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Ukraine-Krieg Warum wir jetzt noch weniger Fleisch essen sollten als ohnehin schon

Warum wir wegen dem Krieg unseren Fleischkonsum reduzieren sollten
© Rido / Shutterstock
Unser Fleischkonsum ist in vieler Hinsicht fatal. Nun liefert der Krieg in der Ukraine uns einen weiteren Grund, häufiger auf Wurst, Steak und Hack zu verzichten. 

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir es längst: Fleisch zu essen hat nur Nachteile, sieht man mal davon ab, dass es schmeckt und uns mit Eiweiß, B-Vitaminen und Eisen versorgt (was andere Lebensmittel übrigens auch können). Für Tierfutter und Weideflächen wird großflächig Regenwald zerstört, Rinder stoßen das besonders klimaschädliche Methangas aus, und vor allem verarbeitetes Fleisch ist laut WHO für den Menschen ungesund. Weitere Folgen unseres Fleischkonsums: Tierquälerei, mit Gülle und Medikamentenrückständen belastetes Grundwasser, ein hoher Wasserverbrauch und Antibiotikaresistenzen. Zusätzlich wird nun deutlich: Das verfütterte Getreide fehlt der wachsenden Weltgemeinschaft zum Essen, ganz besonders jetzt, während des Kriegs in der Ukraine.

Was hat unser Fleischkonsum mit dem Ukraine-Krieg zu tun?

Sowohl die Ukraine als auch Russland gehören zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt. Durch den Krieg fallen diese Exporte aus, Expert:innen erwarten, dass rund 18 Millionen Tonnen Weizen fehlen werden. Schon jetzt ziehen die Preise massiv an, was vor allem für die Menschen in Nord- und Ostafrika, im Nahen Osten und Westasien schwerwiegende Folgen haben dürfte, da sie stark von Getreideimporten aus beiden Ländern abhängig sind. 

"Wir könnten viel mehr Menschen mit Getreide ernähren, würden wir diese nicht massenhaft an die Tiere verfüttern, die wir essen." (Naturschutzbund Deutschland)

Ein Großteil des weltweit produzierten Getreides landet nicht auf dem Teller, sondern im Futtertrog. "Wenn wir Äcker zum Anbau von Lebensmitteln direkt für die Menschen statt für Viehfutter nutzen, ist unter dem Strich mehr Nahrung für die Menschen da", sagt der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen im Interview mit Geo.de. "Vereinfacht gesagt: Brot statt Fleisch. Wenn es uns um Ernährungssicherheit geht, dann ist Tierproduktion einfach ineffizient." 

Greenpeace rechnet vor, dass ein Schwein drei- bis viermal mehr Kalorien zu sich nimmt, als es in Form von Fleisch hervorbringt.

Wir können helfen, indem wir Fleisch ersetzen

Auch der Agrarökonomie-Professor Sebastian Lakner kritisiert, dass ein großer Teil der weltweiten Getreideproduktion für Futtermittel verwendet wird. Beim "Mitteldeutschen Rundfunk" (MDR) stellt er die unbequeme Frage, inwieweit man in den reichen Industriestaaten den hohen Fleischkonsum aufrechterhalten wolle.

Es wäre zu wünschen, dass der verheerende Krieg in der Ukraine eine weitere Motivation für uns ist, unseren Fleischkonsum zu reduzieren, der auf Kosten von Mensch, Tier und Natur geht. Wer sich vegetarisch ernährt und konsequent zu Bioprodukten greift, verbessert seine persönliche Klimabilanz um 60 Prozent, sagt der Münchner Ernährungswissenschaftler Karl von Koerber laut "Nabu". Neu ist: Wer Fleisch durch pflanzliche Produkte ersetzt, hilft mehr denn je, den Hunger in der Welt zu bekämpfen.

Quellen: Der Standard, Geo.de, MDR, NABU, WHO, WWF

Brigitte

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