Skinny fat - was soll der Quatsch?

Dünn, aber wabbelig - mit dem Begriff "skinny fat" wurde die neueste Problemzone an Frauenkörpern entdeckt. Schluss mit dem Schwachsinn!

Wer viel im Netz unterwegs ist und hin und wieder in einschlägigen People-Magazinen blättert, stolpert in letzter Zeit häufiger über den Begriff "skinny fat" - einem sprachlichen Widerspruch, der sich mit "dünn dick" oder "mager fett" nicht wirklich gut ins Deutsche übersetzen lässt.

Zur Illustration dieses Figur-Phänomens wird gern Kate Moss herangezogen, also ein wirklich schlankes Topmodel. Meist zeigen die Zeitschriften dann Fotos, auf denen sie im Bikini auf einer Yacht vor Saint Tropez abhängt und - Gott bewahre - ein leicht wabbeliges Bäuchlein präsentiert. Nun ist Kate Moss eine Frau über 40, die eine Tochter zur Welt gebracht hat und, glaubt man den oben erwähnten Zeitschriften, ein ziemlich aufregendes Leben lebt. Warum also sollte sie keine kleine Wampe haben?

Eine Runde Body-Shaming und Körper-Komplexe für alle!

Die gängige Definition einer Person, die "skinny fat" ist, lautet: auf den ersten Blick dünn, aber nicht perfekt austrainiert. Wenig auf die Waage bringen und trotzdem einen hohen Körperfett-Anteil haben - das geht doch nicht! Dagegen muss doch was getan werden! Selbstverständlich gibt es im Netz die passenden Ernährungs- und Fitnesstipps. Immerhin mit der Erklärung, dass es weder schlimm noch ungesund sei, zum Figurtyp der Dick-Dünnen zu gehören. Aber was unternehmen, das sollten die "Skinny Fats" dieser Welt schon.

Nun könnte man sagen, im Sinne der Gerechtigkeit ist es eine gute Sache, dass jetzt endlich auch mal die Dünnen ihr Fett wegkriegen. Auf den Dicken wurde schließlich schon lange genug rumgehackt. Jetzt also: eine Runde Body-Shaming und Körper-Komplexe für alle!

Denn: Dünn sollte man sein. Aber bloß nicht zu dünn. "Ich spendier ein McDonalds-Menü" war noch einer der netteren Kommentare, den Alessandra Meyer-Wölden neulich zu hören bekam. Die Schmuckdesignerin präsentiert sich bei Instagram als Fitness-Fan und hatte ein Bikini-Foto hochgeladen, auf dem ihre Arme erstaunlich knochig wirkten. Prompt hagelte es "Mager-Selfie-Skandal"-Berichte. Sportlich und fit sollte man sein. Aber bloß nicht übertreiben, sonst wirkt's unweiblich und angsteinflößend. Davon kann die Top-Tennisspielerin Venus Williams ein Lied singen.

Was hilft: Lachen, bis die Wampe wackelt

Merkt ihr was? Ganz egal, wie wir aussehen, was wir mit unseren Körpern anstellen, wie viel wir trainieren oder auch nicht: Irgendwas gibt es immer zu bemängeln. Weil in einer Kultur des Body-Shaming der Blick immer auf die Unzulänglichkeiten gerichtet wird. Auf das, was noch nicht perfekt ist, was es noch zu optimieren gilt. Deswegen werden ständig neue vermeintliche Problemzonen definiert und beknackte Body-Challenges ausgerufen, von dem Tigh Gap über die Collarbone Challenge bis jetzt zum "Skinny Fat"-Phänomen.

Wie revolutionär wäre es, wenn wir uns stattdessen mit den wirklich wichtigen Problemzonen beschäftigen würden: denen in unseren Köpfen! Die uns einreden wollen, dass wir nicht in Ordnung sind, so, wie wir sind. Dagegen gilt es anzutrainieren, mit ganz viel Selbstliebe und noch mehr Humor. Und wenn wir das nächste Mal ein Bikini-Foto von Miss Moss sehen, freuen wir uns einfach und lachen, bis die Wampe wackelt. Cheers, Kate!

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