"Ich bin eine Herdprämien-Mom"

Die so genannte "Herdprämie" ist immer noch hoch umstritten. Isabella Meyer ist eine der Mütter, die Betreuungsgeld beziehen - und genervt, dass sie sich dafür so oft rechtfertigen muss.

Mein Mann und ich leben das klassische Familienmodell: Mathias verdient unseren Lebensunterhalt, ich bin zu Hause bei unseren zwei Kindern. Neela-Josephine ist 3,5 Jahre alt, Lennart 16 Monate. Für Lennart bekomme ich seit Juni 150 Euro Betreuungsgeld pro Monat. Ich bin also eine Herdprämien-Mom. Eine, die daheim bleibt, um Geld vom Staat zu kassieren. Und die ihrem Kind die – bessere! – Kita-Betreuung vorenthält. Das ist natürlich nicht meine Meinung. Das sind zwei der Argumente, die Gegner des Betreuungsgeldes oft anführen.

Mich ärgert das. Erstens reicht das Geld natürlich nicht, um ein Einkommen zu kompensieren. 150 Euro sind ein Tropfen in die hohle Hand. Daher glaube ich auch nicht, dass viele des Geldes wegen zu Hause bleiben. Nicht wenige Familien können sich das schlicht nicht leisten. Dass Mathias und ich diese Wahlfreiheit haben, ist ein Privileg. Zweitens ärgert es mich, wenn so getan wird, als wäre es für die Entwicklung aller Kinder das Beste, wenn sie mit einem Jahr in die Kita kommen. Damit wird die Erziehungsarbeit der Eltern abgewertet.

"Das Betreuungsgeld ist eine Honorierung für den Job, den ich mache."

Ich sehe es so: Das Betreuungsgeld ist eine Honorierung für den Job, den ich mache. Ein Statement, dass Mütter und Väter, die sich Vollzeit um ihre Kinder kümmern, viel leisten. Ein Statement, das vielleicht genau jetzt notwendig war: Heute muss man sich ja erklären, wenn man sich für ein Leben als Hausfrau entscheidet. Man gilt als antiquiert, als jemand, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat: Nur in der Fremdbetreuung können Kinder optimal gefördert werden, du selbst versauerst daheim.

Diese Abwertung trifft nicht nur uns Hausfrauen, sondern letztlich alle Eltern, auch die arbeitenden. Als wäre es nicht möglich, die eigenen Kinder selbst zu kompetenten Menschen zu erziehen. Für mich persönlich war bei unserer Entscheidung ausschlaggebend, dass ich unseren Kindern unsere Werte und Normen vermitteln möchte. Und ich möchte nichts verpassen. Kinder werden so schnell groß!

Eine Krippenhasserin bin ich deshalb nicht, im Gegenteil. Es ist gut, dass es Betreuungsangebote gibt, inzwischen auch bei uns auf dem Land. Viele Familien sind darauf angewiesen, und viele Erzieherinnen machen einen sehr guten Job. Unsere Große etwa liebt ihren Kindergarten. Ich finde aber, dass Familien die Wahlfreiheit haben sollten. Ganz ist das nicht erfüllt, wie gesagt kann keiner vom Betreuungsgeld allein leben. Höher sollte es trotzdem nicht sein, das ist nicht finanzierbar. Als Anerkennung und Bestärkung ist es aber eine gute Idee. Und ich denke auch, dass es in den meisten Familien den Kindern zugute kommt. Wir beispielsweise kaufen von dem Geld, was ich für eine gute Betreuung – und wenn man so will: Förderung – der Kinder benötige, etwa Bastelmaterialien oder Bücher.

Protokoll: Madlen Ottenschläger

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Madlen Ottenschläger
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