Prostitution in Deutschland: Was ist das heute?

Ist Prostitution in Deutschland heute eine ganz normale Dienstleistung? Bei den Recherchen für das aktuelle BRIGITTE-Dossier stellten wir fest, dass sich im Gewerbe einiges verändert hat. Unsere Autorin hat die fünf wichtigsten Fragen zu diesem Thema für Sie beantwortet. Weitere Informationen und Berichte von Frauen lesen Sie in der aktuellen BRIGITTE. Forum: Prostitution heute - diskutieren Sie darüber mit anderen Userinnen bei Bfriends

Sind Prostituierte Frauen wie du und ich? Auf jeden Fall führen viele Frauen, die mit Sex Geld verdienen, ansonsten ein Leben wie andere auch: Sie haben Ehemänner und Kinder, sie studieren oder prostituieren sich neben einem Job im Büro. Und viele von ihnen tun es nur für ein paar Jahre, dann steigen sie wieder aus.

Ist es eine ganz normale Dienstleistung, mit einem Mann ins Bett zu gehen? Der Gesetzgeber sieht es so. Seit 2002 hat Deutschland eins der liberalsten Prostitutionsgesetze der Welt. Danach können Frauen (und Männer) ihren Lohn für sexuelle Dienstleistungen vor Gericht einklagen. Sie können sich sozialversicherungspflichtig beschäftigen lassen, können als Prostituierte ein Gewerbe anmelden und in eine Krankenversicherung eintreten.

Ist Gewalt und Kriminalität im Sexgewerbe an der Tagesordnung? Sicher gibt es Gewalt und Ausbeutung in der Prostitution: Wenn Schlepper und Menschenhändler illegale Einwanderinnen mit üblen Methoden zur Arbeit im Bordell zwingen. Oder wenn kriminelle "Loverboys" sehr jungen Mädchen Liebe vorgaukeln, um sie auf den Strich zu schicken. Aber: Eine Million Männer kaufen sich Tag für Tag einen sexuellen Akt, 200.000 bis 400.000 Frauen verdienen ihr Geld damit. Der größte Teil dieser Begegnungen findet statt, weil beide Seiten es wollen.

Ist mit Prostitution viel Geld zu verdienen? Eine halbe Stunde Sex gibt's oft schon für 20 oder 30 Euro, der durchschnittliche Monatslohn einer Prostituierten liegt bei etwa 1500 Euro. "Es herrscht ein immenser Konkurrenzdruck, denn es ist immer weniger Geld im Umlauf. So muss für sinkende Preise immer mehr geboten werden", sagt Marion Dethlefs von der Hurenorganisation Hydra. Als Escortdame in einer Nacht vierstellige Summen zu verdienen - für die meisten Frauen im Sexgewerbe bleibt das ein unerfüllbarer Traum.

Ist es heute normaler denn je, für Sex zu bezahlen? Verbreiteter denn je, so klagt die Branche, ist es jedenfalls nicht: Die Umsätze sinken seit Jahren. Andere Möglichkeiten, Sex mit wechselnden Partnern zu haben, machen dem Gewerbe Konkurrenz: Seitensprungagenturen und Swingerclubs etwa. Eine Flut von "Tatsachenberichten" - von der studentischen Prostituierten bis zur Hausfrau als Hobbyhure - zeigt andererseits an: Bezahlter Sex findet mehr denn je in der Mitte der Gesellschaft statt.

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Text: Irene StratenwerthFoto: Corbis

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