Ein Gauner und Gentleman: Große Gefühle bei Robert Redfords letztem Film

Robert Redford steht in "Ein Gauner und Gentleman" ein letztes Mal vor der Kamera. Ein Schlusspunkt mit extra viel Witz, Charme und Kanone.

Hollywood-Legende Robert Redford (82, "Jenseits von Afrika"), der dem weiblichen Kinopublikum mit seinem Funkeln in den Augen seit fast sechs Jahrzehnten Frauen ein Seufzen entlockt, soll nach "Ein Gauner und Gentleman" (Dt. Kinostart: 28. März) seinen schauspielerischen Hut an den Nagel hängen. Wird sein vermeintlich letzter Film dieser glorreichen Karriere gerecht?

Charismatischer Bankräuber - darum geht's

Forrest Tucker (Robert Redford) hat stets ein Lächeln auf den Lippen, wenn er an Banküberfälle denkt. Seit Jahrzehnten ist er im Geschäft und wurde davon nur abgehalten, wenn er wieder einmal hinter Gittern saß - um dann abenteuerlich auszubrechen. Die Ausgeraubten erinnern sich nicht daran, ob er eine Waffe dabeihatte. Stattdessen erzählen sie lieber davon, wie höflich und zuvorkommend der alte Gauner doch war, so sympathisch in seinem Anzug mit dem Hörgerät. Und wie er lächelte. Überfälle sind sein Jugendelixier.

Im Jahr 1981 zieht Tucker gemeinsam mit seinen Komplizen Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) durch die Lande und räumt eine Bank nach der anderen leer. Insgesamt mehr als 90 Überfälle verteilt auf fünf Staaten in nur zwei Jahren verbuchen die Rentner-Räuber auf ihrem Konto. Nach einem Coup lernt Tucker sogar die reizende Pferdeliebhaberin Jewel (Sissy Spacek) kennen. Alles wäre perfekt, wenn sich nicht John Hunt (Casey Affleck) an die Fersen der "Altherrenbande" heften würde...

Hommage an das alte Hollywood

Die Geschichte vom 18 Mal erfolgreich aus dem Gefängnis geflohenen Verbrecher mit Charme klingt mehr als außergewöhnlich, doch Forrest Tucker existierte wirklich. Er lebte von 1920 bis 2004 für das Ausrauben von Banken und starb mit 83 Jahren im Gefängnis.

Für seinen mutmaßlichen Abschied hätte Robert Redford keinen besseren Film wählen können. Die Rolle des verschmitzten Edel-Ganoven in Anzug und Hut mit Passion ist wie für ihn gemacht. Der Schauspieler beweist, wie wenig es braucht, um sich in die Herzen seiner Zuschauer zu schmeicheln. Ein Lächeln hier, ein netter Spruch dort und schon würde man liebend gerne den Fluchtwagen der Seniorenbande lenken.

Regisseur David Lowery (38, "A Ghost Story") drehte den Film mit feinfühliger Atmosphäre und augenzwinkerndem Humor, die Erinnerungen an das New-Hollywood-Kino der frühen Siebzigerjahre wecken. Genau jene Jahre, in denen sich das Publikum einst in Robert Redford verliebte.

Doch auch der Rest des Ensembles ist eine Hommage an vergangene Zeiten: Mit "Lethal Weapon"-Star Danny Glover (72) und Kultsänger Tom Waits (69) brachte Lowery zwei Haudegen vom Schlag des alten Hollywoods mit in seine Geschichte. Als Redfords Komplizen machen sie sich ausgezeichnet. Außerdem steht Redford mit Sissy Spacek (69) eine starke Frau gegenüber, auch wenn die traute Zweisamkeit etwas in der Handlung untergeht.

Sogar der pflichtbewusste Polizist John Hunt, großartig gespielt von Oscar-Preisträger Casey Affleck (43, "Manchester by the Sea"), kann sich dem Charme der Seniorenbande nicht ganz entziehen. Der eine fühlt sich nur lebendig, wenn er Bankräuber jagt und der andere, wenn er Banken überfällt. Der Ermittlerarbeit wird genauso viel Zeit eingeräumt wie den Überfällen, um Tuckers Taten nicht zu verklären. Das schürt zusätzlich Spannung im Katz-und-Maus-Spiel, das in einer einzigen gemeinsamen Szene gipfelt...

Fazit

Mit "Ein Gauner und Gentleman" ist David Lowery ein umwerfender kleiner Film zwischen Drama und Komödie gelungen, der trotz des Ensembles, einer feinfühligen Atmosphäre und schlauen Handlung allein von Rentner-Räuber Robert Redford getragen wird. Ein fröhlicher Schauspielabschied für die Hollywood-Legende - mit ganz viel Lächeln.

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