Bayern: Kita-Kind darf nicht Dialekt sprechen - Erzieherin soll dieses Wort verboten haben

Dialekt nicht erwünscht: In einer Kita in Bayern soll eine Erzieherin einem Kind verboten haben, "Wurschtbrot" zu sagen. Dialektpfleger sind verärgert. Die Kita dementiert.

Trubel um eine Kita in Schwandorf in Bayern. Dort soll eine Erzieherin einem Kind verboten haben, "Wurschtbrot" zu sagen, berichtet der "Bayerische Rundfunk". Korrekt müsse es "Wurstbrot" heißen, soll die Kindergärtnerin laut dem Verein "Bund Bairische Sprache" gesagt haben.

Per Facebook-Nachricht sei der Verein auf den Dialekt-Konflikt aufmerksam gemacht worden. Diese Erziehungsmethode sei rückschrittlich, kritisiert der Vorsitzende des Vereins, Sepp Obermeier, berichtet der Bayerische Rundfunk. Zwar habe es in der Vergangenheit geheißen, Dialekte würden den schulischen und beruflichen Erfolg hemmen, inzwischen sei jedoch das Gegenteil bewiesen. "Innere Mehrsprachigkeit" verhelfe Schülern höherer Klassen sogar zu besseren Deutsch-Noten.

Auf Facebook lässt der Verein verlauten: "Gerade in einer internationaler werdenden Lebenswelt und dem sich langsam bildenden postnationalstaatlichen Europa ist Mundart zeitgemäß. Nachdem das zweisprachige Aufwachsen im Kindesalter mit Dialekt und Standardsprache die innere Mehrsprachigkeit konstituiert, ist es die optimale Voraussetzung für anschließendes Erlernen von Fremdsprachen. Möglichst viele Sprachen zu beherrschen wird aber im Berufsleben immer wichtiger und schafft früher ungekannte Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung. Ein Kind mit Mundart und guter Literatursprache aufwachsen zu lassen, ist die einfachste und billigste Möglichkeit, seine Bildungschancen in der Welt des 21. Jahrhunderts zu verbessern."

Außerdem ruft der Verein dazu auf, "Fälle von Verächtlichmachung unserer Muttersprache" zu melden. Wenn möglich, würden sie die Verfehlungen bekannt machen.

Wer Fälle von Verächtlichmachungen unserer Muttersprache kennt, soll sich an uns wenden. Wenn es möglich ist, machen wir...

Gepostet von Bund Bairische Sprache e.V. am Montag, 3. Juni 2019

"Wurschtbrot"-Verbot? Die Kita dementiert 

Auf Anfrage des "BR" hat die Leitung des Kindergartens erklärt, nichts von einem derartigen Fall gehört zu haben. Generell verbiete man keinem Kind, Dialekt zu sprechen, versicherte demnach die Kindergarten-Leitung. Jedes Kind dürfe so sprechen, wie es das von zu Hause gewohnt sei.

Dialekt ist wichtig für die Identität

Eine Expertin vom Lehrstuhl für Grundschulpädagogik an der Universität Regensburg erläutert gegenüber dem "BR", dass das Dialekt-Sprechen sich zwar ähnlich positiv auf das Denken auswirke wie Zweisprachigkeit, für Schüler sie es dennoch wichtig, auch die sogenannte Bildungssprache zu beherrschen. Es komme auf die Situation an: Beim Essen sei das "Wurschtbrot" also okay, beim Vorlesen sollte aber auf Hochdeutsch geachtet werden. Verbieten sollte man das Dialekt-Sprechen allerdings nie, denn dies gehöre zur Identität der Kinder, so die Pädagogin.

Videotipp: Barbara über ... Dialekt

Barbara über Dialekt
mh
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