Pro Frauenquote - die wichtigsten Argumente dafür

Die gesetzliche Frauenquote kommt. Aber brauchen wir die Quote überhaupt? Wir haben die wichtigsten Gründe dafür zusammengestellt.

Es ist beschlossene Sache: 2016 soll die gesetzliche Frauenquote für börsennotierte Unternehmen kommen. Aber brauchen wir diese Frauenquote für die Aufsichtsräte überhaupt? Wir meinen: Ja, unbedingt - und nicht nur dort! Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Argumente pro Frauenquote.

Wir brauchen die Frauenquote, weil...

... Chancengleichheit nicht von allein entsteht.

2001 hat sich die deutsche Wirtschaft verpflichtet, Frauen mehr zu fördern - in einem Papier mit dem sperrigen Namen "Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft".

Die Situation von Frauen in der Wirtschaft hat sich dadurch jedoch nur wenig verbessert. So bilanziert das Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Januar 2013 eine "überwältigende männliche Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten" großer deutscher Unternehmen. In den 200 umsatzgrößten deutschen Firmen (ohne Finanzbranche) waren Ende 2012 nur vier Prozent der Vorstände Frauen. In den Aufsichtsräten wurde ein Frauenanteil von 12,9 Prozent ermittelt. Das Geschlechterverhältnis in der Arbeitswelt spiegeln diese Zahlen nicht wider.

Wenn der Trend sich fortsetzt, so hat der "Spiegel" ausgerechnet, würde es bis zum Jahr 2050 dauern, bis 20 Prozent Frauen in den Vorständen sitzen. Eine Frauenquote würde dafür sorgen, dass es schneller geht.

... Führungsjobs an die besten Leute gehen sollten.

"Homosoziale Reproduktion" - hinter diesem Ausdruck verbirgt sich der Hauptgrund dafür, warum Frauen es schwerer haben, im Job aufzusteigen: Führungsleute halten sich selbst für gut und suchen folglich Leute aus, die so sind wie sie selbst. Mit anderen Worten: Männer bevorzugen Männer. Und je weniger Frauen führen, desto schlechter stehen die Chancen für andere Frauen aufzusteigen.

Zudem haben Frauen nach wie vor keinen Zutritt zu vielen elitären Karrierenetzwerken und Clubs. Hier sind die Männer unter sich, beim Golf oder beim Drink an der Bar werden Kontakte geknüpft und Karrieren gemacht.

Führen sollten jedoch diejenigen mit den besten Qualifikationen, nicht die mit dem besten Buddy-Netzwerk - und auch nicht die, die die Chefs an ihr jüngeres Ich erinnern. Die Quote sorgt für mehr Chancengleichheit.

... die Wirtschaft qualifizierte Frauen braucht.

Im alternden Deutschland fehlen immer mehr Fach- und Führungskräfte. Gerade deshalb ist es wichtig, wirklich alle Talente zu fördern. Frauen schließen heute häufiger die Universität ab als Männer - und dennoch sind sie im Top-Management kaum vertreten. Sie werden also teuer ausgebildet, als "Humankapital" danach aber nicht genutzt. Die Quote hilft, Top-Frauen zu fördern - auch weil sie die Chefs ermutigt, genauer nach geeigneten Kandidatinnen zu suchen.

... durch sie - hoffentlich - eine familienfreundlichere Arbeitskultur entsteht.

Noch immer sind es in Deutschland vorrangig Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut kriegen müssen: Wenn Paare Kinder bekommen, sind es meist die Frauen, die eine Jobpause machen - auch weil sie meist weniger verdienen als ihre Partner und das Ehegattensplitting es finanziell attraktiv macht, dass ein Elternteil zuhause bleibt.

Immerhin 44 Prozent der Führungsfrauen haben eine Pause in ihrer Erwerbsbiografie, haben also entweder Kinder großgezogen oder Angehörige gepflegt. Sie kennen den Spagat zwischen Beruf und Familie, wissen, wie es sich anfühlt, wenn das Kind aus der Kita abgeholt werden muss, obwohl um 17 Uhr noch ein Meeting ansteht.

Wenn mehr Frauen in Führungsjobs arbeiten sollen, müssten sich auch die Jobs ändern: Wir würden weniger arbeiten, hätten mehr Zeit für die Familie. Auch Führungskräfte könnten Teilzeit arbeiten - Männer wie Frauen. In Skandinavien funktioniert dieses Modell. Warum nicht auch bei uns?

... Frauen die Teams produktiver und kreativer machen.

Frauen sehen die Welt anders als Männer, bringen andere Erfahrungen mit. Deshalb entstehen in gemischten Teams mehr Diskussionen und mehr Ideen - das ist durch zahlreiche Studien belegt. Eine Alibi-Frau allein reiche jedoch nicht aus, um die Diskussionskultur zu ändern, betonen Forscher: Denn wer sich in die Außenseiterrolle gedrängt fühlt, passt sich an. Empfohlen wird eine "kritische Masse" von mindestens 30 Prozent. Eine Quote hilft, diese Zahl schneller zu erreichen.

... Frauen in Führungspositionen zum Unternehmenserfolg beitragen.

Es gibt sogar einen Zusammenhang zwischen Frauenanteil und Unternehmenserfolg. Untersuchungen haben gezeigt: Unternehmen mit vielen Frauen im Top-Management arbeiten überdurchschnittlich rentabel. Die Unternehmensberatung McKinsey etwa wies in ihrer Studie "Women Matter" nach, dass Unternehmen mit mehr als zwei Frauen in der Führungsebene stärker wachsen als die Konkurrenz, höhere Gewinne machen und ihren Aktienkurs schneller steigern können.

Das liegt vielleicht an einem anderen Führungsstil: Frauen gelten als dialogorientierter und weniger risikobereit als Männer. Vielleicht wissen Frauen aber auch einfach am besten, was Frauen wollen - und das zahlt sich aus. Denn Frauen machen nicht nur die Hälfte der Konsumenten aus, sie treffen auch einen Großteil der Kaufentscheidungen: vom Joghurt bis zum Auto.

Text: Angelika Unger Bild: Berlinstock/Fotolia.com

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