Fernanda Brandao: In ihr steckt mehr als nur "die quirlige Entertainerin"

Für Fernanda Brandao scheint das Leben im Rampenlicht zur Nebensache geworden zu sein. Im Interview spricht sie über ihren "neuen Traum".

Seit vier Jahren reist Fernanda Brandao (36) regelmäßig in den Amazonas-Regenwald - die Heimat ihrer Vorfahren. Fünf Mal war sie bereits dort, um die Menschen vor Ort kennenzulernen, ihre Sorgen und Nöte zu verstehen und um sie zu unterstützen. Aber auch sie konnte von den Indigenen lernen. In ihrem Buch "KAXINAWA - Die Reise zurück zu mir" berichtet die Sängerin und Fitnesstrainerin davon. Der Nachrichtenagentur spot on news hat sie außerdem verraten, was ihre Familie über ihr plötzliches Engagement für die grüne Lunge unserer Erde hält und ob ihre Entertainer-Tätigkeiten darunter künftig leiden müssen.

Frau Brandao, wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Reisepläne in den Regenwald reagiert?

Fernanda Brandao: Meine Familie ist vor fünf Generationen aus dieser Region nach Rio de Janeiro ausgewandert und hat hart dafür gekämpft, um dort Fuß zu fassen. Für sie war das also erstmal absolut unverständlich. Dass ich, als privilegierte Ururenkelin, die in Europa lebt, freiwillig in den Regenwald fahre - ohne Strom, sauberes Wasser oder Toiletten. Meine Oma hat wirklich nur den Kopf geschüttelt, als sie davon erfuhr.

Wollte Sie denn niemand davon abbringen?

Brandao: Wenn ich etwas möchte, bin ich nicht mehr zu stoppen. Ich denke, mein Umfeld hat bemerkt, dass irgendwo tief in mir drinnen eine Veränderung stattgefunden hat. Es war mir plötzlich nicht mehr nur wichtig, meine Jobs zu erfüllen und professionelle, gute Arbeit abzuliefern. Es ging auf einmal nicht mehr nur um das Ich, sondern um größere Themen. Themen, mit denen ich mich zuvor noch nie auseinandergesetzt hatte. Ich habe noch nie Entwicklungshilfe geleistet. Und ich hatte, bis ich einen Fuß dort reingesetzt habe, keinen Plan über den Amazonas.

Dennoch haben Sie den Schritt gewagt. Warum ausgerechnet jetzt?

Brandao: Ich glaube, der richtige Zeitpunkt war einfach gekommen. Ich habe immer davon geträumt, auf der Bühne zu stehen und die Menschen mit dem zu erreichen, was ich geliebt habe - nämlich als Künstlerin zu performen. Als sich dieser Traum dann erfüllt hat, hat sich das zwar gut und stimmig angefühlt, aber ein neuer Traum musste her. Ich glaube, es braucht eine gewisse Reife, diese Entscheidung für sich zu treffen. Es ist wohl eher selten, dass sich ein Mensch Anfang 20 so einen Weg sucht.

Ihr Weg führte Sie in die Tiefen des Regenwaldes. Was haben Sie dort am meisten vermisst?

Brandao: Man vermisst sehr viel, vor allem den Komfort. Man vermisst ein Badezimmer und die hygienischen Bedingungen, die wir hier in Deutschland haben. Und man vermisst das Essen - die Vielfalt, die dort nicht gegeben ist, weil der Boden nicht besonders fruchtbar ist. Gleichzeitig merkt man aber auch, wie anpassungsfähig der Mensch ist und wie wenig er eigentlich braucht, um zu überleben und um glücklich zu sein.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass es den Indigenen seelisch besser gehe als uns. Woran machen Sie das fest?

Brandao: Es ist ihre Einstellung. Wie sie miteinander leben, in dieser Gemeinschaft, in der alles geteilt wird. Sie sind weder gestresst noch gehetzt. Sie akzeptieren, was ist. Und sie haben eine unglaubliche Verbindung zur Natur. Das ist eine Eigenschaft, die uns Menschen gegeben ist. Nur wir haben den Bezug dazu völlig verloren. Stattdessen rennen wir einer Uhr hinterher und vergessen uns selbst zu fühlen.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie für sich aus der Zeit im Regenwald mit?

Brandao: Ich habe gelernt, dass die Natur Gezeiten hat. Es gibt den Tag und es gibt die Nacht, es gibt aktive Phasen und es gibt Ruhephasen. Das ist gerade in einem Land wie Deutschland, wo der Leistungsdruck sehr hoch ist, ein wichtiger Aspekt. Ich denke, in einer Zeit, in der Maschinen uns in fast Allem ersetzen können, ist unsere Rolle die der Menschlichkeit, Wärme und Fürsorge. Das darf nicht verloren gehen. Und das ist das, was mir in den letzten Jahren sehr bewusst wurde.

Heißt das, die hart arbeitende Entertainerin in Ihnen wird künftig ein Stück weit zurückgestellt?

Brandao: Ja und Nein. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ich irgendwann dorthin zurückkehren werde. Es wäre also falsch zu sagen, die quirlige, bunte Fernanda in High Heels gibt es nicht mehr. Sie ist ein Teil von mir - aber eben einer von vielen. An einem gewissen Punkt in meinem Leben fand ich es nur schade, diese Plattform, die ich habe, nicht zu nutzen, um den eigentlichen Menschen dahinter zu kommunizieren.

Ihr Buch soll in gewisser Weise auch ein Klima-Bewusstsein schaffen. Welche Botschaft ist Ihnen besonders wichtig?

Brandao: Dass wir nicht an der Spitze vom Ökosystem stehen, sondern Teil davon sind und davon abhängen. Das Allerwichtigste sollte für uns Menschen jetzt sein, Bäume zu pflanzen. Nicht nur im Regenwald, auch hier. Das ist das, was unser Klima und den Wasserkreislauf stabil hält. Wir Menschen dürfen nicht vergessen, dass wir die Natur brauchen. Und jeder kann in seinem Leben wenigstens einen Baum pflanzen. Meine Mutter hat in Brasilien ganze 111 Bäume gesetzt.

SpotOnNews
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