Allein unter Männern: Die neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt

Die Schwedin Eva-Lotta Sjöstedt soll als neue Karstadt-Chefin den angeschlagenen Konzern auf Erfolgskurs bringen - zusammen mit sechs Männern.

Noch vor ihrem offiziellen Amstantritt ist sie durch die Warenhäuser der Karstadt-Kette getingelt, hat an der Kasse bedient, beim Kofferkauf beraten und Socken einsortiert. Ein umfassendes Bild wollte sie sich von dem angeschlagenen Konzern machen. Seit Ende Februar ist Eva-Lotta Sjöstedt nun auch offiziell CEO des Warenhauskonzerns. Ordentlich aufräumen soll sie das Unternehmen, das auch seit der Übernahme durch Nicolas Berggruen nur noch rote Zahlen geschrieben hat.

Ob dieses Foto, das pünktlich zum offiziellen Start ihrer neuen Aufgabe veröffentlicht wurde, Teil einer neuen Hemdsärmel-Strategie ist? Wohl eher nicht. Die Chefin posiert mit ihrem Management-Team in einem, man könnte vermuten, kunterbunten Karstadt-Schaufenster. Sie: komplett in schwarz gekleidet, zentral positioniert, ein taffes, aber freundliches Lächeln auf den Lippen. Ihre sechs männlichen Kollegen: Sakko-los mit einem Grinsen im Gesicht. Eine lockere, aber tatkräftige Atmosphäre soll wohl transportiert werden. Tatsächlich wirkt die Szenerie ein bisschen zu inszeniert, ein bisschen zu sehr Heile-Welt-beim-Shopping-Bummel-am-Karstadt-Schaufenster.

Auffällig: Einzig Kollege Kai-Uwe Weitz (links) darf sitzen. Alle anderen stehen oder hocken um Sjöstedt herum. Ruht sich der Personalchef schon vorsorglich für die anstehende Streitrunde mit Verdi aus? Schließlich ist Karstadt kürzlich aus den regionalen Tarifverträgen des Einzelhandels ausgestiegen, um Kosten zu sparen. Trotz ihrer dominaten Positionierung auf diesem Foto steht Sjöstedt, das betont sie, für flache Hierachien im Arbeitsalltag.

Auf jeden Fall will Sjöstedt zeigen, dass sie als Teamleaderin anpacken kann. Das hat sie bereits bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber Ikea bewiesen. Große Verdienste für das Unternehmen, besonders auf dem japanischen Markt, werden ihr als CEO zugeschrieben. Für eine größere Vielfalt in den 83 Filialen will sie sich einsetzen und für weniger "Einheitsbrei im Einzelhandel". Mit einem üppig eingedeckten Tisch hat sie nun begonnen: Brot, Wurst, Obst, Kaffee, Reisen, Mode ... an nichts soll es mangeln. Die Möbel hat sie vielleicht noch aus ihrem letzten Ikea-Katalog mitgenommen. Auf jeden Fall blickt Sjöstedt siegessicher in die Zukunft. Nur ihre männlichen Kollegen, die muss sie noch mitreißen.

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