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Frauen an der Klagemauer: Kampf für Gleichberechtigung

Frauen an der Klagemauer: Kampf für Gleichberechtigung
© Amir Cohen/Reuters
Eine Gruppe israelischer Frauen setzt sich dafür ein, gleichberechtigt mit den Männern an der Klagemauer zu beten - sehr zum Ärger von orthodoxen Gegnern.

Frauen an der Klagemauer: Widerstand gegen Traditionen

Die Klagemauer ist im jüdischen Glauben ein heiliger Ort - aber Frauen sind dort stark benachteiligt. Traditionell dürfen sie dort keinen Gebetsmantel tragen, nicht in der Tora lesen, und vor allem nur an einem vergleichsweise kleinen Abschnitt der Mauer beten. Widerstand dagegen regte sich bereits in den Achtzigern, als sich das Frauenbündnis "Women of the Wall" formierte und mehr Gleichberechtigung forderte.

Der Anfang für einen langen Konflikt zwischen liberalen und orthodoxen Juden, der viele Protestaktionen und Grundsatzurteile mit sich brachte. Im Mai dieses Jahres kam es zu einem Durchbruch: Erstmalig durften die "Women of the Wall" legal beten und ihren Gebetsschal tragen. Für die Frauen ist es dennoch nicht einfach. Jeder Teilerfolg für mehr Gleichberechtigung an der Klagemauer kann nur mit Polizeischutz durchgesetzt werden, zu groß ist der Widerstand von den orthodoxen Reformgegnern. Schon oft kam es zu offenen Auseinandersetzungen, bei denen die Frauen bespuckt, beleidigt und mit Eiern beworfen wurden.

Auch am Montag gab es wieder offenen Auseinandersetzungen: Auf dem Weg zum Gebet wurden die "Women of the Wall" von der Polizei wegen "ernsthafter Sicherheitsbedenken" zurückgehalten. Frühmorgens hatten Ultraorthodoxe den Frauen-Abschnitt der Klagemauer schon besetzt, so dass es keinen Platz für die Gruppe mehr gab. Als die Frauen ihre Zeremonie kurzentschlossen mit dem verordneten "Sicherheitsabstand" abhielten, kam es wieder zu heftigen Tumulten, wo neben Eiern sogar Steine geworfen wurden.

Alle sind sich einig, dass diese Szenen an einer der heiligsten Stätten in Israel nicht mehr stattfinden sollten. Aber die Gesellschaft ist zwischen konservativen und liberalen Gläubigen so gespalten, dass aktuell keine Lösung für die Gleichberechtigungsfrage in Sicht scheint.

Trotzdem sind Mitglieder der Gruppe optimistisch: "Women of the Wall"-Unterstützerin Lior Nevo erzählte dem britischen "Guardian"vor Ort: "Als ich im achten Monat schwanger war, wurde ich hier verhaftet. Letzten Monat war ich mit meinem Baby hier, und die ganze Gewalt hat mich erschreckt. Jetzt hat das Rabbinat erkannt, dass es sinnlos ist, uns zu verhaften. (...) Die Meinung in Israel ändert sich." Sie hofft, dass ihre Tochter später einmal ganz selbstverständlich gleichberechtigt mit anderen Frauen an der Klagemauer beten darf. Dafür zahlt sie auch den Preis, dass ihre öffentlichen Gebete immer noch riskant für sie sind.


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