Benaissa-Prozess: Wer aufs Kondom verzichtet, ist selbst schuld?

No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hatte Sex ohne Kondom - und hat dabei einen Mann mit HIV infiziert. Ist er selbst schuld, weil er sich hätte schützen müssen? Quatsch, findet BRIGITTE-Redakteurin Katrin Schmiedekampf.

Wie bitte? Geht’s noch? Der Mann, mit dem die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa ungeschützten Verkehr hatte, sollte mit auf der Anklagebank sitzen? Schließlich habe er kein Kondom benutzt, hätte also wissen müssen, dass er sich infizieren könnte. So steht es heute in den Zeitungskommentaren. Wenn ich diese Forderungen höre, werde ich wütend.

Das Argument der Menschen, die dies verlangen: Die Krankheit Aids gibt es seit 30 Jahren, wer ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, muss eben damit rechnen, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Das tun heute leider wieder weniger Menschen: Viele denken, dass man das Virus heutzutage gut behandeln kann, sie schützen sich nicht. Dadurch steigt die Zahl der Infektionen auch in Europa wieder an. Bis hierhin kann ich folgen: Natürlich sollte man unbedingt ein Kondom verwenden, wenn man seinen Partner und dessen Gesundheitszustand nicht kennt. Und natürlich sollte das Thema Verhütung nicht allein der Frau überlassen werden. Wer keine Lust auf Kondome hat, handelt auf eigenes Risiko.

Der Fall liegt allerdings völlig anders, sobald einer der beiden eine ansteckende Krankheit hat und sich dessen bewusst ist. In diesem Fall hat er (oder sie) die Pflicht, sein Gegenüber entweder über seine Krankheit aufzuklären, auf die Verwendung eines Kondoms zu bestehen oder auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Tut er dies nicht, nimmt er in Kauf, dass der andere sich ansteckt.

Die Männer im Bett von Nadja Benaissa waren allesamt ahnungslos. Nadja Benaissa war es nicht. Sie wusste, dass sie das tödliche Virus in sich trägt und dass die Gefahr bestand, dass sie ihre Partner damit anstecken kann. Sie hatte den Männern gegenüber eine Aufklärungspflicht. Das sagt sie auch selbst, sie ist da ehrlich: "Ich hätte mit dem Thema verantwortungsvoller umgehen müssen."

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Text: Katrin Schmiedekampf Foto: dpa/picture alliance
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