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Candida auris Wie gefährlich ist der resistente Hefepilz?

angelegte Pilzkulturen
© luchschenF / Adobe Stock
Pilzerkrankungen sind hartnäckig und können sich schnell verbreiten. Aktuell sorgt der Hefepilz Candida auris für Besorgnis. In den USA steigen die Infektionszahlen dramatisch. Zwar sind es in Deutschland bisher nur wenige Fälle, doch reichen sie bereits aus, um Expert:innen in Alarmbereitschaft zu versetzten. Denn: Der Erreger ist nicht ungefährlich.

Anfang des Jahres berichtete das US-Gesundheitsministerium das erste Mal von dem krankheitserregenden Pilz Candida auris, der sich vor allem in Gesundheitseinrichtungen sehr schnell ausbreitet. In den USA hatten sich die Fälle seit 2020 mehr als vervierfacht – von damals 1.310 Fällen auf 5.754 im vergangenen Jahr. 2022 mussten insgesamt 2.377 Personen mit der Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Mittlerweile steigen auch die Infektionszahlen in Deutschland, England, Spanien und Italien.

Candida auris: Dramatisch steigende Infektionszahlen in den USA

In den USA wurde die Infektion nun als "dringliche Bedrohung" eingestuft, was der höchsten Priorisierungskategorie innerhalb der multiresistenten Krankheitserreger entspricht. Und genau das macht ihn so gefährlich: Gegen einige Antimykotika (Medikamente zur Bekämpfung von Pilzinfektionen, von denen es nicht viele gibt) und Desinfektionsmittel ist der Pilz resistent.

Es handelt sich bei Candida auris um eine Pilzinfektion, die hauptsächlich in Krankenhäusern auftritt. Übertragen wird der Hefepilz durch Schmier- und Schmutzinfektionen ­­– also hauptsächlich über kontaminierte Oberflächen, aber auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen wurden bereits entdeckt, allerdings nicht über Aerosole, wie etwa beim Coronavirus. Erstmals nachgewiesen wurde der Hefepilz 2009 in Japan im äußeren Gehörgang einer 70-jährigen Patientin.

Resistenter Pilz wird für Menschen auf Intensivstationen gefährlich

Für einen gesunden Menschen stelle Candida auris keine Bedrohung dar, so Prof. Dr. Oliver Kurzai vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie in Würzburg gegenüber dem ZDF. Für Patient:innen auf Intensivstationen kann der Hefepilz allerdings lebensbedrohlich sein. Zur Vorsicht mahnen die Expert:innen auch bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder bestimmten Vorerkrankungen. Gelangt der Pilz einmal in den Körper, kann er schwere Erkrankungen verursachen und etwa das zentrale Nervensystem, Organe, Knochen und die Augen befallen.

In Deutschland waren es im Jahr 2022 insgesamt 43 Fälle. Trotz der scheinbar geringen Anzahl an Infektionen sind die Expert:innen besorgt. Daher fordert ein Team von Wissenschaftler:innen aus Würzburg, Jena und Berlin jetzt eine Meldepflicht für Infektionen mit dem Hefepilz. Gerade mit Blick auf die Ausbreitung in Krankenhäusern warnt der Mikrobiologe Alexander Aldejohann von der Universität Würzburg im RedaktionsNetzwerk Deutschland: "Unsere Erfahrung zeigt, dass jede Infektion mit Candida auris schwer zu behandeln und für Patienten und Patientinnen potenziell lebensbedrohlich ist."

Meldepflicht für Infektionen mit Hefepilz auch in Deutschland?

Die starke Ausbreitung in den USA gibt den Forscher:innen auch in Deutschland Anlass zur Sorge. Hinzu kommt, dass die Pilzart 2023 als eine von nur vier Pilzerregern in einer Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ebenfalls in die höchste Warnstufe eingeordnet wurde. Die starken Anstiege in anderen Ländern sollten wir hier als Warnsignal nehmen, so Aldejohann. Denn schließlich haben sich die Fallzahlen auch in Deutschland von 2020 bis 2021 verdoppelt.

In den USA wurde bereits eine Labormeldepflicht für Candida auris eingeführt. Das Forscherteam empfiehlt, diese Meldepflicht möglichst früh auch in Deutschland einzuführen, so könne der Hefepilz deutlich besser überwacht werden. Im „Deutschen Ärzteblatt“ erklärten sie, dass es ein vertretbarer Aufwand sei und im Falle einer starken Ausbreitung schnellstmöglich Schutzmaßnahmen eingeleitet werden können. Aktuell gehen die Forscher:innen von einer hohen Dunkelziffer an Infektionen aus.

Verwendete Quellen: zdf.de, rnd.de, aerzteblatt.de 

slr Brigitte

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