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Sind übergewichtige Mütter zu faul?


Abby Pell, eine Mutter aus England, zeigt auf Instagram ein Bild von ihrem Sixpack und bringt damit zahllose Frauen auf die Palme. Sind wirklich nur die Ausreden schuld am Speck? Wir finden, sie hat etwas Wichtiges vergessen.

Liebe Abby Pell,

erstmal: Glückwunsch! Ein tolles Sixpack hast du da. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie sehr du dich dafür gequält hast. Auch wenn es auf dem Foto ein bisschen so aussieht, als würdest du die Luft anhalten, müssen wir anerkennen: Du kannst stolz auf dich sein. Auf deine Ausdauer. Auf deine Disziplin.

Du könntest wirklich ein positives Vorbild sein für alle Frauen und vor allem Mütter, die sich sagen: Ich mach jetzt Schluss mit meinem Bäuchlein. Ich will mal wieder an mich denken und an meinen Körper. Mich wieder fit und sexy fühlen. Und angeblich ist genau das deine Botschaft, Abby. Du sagst: "Ich möchte all die Frauen, Mütter und Mädchen erreichen, die unzufrieden sind mit sich und die trotzdem nichts dagegen tun, weil sie glauben, es sei zu hart oder gar unmöglich."

Aber Abby, dann war es keine so gute Idee, dieses Bild öffentlich auf Instagram zu posten mit den Worten: "Ich habe ein Kind, ein Six-Pack und keine Ausreden." Denn das kommt gar nicht motivierend 'rüber, sondern hämisch. Es fehlt eigentlich nur noch ein "Nä nä nä nä nä nä" dahinter.

Tatsächlich fühlten sich zahllose Frauen von dem Foto, auf dem auch deine sechsjährige Tochter zu sehen ist, angegriffen. Für sie hat das Bild die Aussage: "Mütter, die nicht aussehen wie Miss Universe, sind selber schuld." Wütende Kommentare prasselten auf dich ein. Du seist respektlos, unverschämt und menschenverachtend.

Das ist natürlich übertrieben. Hass ist nie eine gute Reaktion. Aber tatsächlich hast du einen Aspekt vergessen:

Um als Mutter solche Muskelpakete zu bekommen, braucht man nicht nur Fleiß. Man braucht auch Glück. Das Glück, dass die Haut nach der Schwangerschaft nicht gerissen oder schlapp wie ein leerer Ballon ist. Das Glück, dass der Alltag mit Kind einen nicht auffrisst. Das Glück, dass der Schlafmangel nicht jede Energie raubt. Das Glück, dass es Menschen gibt, die einem den Rücken frei halten. Denn die meisten Mütter haben einfach nicht die Zeit, stundenlang im Fitnessstudio Gewichte zu stemmen.

"Ich verstehe, warum mein Bild so eine Kontroverse hervorgerufen hat", hast du People.com gesagt. "Ich hätte eine andere Bildunterschrift nehmen können. Aber hätte es dann so viele Menschen erreicht?"

Nein, vielleicht nicht. Aber die meisten Menschen, die das gesehen haben, machen jetzt bestimmt nicht mehr Sport. Sie sind einfach nur genervt.

Hätten sie einfach nur eine schöne Frau mit Sixpack gesehen, wäre das vielleicht anders gewesen. Sie hätten gestaunt, dass du die 25 Kilo, die du in der Schwangerschaft zugelegt hattest, wieder losgeworden bist. Sie hätten dich dafür bewundert. Und das ist es doch eigentlich, was du wolltest.


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