Angelina Jolie: "Früher wäre ich als Hexe verbrannt worden!"

Angelina Jolie ließ sich für die "Elle" fotografieren - aber nicht, ohne dazu einen vielbeachteten Essay über die Stärke von Frauen zu schreiben.  

Die Welt braucht mehr "böse Frauen"

Seit Jahren engagiert sich Schauspielerin Angelina Jolie rund um den Globus für Frauenrechte. Nun hat sie in einem Essay in der Zeitschrift "Elle" erklärt, warum die Welt mehr "böse Frauen" braucht.

"Warum wurden Frauen, die geistig und körperlich frei sind, in der Geschichte immer als gefährlich angesehen?", fragt Jolie. Alle menschlichen Katastrophen – von einem kranken Kind bis zur ausbleibenden Ernte – konnten einer "bösen Frau" angehängt werden. Zehntausende wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. "Frauen wurden als Hexen angeklagt, weil sie ein unabhängiges Sexleben hatten, ihre Meinung sagten oder weil sie sich anders kleideten." Jolie resümiert: 

Hätte ich früher gelebt, hätte ich viele Male auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden können, einfach, weil ich ich selbst bin.

Die Anklage als Hexe sei in der Geschichte immer dazu benutzt worden, Frauen zum Schweigen zu bringen und zu kontrollieren. Jeanne D'Arc sei auch deshalb verbrannt worden, weil sie Männerkleidung trug, und weil sie angeblich nachts neben einem Feenbaum getanzt habe - ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass sie eine Hexe gewesen sei. 

Diese Vorwürfe seien absolut lächerlich, so Jolie, bis man sich vor Augen führe, dass es auch heute noch für Frauen in vielen Ländern illegal ist, öffentlich zu singen und zu tanzen – etwa im Iran.

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Rebellierende Frauen wurden schon immer als gefährlich beschrieben - bis heute

Frauen, die gegen das rebellieren, was eine Gesellschaft als normal ansieht, wurden schon immer als unnatürlich, eigenartig, böse und gefährlich beschrieben. "Das färbt auch heute noch die Welt, in der wir leben."

Auch heute noch würden Frauen, die ein politisches Amt anstrebten, als Hexen bezeichnet. Frauen, die sich für Menschenrechte einsetzen, würden als Abweichlerinnen, schlechte Mütter, als schwierig oder als ausschweifend gebrandmarkt.

Angelina Jolie erzählt, dass sie häufig Länder besuche, in denen ihre Überzeugungen und Taten sie ins Gefängnis bringen würden. Denn:

Trotz aller modernen Fortschritte sind die Unabhängigkeit und die kreative Energie von Frauen immer noch eine Macht, die kontrolliert werden muss, oft im Namen von Religion, Tradition oder Kultur.

Jolie erinnert an die geschätzt 200 Millionen Mädchen und Frauen, die Genitalverstümmelung erleiden mussten. Und an die rund 650 Millionen Mädchen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Tausende Frauen und Mädchen werden in sogenannten Ehrenmorden von Familienmitgliedern getötet - als Strafe dafür, dass sie ihren freien Willen ausübten. Und als die Sudanesinnen für freie Wahlen auf die Straßen gingen, sei der Befehl rausgegangen, "die Mädchen zu brechen", was zu Vergewaltigungen durch Sicherheitskräfte geführt habe.

"Böse Frauen" kämpfen gegen Ungerechtigkeit

"Böse Frauen" sind für Jolie Frauen, die Ungerechtigkeit und Missbrauch nicht hinnehmen wollen. Frauen, die sich weigern, Regeln und Kodizes zu folgen, von denen sie glauben, dass sie für sie und ihre Familien nicht gut sind. Frauen, die nicht bereit sind, ihre Rechte aufzugeben, und dafür das Risiko eingehen, getötet, ins Gefängnis gesteckt oder von ihren Familien verstoßen zu werden. Jolie fordert:

Wenn das Bosheit ist, braucht die Welt mehr böse Frauen!

Aber, so räumt die Schauspielerin ein, Frauen wollen auch nicht jeden Morgen aufwachen und kämpfen. "Wir wollen auch weich und fürsorglich und anmutig sein – nicht jede ist dazu geboren, zu kämpfen. Und wir haben keine magischen Kräfte."

Was wir allerdings hätten, sei die Fähigkeit, uns gegenseitig zu unterstützen und mit den vielen großartigen Männern zu arbeiten, die Frauen als gleichwertig schätzen und respektieren.

Jolie unterschreibt ihr Essay mit den Worten: "Mit Liebe für alle bösen Frauen und die Männer, die sie verstehen."

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