"Ligue du LOL": Journalisten mobbten Frauen – und verlieren jetzt ihre Jobs

Es ist ein echter Skandal: Über Jahre machten sich gut 30 Journalisten und Medienmacher aus Frankreich einen grausamen Spaß daraus, Frauen im Internet lächerlich zu machen und zu mobben. Jetzt flogen die Männer auf – und verlieren reihenweise ihre Jobs.

"Ich fühlte mich, als würde ich vor einem Scharfschützen davonlaufen." Mit diesen Worten beschreibt eine der attackierten Feministinnen die Hassattacken auf Twitter.

Ihr aggressives Cybermobbing sorgt für Entsetzen: Sie nannten sich "Ligue du LOL", die Männer in Frankreich, die über mehrere Jahre hinweg Frauen in den sozialen Netzwerken attackierten. LOL steht für "Laughing Out Loud", zu deutsch "Laut auflachen".

Frauen mit feministischen Ansichten wurden attackiert

In einer 2009 gegründeten Facebook-Gruppe schickten sich die 30 bis 35 Journalisten, Werber, Podcaster und Digitalberater Fotos und Links von Leuten zu, die sie "peinlich, dumm oder zu dick fanden", berichtet unter anderem der "Spiegel". 

Besonders auf Twitter trieben die Männer ihr Unwesen. Dutzende Journalistinnen, Bloggerinnen und Aktivistinnen, die meist öffentlich feministische Positionen vertraten, wurden zu Opfern ihrer rassistischen und sexistischen Attacken. Auf Facebook und auf Twitter wurden sie von den Männern der "LOL-Liga" mit Hass und Hetze überschüttet. 

Gegründet wurde die Gruppe laut "Spiegel" von Vincent Glad, einem französischen Journalisten, der auf Twitter knapp 140.000 Follower hat. Auch die anderen Mitglieder der "LOL-Liga" haben tausende Follower. Das furchtbare Treiben der Medien-Männer geriet ins Schlaglicht der Öffentlichkeit, nachdem das zur französischen Zeitung "Libération" gehörende Rechercheportal „Checknews“ kürzlich über das Männer-Netzwerk berichtet hatte.

"Es war unerbittlich, ich wurde auch belästigt, mit Beleidigungen, Fotomontagen, animierten Gifs mit pornografischen Inhalten mit meinem Kopf darauf und anonymen Beleidigungs-Mails", schilderte eine Journalistin gegenüber "Libération", so "Horizont". 

Die furchtbaren Folgen der Attacken schildert die "Frankfurter Rundschau": Viele der Frauen zogen sich aus den sozialen Netzwerken zurück, ihre Stimmen wurden leiser. Sie litten unter den psychischen Folgen der Online-Demütigungen und zogen bestimmte Medien nicht mehr als Arbeitgeber in Betracht, weil sie wussten, dass die Mitglieder der "Ligue du LOL" dort Einfluss hatten.

Vincent Glad, der bis zum Auffliegen der Truppe ebenfalls für die Zeitung "Libération" arbeitete, verteidigt sich auf Twitter:

Ich habe ein Monster erschaffen, das mir völlig entglitten ist. Das Ziel dieser Gruppe war es nicht, Frauen zu belästigen. Es ging nur darum, Spaß zu haben. 

Auch andere Mitglieder der Gruppe schreiben in ihren öffentlichen Entschuldigungen, dass sie von den organisierten Hasskampagnen nicht gemerkt hätten und ihnen erst jetzt die Folgen ihrer Angriffe bewusst geworden seien. 

Die Arbeitgeber der Männer zeihen derweil Konsequenzen aus dem Skandal. Die Zeitung "Libération" hat das Arbeitsverhältnis mit Vincent Glad beendet und auch weitere "Ligue du LOL"-Mitglieder, darunter Chefredakteure von französischen Online-Magazinen, haben ihre Jobs verloren.

Videotipp: Lena Meyer-Landrut wehrt sich gegen Hass-Kommentare

Wehrt sich gegen Hass-Kommentare: Lena Meyer-Landrut
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