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Brasilien: Einkaufszentrum stellt zur Adoption stehende Kinder zur Schau đź’”

Brasilien: Kinder laufen eine Modenschau
© Belish / Shutterstock
Internetnutzer sind empört: In Brasilien waren zur Adoption stehende Kinder auf einem Laufsteg zu sehen. Sie verglichen die Veranstaltung mit einem Sklaven- oder Viehhandel. 

In Brasilien hat eine Veranstaltung neulich die Aufregung der Internetnutzer auf sich gezogen. Die in einem Einkaufszentrum abgehaltene Parade stellte auf einem Laufsteg zur Adoption freistehende Kinder zur Schau. Das berichtet unter anderem Spiegel Online.

Veranstaltet wurde die Aktion vom örtlichen Ableger der Kinder- und Jugendkommission des Anwaltsverbandes (CYC) und einem Verband in Cuiabá im Bundesstaat Mato Grosso.

Für einen Tag hübsch gemacht 

Das Ziel: Die bereits etwas älteren Kinder sollten "sichtbar" gemacht werden, da es schwierig sei, für diese eine Familie oder ein Waisenhaus zu finden. Die Kinder und Jugendlichen hätten sich einen Tag lang für den Laufsteg frisiert, geschminkt und schön angezogen, was ihnen sonst vergönnt sei.

Empörung im Netz 

Die Zuschauer des Spektakels zeigten sich empört. Sie verglichen die Veranstaltung mit dem Titel "Adoption auf dem Laufsteg" mit Sklaven- oder Viehauktionen. "Werden Tiere oder Sklaven verkauft?", fragte ein Facebook-User. "Beschämend, es ist wie eine Zurschaustellung von Kindern in Form eines Viehmarktes", schrieb ein anderer Nutzer. Die Bilder der Modenschau sind mittlerweile nicht mehr in den sozialen Netzwerken zu finden. 

Eine Art Sklavenmesse

Auch der brasilianische Anwalt Eduardo Mahon zeigte sich gegenüber der Zeitung Muvuca Popular schockiert: "Die potentiellen Adoptiveltern sehen, wie schön, freundlich und locker die Kinder auf dem Laufsteg sind, es scheint wie eine alte Sklavenmesse, auf der man die Zähne und den Körper der Menschen gesehen hat, um über das Gebot zu verhandeln", sagte er gegenüber der Zeitung.

Kritik seitens der Regierung 

Die für die Rechte von Kindern und Jugendlichen zuständige Regierungsabteilung drückte derweil ihr Bedauern aus. Der Staat müsse Kinder schützen. Dazu zähle auch der Schutz ihrer Identität und ihrer Gefühle, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Mitnichten sollte man Parallelen zur dunklen Vergangenheit des Landes herstellen.

Beschwichtigungen seitens der Veranstalter 

Die CYC-Vorsitzende von Mato Grosso, Tatiane de Barros Ramalho, versuchte die Veranstaltung zu erklären. Man habe Kinder gezeigt, die schon vielen Familien und Waisenhäusern vorgestellt wurden und dennoch nicht adoptiert wurden. Ziel sei es auch gewesen verschiedene Familienmodelle vorzustellen. Angeblich habe man so bereits erfolgreich Kinder vermitteln können.

Die staatliche Nachrichtenagentur Agencia Brasil berichtete indes unter Berufung auf das Nationale Adoptionsregister, dass in Brasilien mehr als 9500 Kinder und Jugendliche auf ihre Adoption warteten.

Wie Aschenputtel

Dennoch finden wir, allein das Argument, die Kinder durften sich für einen Tag hübsch machen, um auf den Laufsteg zu gehen, klingt doch ein wenig nach Aschenputtel, das einmal in ihrem Leben auf den Königsball gehen durfte.

Mit Sicherheit kann man auch ĂĽber gezielte Kampagnen in den sozialen Netzwerken erreichen, dass mehr Kinder liebende Adoptiveltern finden.

Eine Familie, die sich für eine Adoption entscheidet macht dies zumindest sicher nicht spontan, weil es ein Kind wie ein Kleidungsstück auf dem Laufsteg gesehen hat und sich daraufhin zum Erwerb entscheidet. 

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