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"Benjamin-Button-Effekt" Wissenschaftler verjüngen Mäuse – und wollen dies auch bei Menschen machen

"Benjamin-Button-Effekt": Mäuse
Die beiden Mäuse sind zwar biologisch gleichalt – jedoch wurde eine von beiden künstlich schnell gealtert
© David Sinclair / Harvard Medical School
Anstatt zu altern wird Benjamin Button im gleichnamigen –fiktiven – Film immer jünger. Forscher haben nun eine Möglichkeit gefunden, um Zellen zu verjüngen und so altersbedingte Krankheiten womöglich endgültig zu besiegen.

Mit dem Älterwerden werden nicht nur unsere Gelenke steifer und unsere Haut faltiger. Unser Stoffwechsel und unsere Körper werden anfälliger für eine Vielzahl an Krankheiten. Dass unser Alter auf dem Papier stetig fortschreitet, lässt sich nicht verhindern. Bei unseren Körpern schaut es da schon ganz anders aus.

Der Molekularbiologe David Sinclair forscht seit 20 Jahren daran, alte Mäuse wieder jung zu machen. Mit Hilfe von Proteinen, welche erwachsene Zellen in Stammzellen verwandeln können, haben Sinclair und sein Forschungsteam gealterte Mäusezellen in Mäusen in jüngere Versionen ihrer selbst zurückversetzt. Der erste Durchbruch seines Teams, welcher Ende 2020 veröffentlicht wurde, führte dazu, dass alte Mäuse mit schlechtem Sehvermögen und beschädigter Netzhaut plötzlich wieder sehen konnten.

Keine Krankheiten durch verjüngte Zellen

"Soweit wir das beurteilen können, handelt es sich um einen permanenten Reset, und wir glauben, dass es sich dabei um einen universellen Prozess handelt, der im gesamten Körper angewandt werden könnte, um unser Alter zurückzusetzen", sagt der Wissenschaftler.

In Sinclairs Labor sitzen zwei Mäuse Seite an Seite. Die eine wirkt jung und frisch, die andere grau und kraftlos. Dabei sind sie es gleichaltrige Geschwister, die aus demselben Wurf stammen – nur dass die eine genetisch so verändert wurde, dass sie schneller altert. Sinclair kam die Idee, nach einer Möglichkeit zu forschen, diesen Prozess umzukehren.

Mit einer Verjüngung von Körperzellen könnte das Auftreten diverser Krankheiten verhindert werden, erklärt der Forscher im Rahmen einer Veranstaltung. "Das ist die Welt, die kommen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit und für die meisten von uns wird es noch zu Lebzeiten passieren", sagt er.

"Sehe keinen Grund dafür, warum es nicht auch beim Menschen funktionieren sollte"

Dem Mikrobiologen zufolge behandle die moderne Medizin zwar Krankheiten, aber nicht die zugrundeliegende Ursache, nämlich das Altern. "Wir wissen, dass, wenn wir das Alter eines Organs wie des Gehirns einer Maus umkehren, altersbedingte Krankheiten verschwinden." Auf diese Weise könne das Gedächtnis der Maus zurückkehren und sie wäre nicht länger dement.

Sinclair zeigt sich zuversichtlich, dass sich jene Ergebnisse auch auf andere Spezies übertragen lassen. "Ich bin optimistisch, dass wir diesen grundlegenden Prozess, den es bei allen Tieren gibt, von Fledermäusen, über Schafe und Wale bis hin zum Menschen, nachahmen können. Wir haben es bei einer Maus geschafft. Ich sehe keinen Grund dafür, warum es nicht auch beim Menschen funktionieren sollte."

Quelle: CNN

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.


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