"Essen ist die beste Medizin" – warum wir diese Frau für ihre Diät-Tipps feiern

So essen, dass es unserem Körper UND unserem Planeten gut tut – Geneviève Moreau weiß, wie es geht. Glück für uns: Denn sie will es nicht für sich behalten. 

Für die studierte Allgemeinmedizinerin Geneviève Moreau ist Essen unsere wichtigste Medizin. Als sie noch praktizierte und Hausbesuche durchführte, kam es nicht selten vor, dass sie bei ihren Patienten, die sie wegen einer Halsentzündung oder einer Grippe behandelte, einen Blick in den Kühlschrank warf, um sich ein Bild von den Essgewohnheiten des Haushalts zu machen.

"Alles begann, als mein ältester Sohn noch klein war", erinnert sich die dreifache Mutter. "Eines Tages hat er eine Erdnuss gegessen und einen anaphylaktischen Schock erlitten. Zum Glück hatte ich alles zur Hand, das nötig war, um ihn zu retten. Aber ich war neugierig geworden und wollte verstehen, was mit seinem Stoffwechsel passiert war, was ihn so allergisch gemacht hatte."

Geneviève Moreau mit ihrem Kind

Sie belegte mehrere Kurse, die eine Ernährungsweise vertraten, die sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt von Nutzen ist. "In meinem Arztstudium waren nur acht Unterrichtsstunden dem Thema Ernährung gewidmet", klagt Moreau.

"Früher war den Leuten egal, was sie aßen"

Sie begann, die reguläre Behandlung ihrer Patienten mit Vorschlägen für Vitaminkuren und Omega 3- Einnahme zu verknüpfen und machte sogar ganze Menüvorschläge. "Heutzutage kann dieser Ansatz fast banal erscheinen, aber zu dieser Zeit waren wir noch weit davon entfernt. Als ich aufgewachsen bin, war es den Leuten egal, was sie aßen. Alle aßen Fleisch, Pommes, Saucen mit viel Sahne ... "

Eines Tages sagte einer von Moreaus Patienten zu ihr: "Deine Ernährungsvorschläge/Menüs tun mir so gut, aber wenn ich in den Urlaub fahre, gehe ich auswärts essen und werde wieder krank. Sie sollten Köche in Restaurants ausbilden!“ Moreau beschloss, das Institut-SIIN (Scientific Institute for Intelligent Nutrition) zu gründen, mit Unterstützung von einem ihrer Lehrer der Ernährungswissenschaften und einer wissenschaftlichen Akademie. Das 2009 gegründete Institut ging einen Schritt weiter.

"In der Vergangenheit haben wir keine starke Verbindung zwischen einer gesunden Ernährung und dem Planeten hergestellt. Wir haben weder darauf geachtet, was unsere Essgewohnheiten für die Umwelt bedeuten, noch haben wir die Tatsache berücksichtigt, dass viele aktuellen Gesundheitsprobleme der ersten Welt (zahlreiche Krebsarten, Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neuropsychiatrische Störungen, Nahrungsmittelallergien, Aufmerksamkeitsstörungen etc.) sehr eng damit verbunden sind, was wir essen. Mediziner waren sich zwar bewusst, dass die Essgewohnheiten geändert werden müssen, aber sie wussten nicht, wie.

Moreaus Ansatz gewann langsam an Anerkennung. Die belgische König-Baudouin-Stiftung verlieh ihr einen Preis, und sie wurde Ashoka Fellow (das weltweit führende Netzwerk für Sozialunternehmer), wodurch sie ein drei Jahre langes Stipendium erhielt. Nachdem sie sich nun endlich ein Gehalt auszahlen konnte, gab Moreau 2016 ihre medizinische Tätigkeit auf, um sich voll und ganz auf ihre neue Berufung zu konzentrieren.

Jeder hat die Macht, etwas zu verändern

Seit der Gründung ihres Instituts haben Geneviève und ihr achtköpfiges Team 3.200 Fachkräfte ausgebildet (Gesundheitsexperten und auch Köche) - in Belgien, Frankreich, der Schweiz, Kanada und Großbritannien. Diese Fachkräfte wiederum sind heute Botschafter dieses Ernährungsprogramms für all jene, die von ihnen betreut, beraten oder gefüttert werden...

Das Institut gilt heute in diesem Sektor für seine Expertise als anerkannt und wird regelmäßig von Unternehmen konsultiert, die ein neues gesundes Produkt auf den Markt bringen wollen, oder auch von Regierungsbeamten, die an einem neuen Gesetz arbeiten.

"Mich motiviert, den Verbrauchern beizubringen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wann immer sie können. Ein industriell gezüchtetes Huhn zu kaufen, das schlecht gefüttert und mit Antibiotika vollgestopft wurde - schädlich für die eigene Gesundheit und den Planeten - oder ein Bio-Huhn, das unter guten Bedingungen aufgezogen wurde? Einen verarbeiteten, abgepackten Kuchen zu kaufen, der voll mit Lebensmittelfarben ist, oder zu Hause einen Kuchen selber machen mit Mehl, Eiern, Zucker, Butter und Milch? Jeder von uns kann die Welt verändern.

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist bereit, sich zu verändern, wenn die Öffentlichkeit nur danach verlangt. Wenn die Verbraucher nur noch gesunde Kekse kaufen würden, würden Lebensmittelhersteller gar keine anderen Kekse mehr produzieren! Nur leider braucht man, um die Etiketten auf den Produkten richtig zu lesen und zu verstehen - was unverzichtbar ist, um die richtigen Gewohnheiten zu entwickeln - praktisch einen Universitätsabschluss!“

"Es gibt so viel mehr zu tun"

Moreau hat immer wieder neue Ideen: Sie möchte eine bessere Etikettierung für gesunde Produkte erreichen und mit der Europäischen Kommission zusammenarbeiten – genauso wie mit dem belgischen Zentrum für Sozialhilfe (Public Centre for Social Welfare- CPAS).

"Es macht keinen Sinn, mehr für gesunde Produkte zu bezahlen - warum sollte unbehandelter Zucker mehr kosten als raffinierter Zucker? Niemandem sollte die Chance verweigert werden, die richtige Wahl zu treffen." Sie wird also nicht kürzer treten. "Ich bin so froh, dass ich diesen Weg gewählt habe. Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Fuß auf die erste Sprosse der Leiter gesetzt habe, aber die Dinge gehen nicht so schnell voran, wie sie sollten. Es gibt so viel mehr zu tun, um die Mentalitäten zu verändern. Es ist eine Herkulesaufgabe." 

Recherchiert und erzählt hat Genevièves Geschichte Christelle Gilquin von „Femmes d'Aujourd'hui“. Vielen Dank für die Zusammenarbeit! 

Wer hier schreibt:

Christelle Gilquin

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