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Bestattung neu gedacht "Let’s talk about death, baby!"

Die Hamburgerinnen Evgeniya Polo (li.) und Victoria Dietrich haben den Online-Bestatter "Emmora" gegründet
Die Hamburgerinnen Evgeniya Polo (li.) und Victoria Dietrich haben den Online-Bestatter "Emmora" gegründet
© Emmora
Victoria, 32, und Evgeniya, 28, bringen Leichtigkeit ans Lebensende. Auf ihrer Website "Emmora" kann man Bestattungen mit wenigen Klicks planen – für verstorbene Angehörige und für sich selbst.

BRIGITTE: Wie haben zwei junge Frauen wie Sie zum Tod gefunden?

Victoria Dietrich: Meine Großeltern sind relativ kurz hintereinander verstorben, und ich habe mich gewundert, wie kompliziert es noch ist, einen Menschen beizusetzen. Erst bei der vierten Bestattung war's so richtig schön, weil wir dann alle Informationen hatten, die wir dafür brauchten. In dem ganzen Prozess habe ich mich gefragt, wie man das alles leichter gestalten kann. Dann habe ich Evgeniya kennengelernt und ziemlich schnell meinen Job bei der Reederei Maersk gekündigt.

Evgeniya Polo: Ich bin ein echtes Berliner Start-up-Kind und habe früh gelernt, wie man Dienstleistungen im Internet bequemer und besser anbieten kann. So bin ich schnell beim Thema End of life gelandet. Genau wie Victoria möchte ich Tod und Trauer etwas von der Tristesse nehmen, mit der das Lebensende in unseren westlichen Kulturen noch behaftet ist.

Was gehört für Sie zum "End of life" alles dazu?

Victoria: Wir sehen den Tod nicht als punktuelles Ereignis, sondern als Lebensphase, in der das Leben langsam zu Ende geht. Am Ende dreht sich zwar alles um den Abschied und um den Tod an sich, aber es geht eben auch um die Auseinandersetzung damit, und die kann schon mit 25 beginnen.      

Ist das Teil der modernen Bestattungskultur, für die Sie sich einsetzen?

Evgeniya: Ja, denn wir wollen das große Ganze sichtbarer machen, statt nur Menschen zu beerdigen. Wir sehen das Thema als Teil unseres Lebens und öffnen uns den verschiedensten Möglichkeiten, die es heutzutage gibt. Wir bieten auch Baumbestattungen an oder Urnen aus Pappe, die man als Familie gemeinsam basteln und bemalen kann. Und alles lässt sich bei uns digital planen.

Die Bestattung oder Bestattungsvorsorge wie einen Kurzurlaub mit ein paar Klicks zusammenstellen – ist das dem Ereignis angemessen?

Evgeniya: Das hatten wir uns zu Anfang auch gefragt: Sind Menschen bereit, einen digitalen Service zu nutzen, wenn es um etwas so Emotionales wie den Tod geht? Heute wissen wir, dass das viele Vorteile hat: Es ist bequem, und die Menschen werden in ihrem eigenen Zuhause am Telefon begleitet, wenn sie das wünschen. Oftmals ist man nach dem Tod eines nahestehenden Menschen in einem aufgelösten emotionalen Zustand und möchte nicht unbedingt noch einen Termin beim Bestatter machen.

Victoria: Zu einem Bestatter zu gehen, ist immer eine Hürde: Du wappnest dich für den Termin, musst dir überlegen, was du anziehst und traust dich vielleicht nicht zu fragen, was denn die gesamte Organisation kostet. 

Evgeniya: Online kann man sich in Ruhe mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, bevor man sich entscheidet. Man stellt sich seine Wunschbestattung zusammen und bekommt sofort ein Angebot mit allen Kosten – ein bisschen wie beim Weddingplanner, nur eben für die letzte Reise. 

Wie soll Ihre letzte Reise einmal aussehen?

Victoria: Ich möchte eine klassische Erdbestattung, am liebsten irgendwo im Wald mit Blick aufs Meer. Zur Trauerfeier gerne viele Blumen, Live-Gesang und eine tolle Rede. Leider sind Erdbestattungen in Deutschland aktuell nur innerhalb von Friedhofsmauern erlaubt. Aber bis ich sterbe, ändert sich das hoffentlich noch.

Evgeniya: Ich fände einen nachhaltigen Abschied im Wald am schönsten. Ich wünsche mir, dass meine Liebsten sich am Lagerfeuer treffen und Geschichten und Anekdoten aus meinem Leben erzählen. Es soll gelacht, getrunken und gegessen werden. Dieses Event soll eine Lebensfeier werden, ein schöner, nostalgischer Abschied – auf keinen Fall trist und traurig!

INFO: Bei Emmora lässt sich eine Bestattung oder Bestattungsvorsorge schnell und einfach online planen. Ein Team aus Berater:innen steht telefonisch zur Verfügung, es gibt Infos und Checklisten rund um Tod und Trauer, außerdem einen Podcast. Der Name "Emmora" setzt sich aus Emotion, Morte, Memory und Amore zusammen.

Brigitte

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