Mehr weibliche Chefs: Medizinerinnen wollen die Quote

Die Journalistinnen-Initiative "ProQuote" findet Nachahmer: Nun fordern auch Medizinerinnen einen höheren Anteil an weiblichen Chefs in ihrer Branche. In den nächsten fünf Jahren soll sich die Zahl der Führungsfrauen vervierfachen.

In einem offenen Brief fordert die Initiative "Pro Quote Medizin" eine Frauenquote für Führungspositionen in der Medizin. In den nächsten fünf Jahren sollen 40 Prozent der Spitzenjobs von Frauen besetzt werden, so der Wunsch der Medizinerinnen: "Die Zukunft der Medizin ist weiblich", steht in dem öffentlichen Schreiben. Bis 2023 sollen es 50 Prozent werden. Inspiriert wurde die Aktion von der Journalistinnen-Initiative "ProQuote", die vor einem Jahr gegründet wurde und für eine höhere Frauenquote in der Medienwelt kämpft.

Wie im Journalismus gibt es auch unter den Medizinern insgesamt einen hohen Frauenanteil, rund 60 Prozent der Medizinstudenten sind weiblich. Dennoch sind aktuell nur 10 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Warum schaffen es die hochqualifizierten Ärztinnen nicht an die Spitze?

Ulrike Ley, eine der Initiatorinnen der Bewegung, sieht an erster Stelle das Problem, dass etablierte Chefärzte eher junge Männer fördern als Frauen. "Sie suchen ein jüngeres Selbst, dem sie es zutrauen, in die eigenen Fußstapfen zu treten", so Ley. Dass Frauen in diesem unmittelbaren Vergleich verlieren, läge teilweise auch an dem konservativeren Lebensmodell, das diese Männer lebten. Hier herrsche oft noch die klassische Rollenverteilung vor: Die Frau bleibt zu Hause und kümmert sich um die Kinder, ob sie studiert hat oder nicht.

Nur wenn Frauen das, was sie wollen, vehement einfordern, bewegt sich etwas.

Ein weiterer Grund: Für Frauen in der Medizin sei es immer noch schwierig, Familie und Beruf zu verbinden. Erschwert wird es in diesem Berufsfeld noch durch Schichtarbeit, vor allem in Kliniken. Ulrike Ley, die als Coach für Führungskräfte in der Medizin arbeitet, betont aber, dass dies nicht das Hauptproblem sei. Durch ihre Coachingarbeit mit Ärztinnen hat sie aus erster Hand gesehen, was die Frauen alles auf die Beine stellen, um beruflich voranzukommen. Offenbar haben oft nicht die Medizinerinnen selbst ein Problem damit, das Familienleben an den Beruf anzupassen, sondern das Umfeld: Gerade in den alten Bundesländern käme es häufig vor, dass Frauen, die ihre Kinder "aus der Hand geben, um ihre Karriere zu verfolgen, heute noch Rabenmutter geschimpft werden." Dennoch ist Ley der Meinung, dass Frauen eine Bringschuld haben. "Nur wenn Frauen das, was sie wollen, vehement einfordern, bewegt sich etwas", so Ley. Ihre Hoffnungsträger sind die Männer der sogenannten "Generation Y", die die heutigen Assistenzarzt-Posten beziehen. Diese Männer bevorzugten ein anderes Lebensmodell, das ihnen erlaubt, mehr Zeit mit Familie und Kindern zu verbringen. Davon können nicht zuletzt die ehrgeizigen Frauen profitieren.

Über 500 Briefe verschickte "ProQuote Medizin" am 4. März an Dekane und Krankenhausdirektoren in Deutschland. Rund 130 Medzinerinnen unterstützen die Initiative. Reaktionen gab bis jetzt noch nicht – doch Ulrike Ley erwartet Rückmeldungen im Laufe der Woche. Die nächsten Schritte werden am 21. März in Berlin in einem Pressegespräch vorgestellt.

Text: Alexandra Bürger
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