Ich fahre täglich zwei Stunden Bahn - und das nervt an den Mitreisenden am meisten

Mit der Bahn zur Arbeit - als Pendler sitzt unser Autor täglich mehr als zwei Stunden im Zug. Dabei nervt ihn vor allen Dingen eine Sache an seinen Mitreisenden.

Fast drei Jahre mache ich das jetzt schon: Täglich pendle ich aus einem kleinen Kaff in Schleswig-Holstein ins schöne Hamburg zur Arbeit. Morgens um 6:57 Uhr in den Zug einsteigen und um 8:16 Uhr in Hamburg ankommen (wenn die Bahn denn pünktlich ist). Abends dann das gleiche Spielchen nochmal zurück.

Eigentlich wäre alles so schön …

Ich hatte, als ich in Hamburg angefangen habe zu arbeiten, gedacht, dass ich das niemals so lange aushalte. Dabei ist das Pendeln an sich gar nicht so schlimm. Man setzt sich in den Zug, kann fast anderthalb Stunden lang lesen, schlafen, Netflix gucken oder aus dem Fenster schauen, und ist dann da.

Auch das mit den Verspätungen und Ausfällen der Bahn ist eigentlich halb so wild. Der Zug braucht mal 20 Minuten länger? Ärgert mich schon lange nicht mehr! Die Bahn fällt aus und ich bin erst eine Stunde später zu Hause? Nervt - aber es gibt größere Dramen.

… wenn da nicht die Mitreisenden wären

Eine Sache gibt es allerdings, die nervt mich seit dem ersten Tag - und ich schaffe es einfach nicht, sie zu ignorieren. Und zwar meine Mitreisenden. Nein, ich meine nicht alle Passagiere! Ich habe viele sehr nette Menschen in den Zügen kennengelernt, die mich zur Arbeit und zurück gebracht haben. Ich meine bestimmte Menschen - die Rücksichtslosen!

Wer wissen will, wie es um das Miteinander in der Gesellschaft bestellt ist, der sollte mal eine Woche lang täglich Bahn fahren. Wie manche Leute mit ihren Mitmenschen umgehen, ist einfach abscheulich.

Mit Rauchen und Rumstehen geht's los

Das fängt schon am Bahnsteig an. Seit Jahren herrscht auf Bahnhöfen allgemeines Rauchverbot - wer auf seine Zigarette nicht verzichten kann, während er auf die Bahn wartet, kann sich in die gekennzeichneten Raucherbereiche zurückziehen. Diese Regel - die aus gutem Grund besteht! - wird aber in schöner Regelmäßigkeit ignoriert. Es gibt Menschen, die zünden sich kategorisch mitten auf dem Bahnsteig eine Kippe an und qualmen ihre Mitmenschen zu. Einfach rücksichtslos!

Dann ist da die Sache mit den Treppen und den Zugtüren: Wenn Menschen vor dir eine Treppe im Bahnhof rauf- oder runtergehen: Du musst IMMER damit rechnen, dass sie abrupt stehenbleiben. Marke: "So, ich bin da!"

Dass sie damit schnell mal "Aufgehunfälle" provozieren, scheinen sie nicht zu ahnen. Genau wie die Reisenden, die - gerade am Bahnhof angekommen - aus dem Zug steigen und direkt vor der offenen Tür stehenbleiben. Hallo? Hinter dir ist eine Schlange von 25 Leuten, die auch aussteigen wollen?! Wenn du einen Moment brauchst, um dich zu orientieren, dann geh doch bitte drei Schritte zur Seite und lass die anderen Menschen durch!

Manch einer scheint halt zu denken, dass er allein auf der Welt ist. Umsichtigkeit und Rücksichtnahme? Fehlanzeige!

Von Döner mit allem, Sitzblockierern und Käsefüßen

Apropos Rücksichtnahme: Wenn man schon im Zug etwas essen muss, weil man unterwegs ist und es nicht schafft, zu Hause zu essen: Bitte überlegt euch doch, was ihr euch gönnt. Ein selbstgeschmiertes Brot, ein Apfel oder eine Banane sind für alle Beteiligten in Ordnung. Aber an alle Menschen, die im Bus Döner mit allem oder Asia-Nudelpfanne mit extra Sojasauce essen und ihre Mitreisenden zumiefen: Ihr seid einfach rücksichtslos!

Genau wie die Genossen, die aus Prinzip ihren Rucksack oder ihre Tasche auf den Sitzplatz neben sich stellen. Klar, wir alle haben gerne viel Raum für uns, und sicher gibt es nur wenige Leute, die sich freuen, wenn völlig fremde Menschen direkt neben uns sitzen - aber hey, so läuft das nunmal in der Bahn! Es setzt sich ja niemand freiwillig direkt neben jemand Unbekannten, wenn woanders noch ein Platz frei wäre. Also, seid so nett: Blockiert keine Sitzplätze mit euren Taschen!

Es geht noch schlimmer

Die Steigerung sind übrigens die Menschen, die alleine einen "Vierer" blockieren, also zwei Doppel-Bänke, die einander gegenüberstehen. Es soll tatsächlich Menschen geben, die in Gruppen von drei oder vier Leuten Bahnfahren und gerne zusammensitzen möchten. Warum also der Egoismus, vier Plätze für sich allein zu beanspruchen?

Für viele Leute ist die Antwort klar: Bei einem "Vierer" kann man wunderbar die Füße hochlegen! Nein, das ist kein Scherz, das meine ich ernst! Es gibt wirklich Menschen (und zwar nicht gerade wenige), die sich hinsetzen und die Füße auf die gegenüberliegende Sitzbank legen. Nun scheint sich aber rumgesprochen zu haben, dass dreckige Straßenschuhe auf sauberen Sitzpolstern nichts verloren haben - was machen die Menschen also? Richtig: Sie ziehen die Schuhe aus! Im vollbesetzten Regionalzug! Und dann sitzt du daneben im Käsefuß-Mief und wartest nur noch, endlich aussteigen zu können (wahrscheinlich sollte man einfach ein paar mahnende Worte sagen - auf Einsicht kann man nicht hoffen).

Übrigens: Es gibt auch einen rücksichtsvollen Weg, die Beine hochzulegen: Manch ein Profi nimmt nämlich extra eine Zeitung mit, die er dann auf den Sitz legt, bevor er seine Füße darauf packt. So geht Rücksichtnahme!

Hoffentlich sind diese Menschen nicht immer so!

Wenn eine Fahrt in unseren Regionalzügen eine Momentaufnahme unseres Miteinanders ist, sehe ich schwarz. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen in ihren restlichen Lebensbereichen mehr Rücksichtnahme und Anstand an den Tag legen, als in der Bahn. Also: Lasst uns mehr aufeinander achtgeben und unseren Mitmenschen ihren Raum lassen - nicht nur im Zug, sondern überall im Leben …

Diese Begegnung in einer kanadischen U-Bahn rührt zu Tränen!

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