Brautpreis und Polygamie: Diese Frau fordert die Männer heraus!

Die Anwältin Atuki Turner kämpft in Uganda gegen umstrittene Traditionen wie Brautpreis und Polygamie - mit erstaunlichem Erfolg.


Atuki Turner, 54, in Uganda geboren, ist zum Teil in Kenia aufgewachsen, wohin ihre
Familie vor dem Diktator Idi Amin floh. Heute lebt sie mit ihrem Mann im britischen Bristol und in Uganda. Neben ihrer Arbeit als Aktivistin für Frauenrechte dreht sie Dokumentarfilme und schreibt Bücher.

Das Hauptquartier des Widerstandes liegt zwischen Bananenstauden und Palmen, am Rand der Millionenstadt Kampala in Uganda. Am Eingang führt eine Wächterin äußerst gewissenhaft das Gästebuch, in das sich jeder eintragen muss, der die Frauenrechtsorganisation Mifumi besuchen will.

Atuki Turner will das Regime der Männer brechen

In einem zutiefst patriarchalen Land wie Uganda sei der Kampf für Frauenrechte nun mal eine zähe Angelegenheit, sagt Atuki Turner, Gründerinn und Geschäftsführerin von Mifumi. Kontrolle und Organisation seien daher entscheidend: "Wir werden mit unseren Kampagnen nur erfolgreich sein, wenn wir funktionieren wie ein Unternehmen. Nur dann können wir das Regime der Männer über die Frauen brechen."

Turner, die mit ihren freundlichen Augen und ihrer tiefen Stimme Ruhe verströmt, arbeitet seit beinahe drei Jahrzehnten daran. Und, um im Unternehmerjargon zu bleiben: Sie "performt" sehr gut.

Eine Schule und über 40 Beratungszentren für Frauen hat die Anwältin gegründet, Zehntausende Uganderinnen wurden durch Mifumi über ihre Rechte bei häuslicher Gewalt und die Bedeutung wirtschaftlicher Unabhängigkeit aufgeklärt. Ihren bisher größten Sieg feierte sie aber 2015, ein Zeitungsausschnitt an ihrer Bürowand erinnert daran: "Das oberste Gericht erklärt Rückerstattung des Brautpreises für illegal."

Den Brautpreis abschaffen - dafür ging sie bis an den Obersten Gerichtshof

In vielen afrikanischen Ländern ist es Tradition, dass bei der Heirat der Mann der Familie seiner Braut Geschenke macht. Oft verlangen die Eltern aber auch Geld. "Das führt dazu, dass die Männer das Gefühl haben, sie kaufen sich die Frau", sagt Turner. Das wiederum fördere die Gewalt gegen Frauen.

Doch wenn eine Frau beschließt, aus einer gewalttätigen Ehe zu fliehen und sich scheiden zu lassen  - was in Uganda gesetzlich kein Problem ist - , verlangt der Mann den Brautpreis zurück. Und die Familie der Frau kann oder will ihn oft nicht zahlen. Die Frau sitzt dann in der Falle.

2007 brachte Turner das Thema zum ersten Mal vor das ugandische Verfassungsgericht: Der Brautpreis müsse verboten werden, forderte sie. Er widerspreche der in der Verfassung garantierten Gleichheit von Frauen und Männern, führe zu häuslicher Gewalt. Das Gericht sah das anders. Doch Turner wandte sich an den Obersten Gerichtshof. Der verbot zwar zwar nicht den Brautpreis, aber dessen Rückerstattung - ein großer Sprung nach vorn. 

"Weil die Männer das Geld nicht mehr zurückverlangen dürfen, zahlen sie nicht mehr so breitwillig, wenn das die Familie der Braut verlangt."

Es ist schwieriger geworden, Frauen ein Preisschild umzuhängen

Turners Kampf für Frauenrechte begann 1994. In Mifumi, dem Ort im Osten Ugandas, aus dem ihre Familie stammt, baute sie damals mithilfe von Spenden eine Mädchenschule.

Schnell war ihr klar, dass das nicht reichte: "Die Mädchen besuchten unsere Schule, aber hatten danach nicht die gleichen Chancen wie die Jungen." Also machte sie aus Mifumi eine landesweite Organisation, die Kampagnen für für Frauenrechte auf die Beine stellt, Programme entwickelt, die Mädchen Selbstvertrauen geben, und Kurse für Männer anbietet, um Geschlechterbilder aufzubrechen. Die seien jedoch nicht so gut besucht, gesteht sie lächelnd, aber das sei kein Grund, sie einzustellen. "Für einen Mann in Uganda ist die Teilnahme daran ein großer Schritt."

Das wisse sie, weil sie anders aufgewachsen sei, frei von falschen Traditionen. Sie hat eine gute Schule besucht und studiert, das größte Geschenk aber sei gewesen, dass ihre Eltern zwischen ihr und ihren Brüdern nie einen Unterscheid gemacht hätten.

Schon ein neues Ziel vor Augen - Turner ist entschlossen noch mehr zu verändern

Jetzt plant sie eine Kampagne gegen Vielehen, die in Uganda vor dem Gesetz toleriert werden und die - zumindest unter den Muslimen des Landes - weitverbreitet sind. Das verspricht ein noch härterer Kampf zu werden als der Feldzug gegen den Brautpreis. Es geht um religiöse Gefühle und politische-gesellschaftliche Befindlichkeiten.

In Uganda leben Muslime und Christen friedlich zusammen, was Atuki Turner nicht gefährden will. "Trotzdem wollen wir unseren Überzeugungen treu bleiben", sagt sie. "Wir werden entschlossen und sensibel vorgehen." Und sicher gewissenhaft.

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Wer hier schreibt:

Tobias Asmuth
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