Nach dem Unfalltod: Mutter schreibt an verstorbenen Sohn (5)

Durch einen tragischen Unfall verlor eine Hamburger Mutter ihren fünfjährigen Sohn. In einem öffentlichen Brief nimmt sie Abschied - und kämpft für mehr Sicherheit.

Das größte Unglück, das für Eltern vorstellbar ist: Für die Hamburgerin Maria P. (36) wurde es von einem Moment auf den anderen bittere Realität. Auf dem Weg zu dem Bauernhof, auf dem sie mit ihrer Familie Urlaub machen wollte, wurde ihr Auto von einem Zug erfasst. Die Eltern der Frau wurden, ebenso wie sie selbst, schwer verletzt. Ihr fünfjähriger Sohn Matteo überlebte den Unfall nicht.

Seitdem kämpft sie mit einer Online-Petition für sichere Bahnübergänge dafür, dass sich dieses Unglück nie mehr wiederholt.

"Hallo, mein Schatz! Nun fehlst du uns schon zwei unendlich lange Wochen ..."

Mit einem öffentlichen Brief auf Huffingtonpost.de nimmt sie nun Abschied von ihrem Sohn - und ruft dazu auf, sich für mehr Sicherheit an Bahnübergängen einzusetzen.

"Hallo Mäuschen", schreibt sie. "Oh sorry, du wolltest ja nie "Mäuschen" genannt werden, sondern lieber "Schatz" oder "Steppke"! Also dann: Hallo, mein Schatz! Nun fehlst du uns schon zwei unendlich lange Wochen, und du würdest kaum glauben, was hier alles in der Zwischenzeit passiert ist!?"

Nicht nur Eltern müssen schlucken, wenn sie davon berichtet, dass ihrem zweiten Kind, einem zweijährigen Mädchen, wie durch ein Wunder außer einer Schramme nichts passiert ist:

Sie hat bei dem Unfall wirklich nur einen kleinen Kratzer auf der Stirn abbekommen, bei dem sogar schon der Schorf abgeht. Wahrscheinlich wird sie nicht einmal eine Narbe behalten, die sie an das Geschehene erinnern wird. Das finde ich fast schade, denn mich plagt ein wenig die Angst, dass sie sich ziemlich schnell nicht mehr an dich erinnern wird, da sie ja am Freitag grade zwei geworden und noch sooo klein ist ...

Außerdem bastelt Papa grade an einer Riesen-Überraschung für dich. Ich glaub, eigentlich soll ich dir das gar nicht verraten, aber das ist so cool, dass ich es dir einfach stecken muss: Papa hat ne mega-coole Sternen-Tapete im Weltraumstil an der Decke vom Fußende deines von Opa gebauten Bulli-Bettes angebracht, die nachts leuchtet (also die Sterne darauf).

Und nächste Woche will er die "Star Wars"-Modelle alle von der Decke abhängen, sodass es aussieht, als würden sie im Mini-Weltall in deinem Zimmer fliegen! Ist das nicht n Knaller???? Papa ist echt der Beste! Wie gesagt, eigentlich wollte er dich damit überraschen, wenn wir aus dem Urlaub in Nordfriesland zurückkommen ...

"Damit alle kleinen und großen Jungs und Mädchen länger bei Mama und Papa auf der Erde bleiben können oder wenigstens nicht von einem Zug umgefahren werden."

Vor allem aber möchte Marzia P. ihrem verstorbenen Sohn mit diesem Brief sagen, wie sehr sie dafür kämpft, dass andere Kinder künftig vor seinem tragischen Schicksal geschützt werden:

Jetzt frag bitte nicht, was ne Petition ist!? Das ist, wenn man gaaaaanz viele Unterschriften von gaaaaanz vielen Leuten sammelt, um damit etwas zu bewirken, etwas zu ändern! Was wir ändern wollen? Ganz einfach, wir wollen, dass es in ganz Deutschland keine unbeschrankten Bahnübergänge mehr gibt, damit so ein blöder Unfall wie er uns letzte Woche passiert ist, nicht noch mal passiert! Nie wieder!

Damit alle kleinen und großen (ich weiß, du warst nicht mehr klein!) Jungs und Mädchen länger bei Mama und Papa auf der Erde bleiben können oder wenigstens nicht von einem Zug umgefahren werden. Ich meine: Das gab's doch bei dir bei den tollen Strecken, die wir mit der Brio-Bahn gebaut haben, auch nie, nen Bahnübergang ohne Schranke! Darauf hast du immer explizit geachtet!

"Mach's gut, mein Schatz! Ich küss dich - wenn auch nur virtuell"

Der Brief endet mit einem Abschied, der den tiefen Schmerz der Mutter spürbar werden lässt:

Mach's gut, mein Schatz! Ich küss dich - wenn auch nur virtuell. Deine dicken, feuchten Knutscher werden mir tierisch fehlen ... Ich meld mich wieder! Du weißt ja: Ich hab dich tierisch lieb - bis zum Mond und zurück! ... Siehst du den Mond überhaupt von da oben ...? Ich hoffe schon ...

Mama (auf Kuschelentzug)

Direkt unter dem Brief wendet sie sich noch einmal direkt an die Leser, um auf ihr dringliches Anliegen hinzuweisen:

Dieser furchtbare Unfall forderte das Leben meines 5-jährigen Sohnes Matteo, mein Vater liegt lebensgefährlich verletzt an Kopf und Rumpf im KH, meine Mutter und ich liegen ebenfalls mit Brüchen an Becken, Hüfte und Brustkorb im KH. Meine knapp zweijährige Tochter hat wie durch ein Wunder nur Kratzer abbekommen.

Bitte unterschreibt meine Petition, damit niemand mehr einem unbeschrankten Bahnübergang zum Opfer fallen muss!!!

Schienen ohne Sicherheitsschranken - gefährlich und vermeidbar

Matteo ist kein Einzelfall. Jedes Jahr fordern unbeschrankte Bahnübergänge Menschenleben. Dabei würde es nur wenig Aufwand kosten, diese Bahnübergänge entsprechend aufzurüsten und weitere Unfälle zu vermeiden (mehr Informationen zu der Online-Petition und eine Stellungnahme der Bahn gibt es in diesem Artikel. ).

Aktuell haben etwa 42.000 Unterstützer die Petition unterzeichnet. Vielleicht zeigt die breite Unterstützung noch Wirkung - damit sich dieses Unglück nicht noch einmal wiederholen muss.

heh
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