco Kreuzpaintner (42, "Beat") fand mit einem starken Cast und authentischem Setting - insbesondere der nüchterne Gerichtssaal und das italienische Heimatdorf Collinis - eine passende Inszenierung für das Buch, das sich in Deutschland mehr als 500.000 Mal verkauft hat.

Der Stoff des Romans erhält zu Recht ein filmisches Denkmal, denn der beinahe in Vergessenheit geratene Justizskandal in der NS-Geschichte wirft eine der großen Fragen auf: Was ist rechtens und was ist Gerechtigkeit? Am Ende bleibt die ernüchternde Antwort: Beides steht nicht immer im Einklang.

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