So häufig rempeln Männer ihre Mitmenschen an

Was passiert, wenn sich eine Frau wie ein Mann durch die Stadt bewegt? Die New Yorkerin Beth Breslaw probierte es aus - und erlebte zig "manslamming"-Momente.

Ob beim Shoppen am Samstagnachmittag oder beim Bahnfahren zur Rush-Hour: Wer in einer Großstadt lebt, muss sehr wendig sein, denn ständig gilt es, Hindernissen auszuweichen - meist in Menschenform. Doch wer macht eigentlich häufiger Platz, um eine Kollision zu verhindern? Frauen oder Männer? Die New Yorkerin Beth Breslaw wollte es herausfinden - und beschloss, schnurstracks ihrer Wege zu gehen und zu schauen, was passiert.

Eine Freundin hatte sie zu dem Experiment inspiriert. Diese hatte die Theorie aufgestellt, dass Männer auf einem überfüllten Bürgersteig seltener Platz machen als Frauen. Sie testete ihre Vermutung im wuseligen, männerdominierten Finanzzentrum Manhattans - und behielt Recht: Täglich kam es mehrfach zu Zusammenstößen mit Männern. Breslaw hielt dies zunächst für ein branchenspezifisches Problem. Bis sie es selbst versuchte und zu ähnlichen Ergebnissen kam.

Die Journalistin Jessica Roy berichtete in einem Artikel für das New York Magazine über das Experiment und gab diesem Fußgängerzonenphänomen den Namen "manslamming". Sie vergleicht die Anrempler mit Männern, die in der Bahn zwei Sitze beanspruchen, weil sie zwischen ihren Beinen genügend Platz brauchen. In beiden Fällen gehe es um die Frage nach dem angemessenen persönlichen Freiraum - insbesondere dem, den wir unseren Mitmenschen gewähren. Feministen treibt die häufig raumgreifende männliche Mentalität schon seit Jahren um. Sie sehen dies als Ausdruck einer Kultur, die Männern beibringt, selbstbewusst jeden zur Verfügung stehenden Raum einzunehmen - ganz gleich, wer sich noch darin aufhält.

"Mich haben definitiv mehr Männer angerempelt", erzählt Breslaw in einem Video-Interview mit der Huffington Post. Zwar sei sie auch mit Frauen zusammengestoßen, doch diese hätten wenigstens eine - meist verärgerte - Reaktion gezeigt. "Den Männern fiel die Kollision glaube ich nicht einmal auf. Oder sie haben sie einfach ignoriert." Sie könne sich an jeden einzelnen Mann erinnern, der ihr Platz gemacht habe - weil es so wenige waren. "Ich denke, wir alle sind zu einem gewissen Grad ignorant", sagt Breslaw rückblickend auf ihr Experiment. Ihr sei etwa nicht bewusst gewesen, dass sie zuvor immer diejenige war, die anderen vorausschauend Platz gemacht hat. Eigentlich hatte sie vermutet, dass die Passanten sie registrieren und ihr ausweichen würden. Doch damit lag sie falsch. "Es war, als sei ich unsichtbar."

Obwohl ihre Bilanz nicht gerade von gegenseitiger Rücksichtnahme zeugt, sieht Breslaw etwas Positives in ihren Erfahrungen: "Ich wurde nie so stark angerempelt, dass ich auf den Hintern gefallen wäre."

Wie sind Ihre Erfahrungen? Haben Sie das Gefühl, dass Sie viel zu oft auf der Straße Platz für Menschen machen müssen, die stur geradeaus gehen? Oder rempeln Sie gar selbst, wenn Sie es eilig haben? Diskutieren Sie mit - in unserer Community.

Nicole Wehr

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