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Politik, Beruf, Privates Bärbel Bas: Wer ist die neue Bundestagspräsidentin?

Bärbel Bas wird neue Bundestagspräsidentin
Neue Bundestagspräsidentin: Die Duisburgerin Bärbel Bas (53, SPD) ist die dritte Frau im Amt 
© Reichwen / imago images
Kanzlerin sind wir bald nicht mehr, auch deshalb wurde nun eine Frau zur Bundestagspräsidentin gewählt. Wer ist Bärbel Bas (SPD), die außerhalb des Parlaments kaum jemand kennt?

Wer bei Google nach "Bundestagspräsidentinnen" sucht, sucht vergebens. Den Job des:r Bundestagspräsident:in hatten ja auch immer Männer inne – sieht man mal ab von Annemarie Renger (SPD) in den Siebzigern und Rita Süssmuth (CDU/CSU) in den Achtzigern und Neunzigern. Nun hat Bärbel Bas Wolfgang Schäuble beerbt und ergänzt die magere Liste weiblicher Bundestagspräsidenten.

Wer ist die SPD-Politikerin?

Dass Bärbel Bas das zweithöchste Staatsamt in der Bundesrepublik bekleidet, ist auch dem Frauenproblem der SPD geschuldet. Im Wahlkampf hatte sich Kanzlerkandidat Olaf Scholz selbst als Feminist bezeichnet, das Wahlprogramm der Sozialdemokrat:innen blies zum "Jahrzehnt der Gleichstellung". Also musste mindestens für eines der fünf höchsten Ämter im Staat eine Frau her. Mit der sich abzeichnenden Ampelkoalition hätte ein männlicher Bundestagspräsident bedeutet, dass jede Position mit einem Mann besetzt werden würden: Bundespräsident, Bundestagspräsident, Bundeskanzler, Bundesratspräsident und Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Das wäre ein Affront gegen alle Frauen und absolut unzeitgemäß gewesen. Doch es sprechen noch andere Gründe für die Wahl der erfahrenen SPD-Politikerin zur Bundestagspräsidentin.

Ihre Politik: Gesundheit und soziale Gerechtigkeit 

Die SPD-Politikerin aus Duisburg sitzt seit 2009 im Bundestag und ist seit gut zwei Jahren stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Sie gehört dem linken SPD-Flügel an und ist als stellvertretende Fraktionsvorsitzende für Gesundheit, Bildung und Forschung die mächtigste Gesundheitspolitikerin ihrer Partei in Berlin - wenn auch längst nicht so sichtbar wie Parteikollege Karl Lauterbach. Neben ihrem selbsterklärten "Herzensthema Gesundheit" ist außerdem "soziale Gerechtigkeit ihr Kernanliegen", wie sie auf ihrer Website schreibt.

Steiler Aufstieg: Von der Hauptschule in den Aufsichtsrat

Die 53-Jährige hat eine klassische sozialdemokratische Aufsteigerkarriere hingelegt: Geboren im Ruhrgebiet als eines von sechs Kindern, schloss sie die Hauptschule ab und wurde Sachbearbeiterin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG), wo sie bald als Betriebsrätin und als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat aktiv war. Nach einer zweiten Ausbildung und einer Fortbildung zur Krankenkassenbetriebswirtin arbeitete sie sich zur stellvertretenden Vorständin der BKK EVS hoch. Nach einem Studium zur Personalmanagement-Ökonomin leitete sie die Abteilung Personalservice bei der BKK futur. 

Soziales Engagement: Hospiz und Frauenhaus

Bas ist Schirmherrin des Malteser Hospizes St. Raphael in Duisburg und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen. Unter anderem ist sie auch Mitglied bei Frauen helfen Frauen e.V. Duisburg, dem Trägerverein des autonomen Frauenhauses und der autonomen Frauenberatungsstelle.

Gegen rechts: Keine Beißhemmung gegenüber der AfD

Die Soziologin Jutta Allmendinger lobte Bärbel Bas unter anderem dafür, "keine Beißhemmung gegenüber der AfD" zu haben. Tatsächlich wird Bas in ihrer Rolle als Bundestagspräsidentin wenig Schwierigkeiten haben, die Pöbler:innen im Bundestag in die Schranken zu weisen, das betonte auch Genosse Karl Lauterbach (SPD). Den Antrag der AfD, die Bundesregierung solle keine gendergerechte Sprache verwenden, hat Bas schon mal abgelehnt.

Bärbel Bas privat: Frauenfußball und Currywurst

Bas ist verwitwet und kinderlos. Sie kann schweißen, mag die Krimis von Stieg Larsson, die Musik von Sting und den Toten Hosen, trockenen Weißwein und Currywurst mit Pommes. In ihrer Jugend hat sie bei der DJK Adler Duisburg Fußball gespielt und ist bis heute großer Frauenfußball-Fan.

Verwendete Quellen: Tagesschau, spiegel.de, Wikipedia, baerbelbas.de

Brigitte

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