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"Bares für Rares" Kunstexpertin fassungslos: Händlerin "verziert" antikes Gemälde mit Goldschrift

So etwas hat es bei "Bares für Rares" wohl auch noch nicht gegeben: Verkäufer und Händlerin einigen sich auf einen Deal – aber weil die Händlerin zum Goldspray griff, wird sie nun von einer Kunstexpertin scharf kritisiert.

Normalerweise ist "Bares für Rares" harmonische TV-Unterhaltung am Nachmittag: Zoff, Auseinandersetzungen und echten Ärger – das kennt man vom Erfolgsformat des ZDF nicht. Nun gibt es aber gehörig Wirbel um ein antikes Gemälde, das bei "Bares für Rares" verkauft wurde – sogar eine Kunsthistorikerin schaltet sich in den Streit mit ein.

Das antike Gemälde des oberlausitzischen Künstlers Adolf Gottlob Zimmermann (1799 bis 1859) war in der Sendung auf 1.800 Euro geschätzt worden, den Zuschlag bekam TV-"Kunstexpertin" Susanne Steiger allerdings schon zum Schnäppchenpreis von nur 1.300 Euro. Wohl auch, weil alle Experten in der Sendung den Rahmen für wertvoller als das Bild hielten. Brisant wird aber, was Steiger im Anschluss mit dem rund 170 Jahre alten Gemälde machte.

Kunstexpertin verschönert Gemälde mit Gold-Graffiti

Museologin Sandra Fassbender vom Görlitzer Kulturhistorischen Museum hatte von dem Kauf in der Sendung gehört, von Zimmermanns Werken hängen in "ihrem" Museum bereits über 400 Zeichnungen und etwa 20 Gemälde. Das Museum wollte auch in diesem Fall zugreifen und hätte sogar einen deutlich höheren Preis bezahlt.

Dann der Schock für das Museum: Nach der Ausstrahlung hatte Susanne Steiger das Bild des Breslauer Bürgers "verschönert" oder "verschönern" lassen – und zwar nicht im Rahmen einer professionellen Restaurierung, sondern mit Graffiti in Gold-Optik! Als das Museum das Gemälde sichten wollte, stand der Schriftzug "Go for it" in goldenen Lettern bereits auf dem Kunstwerk.

Kunsthistorikerin: "In meinem ganzen Leben noch nicht untergekommen"

Eine Restauration des antiken Bildes – für das Görlitzer Museum zu teuer. Glück im Unglück: Auf Vermittlung von Sandra Fassbender griff das Schlesische Museum zu und bezahlte Steiger laut "Bild" das Doppelte des Ankaufspreises.

Von der "Verschönerung" des Gemäldes ist das Museum empört. Kunsthistorikerin Johanna Brade vom Schlesischen Museum sagte dazu der "Sächsischen Zeitung": "So ein Umgang mit einem Kunstwerk ist mir in meinem ganzen Berufsleben noch nicht untergekommen. Und Goldfarbe lässt sich nicht so einfach wieder entfernen. Zum Glück ist die eigentliche Malerei nicht beschädigt, sondern nur die dunklen Ränder."

Nun soll eine echte Restaurierung das antike Gemälde wieder auf Vordermann bringen. Auch dem Schlesischen Museum fehlen dafür eigentlich die finanziellen Mittel. Es bittet daher um Spenden.

Quellen: "Bild", Sächsische.de, ZDF

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

tvm/stern

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