"Black Mambas": Wie eine Gruppe Frauen in Südafrika um das Leben der Nashörner kämpft

Jedes Jahr sterben Tausende Nashörner einen sinnlosen Tod – grausam verstümmelt wegen ihres wertvollen Horns. Eine Gruppe Frauen geht dagegen vor: die "Black Mambas" aus Südafrika.

"Da unten herrscht Krieg", sagt Perdita Lübbe-Scheuermann. "Da unten", damit meint sie ein Gebiet am Rande des Kruger-Nationalparks in Südafrika. Gut 40.000 Hektar misst das Balule-Naturreservat, das so aussieht, wie man es aus TV-Romanzen kennt. Goldgelbes Gras und grüne Bäume unter gleißender Sonne, dazwischen streifen wilde Tiere. Nur dass die Realität in Balule wenig mit Romantik zu tun hat. Denn die wilden Tiere könnten bald tatsächlich nur noch Spielfilm-Fiktion sein.

Der "Krieg" ist eigentlich ein Kampf zwischen Mensch und Tier. Doch er wird mehr und mehr zu einem Kampf zwischen Mensch und Mensch. Da sind die einen, die Tiere als Ressource betrachten – für Horn oder Elfenbein. Und die anderen, die das nicht zulassen wollen. Perdita Lübbe-Scheuermann zählt zu Letzteren. Die Hundetrainerin aus dem südhessischen Griesheim bildet Hunde für den Einsatz gegen Wilderer aus. Sie unterstützt damit unter anderem die "Black Mambas" – eine ganz spezielle Anti-Wilderer-Einheit.

Die "Mambas", das sind 36 Frauen, die jeden Tag in dem Gebiet patrouillieren. Unbewaffnet. Sie sammeln Fangschlingen ein oder spüren Nester auf, in denen Wilderer ihre Beute verstecken, bevor sie sie über die Nationalpark-Grenzen schmuggeln. Die täglichen Streifzüge erhöhen für die Kriminellen das Risiko, erwischt zu werden. Wird's gefährlich, rufen die Frauen bewaffnete Kollegen dazu.

Abschreckung durch Anwesenheit

Ins Leben gerufen hat die Spezialeinheit 2013 Craig Spencer. Die Idee des Wildhüters: Junge Frauen aus umliegenden Dörfern für seine Sache zu gewinnen und gewaltfrei Präsenz zu zeigen. Abschreckung durch Anwesenheit – Womanpower sozusagen. Einige der "Mambas" stammen selbst aus Wildererfamilien, wollen ihr Geld aber legal verdienen. Und: "Die Mädels tratschen weniger", so die Erfahrung laut Lübbe-Scheuermann.

Die Hundetrainerin und ihr Mann Ralf haben bereits mehrere Hunde für den Einsatz in Südafrika ausgebildet – pro bono. Was als Idee für einen guten Zweck begann, ist mittlerweile neben der Hundeschule in Griesheim so etwas wie ihre zweite Lebensaufgabe geworden. Der Leiter des Diensthundwesens der hessischen Polizei unterstützt die Ausbildung der Tiere zum Munition- und Waffen-Erschnüffeln, ein Zoo hilft mit Nashorn-Horn aus. Neuester Kooperationspartner ist das Suchhundezentrum K-9, das Personenspürhunde für den Einsatz in Südafrika trainiert. "Wir wollten keinen Hund ausbilden, der auf Menschen losgeht", erzählt Lübbe-Scheuermann. Aber dabei helfen, das illegale Treiben der Wilderer sichtbar zu machen, das schon.

Drei tote Nashörner in 48 Stunden

Der Erfolg gibt den Ehrenamtlichen recht. Wildhüter Spencers erster Hund, "Canipurs Shaya", "der hat den Wilderern das Leben schwer gemacht", sagt Lübbe-Scheuermann. Die Zahl der getöteten Nashörner in seinem Gebiet verringerte sich spürbar, auf immerhin "nur noch" ein gutes Dutzend im Jahr – bis vergangenes Jahr ein Krokodil den Hund tödlich verletzte. "'Shaya' war keine 48 Stunden tot, da hatten die Wilderer schon drei Nashörner getötet", berichtet Lübbe-Scheuermann.

Nach einigem Ringen entschied sie mit ihrem Mann, ein weiteres Tier auszubilden. "Canipurs Sosha" – "Krieger" – heißt Spencers neuer Begleiter. Bilanz nach fünf Monaten: ganze zwei tote Nashörner.

Die Angaben zur Anzahl erlegter Nashörner in Südafrika schwanken, von offiziell knapp mehr als 1000 bis inoffiziell fast 2000 Tiere pro Jahr. So oder so: "Den Nashörnern geht's an den Kragen", warnt Lübbe-Scheuermann. Und so hat sie vor kurzem einen weiteren Hund nach Afrika geflogen: "Canipurs Calimero" kontrolliert dort mit seinem neuen Frauchen Robynne Wasas die Zufahrtstore am Nationalpark. Jedes Fahrzeug, das hineinfährt, beschnüffelt er nach Waffen und Wilderer-Beute.

Die Frauen retten auch verletzte Tiere

"Wir wünschen uns, dass unsere Kinder und Kindeskinder noch lebendige Nashörner erleben", sagt Lübbe-Scheuermann. Übrigens ein weiterer Dienst, den die "Black Mambas" leisten: Bei ihren Streifzügen finden sie oft noch lebende Tiere, die sich in den Schlingen der Wilderer verfangen haben. In die Natur greifen die Frauen nicht ein. "Aber alles, was von Menschenhand verletzt ist, wird behandelt."

So wie Baby-Nashorn "Balu". Das Jungtier kam 2016 in ein "Waisenhaus" der Tierschützer. Mittlerweile ist aus dem Baby ein stattlicher Jungbulle geworden – der nach der Aufzucht durch Menschenhand aber nie wieder komplett ausgewildert werden kann. Für Lübbe-Scheuermann, Spencer und die "Black Mambas" einer der Gründe, immer weiter zu machen: um solche Schicksale zu verhindern. "Dafür lohnt es sich", sagt sie. "Für jedes einzelne Nashorn." Damit die wilden Tiere auch in Zukunft real sind – und nicht nur romantische Filmkulisse.

Perdita Lübbe-Scheuermanns Projekt und die "Black Mambas" finanzieren sich durch Spenden. Interessierte können beispielsweise mit einer Patenschaft für 60 Euro pro Jahr helfen. Nähere Informationen und Kontakt via Facebook, "Rettet das Nashorn", oder unter www.rettet-das-nashorn.com.

Spendenkonto: RedDogs e.V., Stichwort "Rettet das Nashorn", Kontonummer 220 809 15, BLZ 700 520 60, Sparkasse Landsberg-Dießen. IBAN DE 77 7005 2060 0022 0809 15, BIC BYLADEM1LLD.

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