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Sind Hot Pants bald verboten an deutschen Schulen?

Sind Hot Pants bald verboten an deutschen Schulen?
© Ann Haritonenko / Shutterstock.com
Eine Schule in Baden-Württemberg untersagt "zu aufreizende" Kleidung für Mädchen - und ist nicht alleine mit der Idee. Sexismus oder pädagogische Maßnahme?

Schluss mit der sommerlich-leichten Kleidung: An einer Werkrealschule in Baden-Württemberg wurde den Schülerinnen untersagt, mit Hotpants und zu luftigen T-Shirts zum Unterricht zu erscheinen. In einem Brief an die Eltern gab Schulleiterin Bianca Brissaud bekannt, dass dies nur der erste Schritt zu einer Kleiderordnung ist, die demnächst auch in die Hausordnung aufgenommen werden soll.

"Meine Kollegen haben mich gebeten, dringend zu handeln", sagte sie gegenüber dem Schwarzwälder Boten. "Manche meiner männlichen Kollegen wissen nicht, wie sie das Thema bei den Schülerinnen ansprechen sollen."

Protest im Netz gegen Verbot von "zu aufreizender" Kleidung

Und genau an dem Punkt "männliche Kollegen" fängt die heftige Kritik an, die das Verbot aktuell im Netz hervorruft. Schließlich geht es um eine Kleiderordnung, die sich ausschließlich an die Mädchen an der Schule richtet. Bei Temperaturen von teilweise bis zu 40° Celsius kann man davon ausgehen, dass die Schülerinnen weniger daran interessiert sind, den Lehrern den Kopf zu verdrehen, als sich der irren Hitze entsprechend anzuziehen. Von einem Shorts- oder Muscle-Shirt-Verbot für Jungen ist dagegen nirgendwo die Rede.

Vor allem diese Doppelmoral wird scharf angegriffen - auf Twitter führen Kritiker der Ansage eine engagierte Diskussion unter dem Hashtag #hotpantsverbot:

Kleiderordnung: An anderen Schulen schon länger etabliert

Schulleiterin Brissaud verteidigt ihre Ansage damit, dass ihre Schule auch auf das richtige professionelle Verhalten im späteren Berufsleben vorbereiten soll - wozu auch ein Bewusstsein für angemessene Kleidung gehört.

Die Altheimer Werkrealschule ist mit dem Hot-Pants-Verbot nicht allein: An vielen Schulen in Deutschland gibt es einen Dresscode, der den Schülerinnen allzu freizügige Sommerkleidung verbietet. Oft müssen, wie auch in Altheim, die jeweiligen Schülerinnen ein extragroßes T-Shirt anziehen, um ihre Mitschüler nicht "abzulenken".

Wo die Grenze ziehen?

Worum genau geht es nun bei dem Hot-Pants-Verbot? Um Slut-Shaming und Männer, die sich beschweren, dass sie scheinbar ihre Augen nicht unter Kontrolle haben? Oder um das pädagogische Ziel, Teenagern beizubringen, dass es Orte gibt (Büro, Kirche, Schule), an denen sie ihren persönlichen Kleidungsstil anpassen müssen?

Die Antwort ist von Fall zu Fall verschieden, weswegen eine pauschale Kleiderordnung immer einen unangenehmen Beigeschmack haben wird. Grundsätzlich ist jede Ansage, die jungen Frauen suggeriert, sie müssten ihren Körper im Zweifel eher verstecken, schwierig - auch wenn vielleicht im Einzelfall gute Absichten dahinterstecken.

Man kann zumindest davon ausgehen, dass die verbindliche Kleiderordnung, die auf die aktuelle "Übergangslösung" in Altheim folgen wird, wohl von Unterstützern und Kritikern des Hot-Pants-Verbots sehr gründlich unter die Lupe genommen wird.

heh

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