"Yolocaust:" Wie das Holocaust-Mahnmal mit Füßen getreten wird

AfD-Politiker Björn Höcke nannte das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande". Für den jüdischen Satiriker Shahak Shapira trifft das aus einem ganz anderen Grund zu.

AfD-Rechtsaußen Björn Höcke sorgte für große Empörung, als er auf einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ in Dresden mit Blick auf das Berliner Holocaust-Mahnmal sagte: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, verurteilte die Aussage scharf: „Damit tritt Björn Höcke das Andenken an die sechs Millionen ermordeten Juden mit Füßen und relativiert das schwerste und in diesem Ausmaß einzigartige Menschheitsverbrechen der Geschichte.“

Auch der in Berlin lebende jüdische Satiriker Shahak Shapira hat den Eindruck, dass das Gedenken an die Opfer des Holocaust mit Füßen getreten wird. Allerdings in einem sehr viel wörtlicheren Sinn als Josef Schuster.

Die Betonstelen als Kulisse für "lustige" Poser-Fotos

Rund 10.000 Menschen besuchen jeden Tag das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" in Berlin. Doch offenbar geht es einigen gar nicht darum, den Opfern des Holocaust zu gedenken. Einige nutzen das Stelenfeld als willkommene Kulisse für Poser-Fotos - und springen, tanzen, skaten, radeln oder turnen auf den Stelen herum.

Mit seinem Fotoprojekt „Yolocaust“ thematisiert Shapira das respektlose Verhalten der Leute, indem er ihre Selfies mit historischen Fotos aus den Vernichtungslagern kombiniert. Damit kontrastiert er die Besucher-Fotos mit der unerträglichen Vergangenheit, um die es hier eigentlich geht. Die Selfies hat er sich auf Facebook, Instagram, und aus den Dating-Apps Tinder und Grindr zusammengesucht.

Im Interview mit "jetzt" sagte Shapira: "Björn Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da so über Erinnerungskultur in Dresden gesagt hat. Mein Vorschlag ist: Es muss tatsächlich etwas getan werden. Die Leute sollen nachdenken, was genau sie da machen."

Auf seiner "Yolocaust"-Website könnt ihr euch die Bilder anschauen. Shapira veröffentlicht hier auch seine Mail-Adresse: Mahnmal-Besucher, die sich auf den Fotos wiedererkennen und schämen, können darum bitten, entfernt zu werden.

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