Alleinerziehende: Überwältigende Reaktion auf das BRIGITTE-Dossier

"Endlich nimmt sich jemand dieses Themas an!" Viele solcher Briefe erreichten uns nach unserem Dossier "Alleinerziehend" in Heft 3/2008. Auch Familienministerin Ursula von der Leyen nahm das Thema auf. Und: Wir starteten ein Projekt zur Unterstützung Alleinerziehender.

6146 Frauen unterschrieben unsere Forderungen an Ursula von der Leyen. Im März 2008 überreichten wir der Bundesfamilienministerin den riesigen Stapel und stellten ihr die Fragen, die so viele Alleinerziehende bewegen. Wann werden Alleinerziehende endlich steuerlich entlastet? Wo bleiben bessere Betreuungsangebote speziell für Kinder von Alleinerziehenden? Frau von der Leyen beantwortete die Fragen im Interview und im Bfriends-Forum. Außerdem versprach sie, die "Alleinerziehenden im Alltag zu unterstützen" - und startete Anfang Mai dieses Jahres das Modellprojekt "Vereinbarkeit für Alleinerziehende". Es soll Single-Müttern den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern. "Dieses Projekt ist auch Ihr Verdienst," sagte sie kürzlich bei einem Gespräch zu BRIGITTE-Redakteurin Silke Baumgarten.

Auf Initiative von BRIGITTE entstand im vorigen Jahr darüber hinaus eine Zusammenarbeit zwischen dem Familienministerium und Professor Franz von der Uni Düsseldorf. Professor Franz hat das "Palme-Projekt" entwickelt, ein Angebot, das Alleinerziehende präventiv dabei unterstützt, ihre Gefühle zu erkennen, Stress abzubauen und die Kinder feinfühliger zu unterstützen. Dieses Seminar wird nun, bei entsprechender Nachfrage, in den über 500 Mehrgenerationenhäuser der Bundesrepublik angeboten. Kostenlos - und mit Kinderbetreuung.

Was genau verbirgt sich hinter dem PALME Elterntraining?

Rund zwanzig Prozent aller Kinder in Deutschland wachsen bei nur einem Elternteil auf, davon 85 Prozent bei der Mutter. Etwa 600.000 dieser Kinder sind unter sechs Jahren alt. Sie haben verschiedenen Studien zufolge ebenso wie die Mütter ein deutlich höheres Risiko gesundheitlicher oder seelischer Beeinträchtigungen. Genau um diese Mütter und Kinder geht es in dem von Prof. Dr. Matthias Franz (Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) entwickelten PALME Elterntraining.

Das Programm wird von einem Paar (Mann/Frau) speziell geschulter Erzieher/innen über insgesamt 20 Gruppensitzungen für zehn bis zwölf Müttern durchgeführt. Diese Gruppenleiter/innen wurden zuvor in einem mehrtägigen Training speziell geschult. Die Schulung umfasst neben theoretischen Kenntnissen - beispielsweise zur Bindungstheorie, Entwicklungspsychologie oder Gruppendynamik - auch die detaillierte Vermittlung des umfangreichen Manuals, das gerade neu als Buch erschienen ist. Ein Angebot zur Betreuung der Kinder der allein erziehenden Mütter und Supervision für die Gruppenleiter/innen runden das Elterntraining ab.

Zentrale Ziele des Elterntrainings sind:

  • die Stabilisierung der Mutter-Kind-Beziehung
  • die Stärkung der intuitiven Elternfunktionen
  • die Verbesserung der elterlichen Einfühlung in das Erleben des Kindes
  • eine verbesserte und differenzierende Affektwahrnehmung
  • die Bearbeitung unbewusster Delegationen (z.B. Überforderung des Kindes durch Übernahme elterlicher Funktionen in der Familie)
  • Einübung sozialer und elterlicher Kompetenzen
  • Bearbeitung evtl. bestehender Selbstwertprobleme und Schuldgefühle.

Was bringt's?

Mittlerweile haben hunderte von Müttern das Training mitgemacht. In der nach dreijähriger Forschungsarbeit abgeschlossenen Evaluation zeigte sich, dass die teilnehmenden Mütter sehr zufrieden waren. Sie gaben an, ihr Kind besser zu verstehen und sich besser in die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Kinder einfühlen zu können. Waren zu Beginn des Elterntrainings 35 Prozent der Mütter sogar deutlich depressiv, so wurde dieser Anteil am Ende mit 15 Prozent mehr als halbiert. Dies ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil die länger anhaltende Depressivität der Mutter sehr häufig auch das Kind beeinträchtigt.

Des Weiteren reduzierte sich der Anteil der psychisch/psychosomatisch stark belasteten Mütter von 58 Prozent auf 15 Prozent. 39 Prozent der Mütter litten zu Beginn unter stressbedingten psychosomatischen Körperbeschwerden. Nach der PALME-Intervention waren es nur noch 4 Prozent. Der Anteil stark verunsicherter, ängstlicher Mütter sank entsprechend von 42 Prozent auf 15 Prozent.

Auch im Umgang mit ihren Gefühlen zeigten sich günstige Veränderungen: 42 Prozent der Mütter konnten vor Beginn der PALME-Gruppen ihre Gefühle kaum oder nicht akzeptieren. Nach den PALME-Gruppen betrug dieser Anteil nur noch 8 Prozent. 35 Prozent der Mütter hatten Schwierigkeiten ihre Gefühle differenziert wahrzunehmen, nach PALME waren es nur noch 15 Prozent. Diese Effekte waren statistisch bedeutsam.

Solche positiven Entwicklungen der PALME-Mütter vermitteln sich auch den Kindern. Auch die Erzieherinnen in den KiTas nahmen einen statistisch signifikanten Rückgang an Problemverhalten der Kinder wahr, anders als in der Kontrollgruppe.

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