Charlotte Kuhrt: "Wir müssen aufhören, Körper zu bewerten!"

Teil 7 unserer Serie #dubiststark: Charlotte Kuhrt. Das Model ist mehr als eine hübsche Hülle mit Killer-Kurven. Im Interview mit BRIGITTE.de erklärt sie, warum wir endlich aufhören müssen, unseren Körper in den Fokus zu rücken.

Kurvige Models, die sich im Bikini am Pool räkeln, Dehnungsstreifen, die bei Instagram mit Glitzer verziert werden oder Akne, die sich nicht länger unter 100 Schichten Make-up versteckt – all das ist der Inbegriff von Body Positivity. Die Bewegung hat uns aus dem Dornröschenschlaf geweckt – und das wurde auch Zeit! Es geht nicht länger um unrealistische Schönheitsideale, um den einen Körper, der gesund, schön und für jedermann erstrebenswert ist. Wir feiern unseren Body – mit all seinen vermeintlichen Makeln. Selbstliebe heißt hier das Motto!

Doch tun wir das wirklich? Loben wir unsere Kurven, unsere Cellulite und unsere Dehnungsstreifen tatsächlich jeden Tag in den Himmel? Ist der Druck, uns immer und überall zu feiern, nicht vielleicht ein bisschen zu groß? Und überhaupt: Steht unser Körper bei all dem nicht zu sehr im Fokus? Sich weniger auf seine Hülle konzentrieren und mehr auf das, was darin steckt, ist auch die Message, die Charlotte Kuhrt nach draußen tragen möchte.

Niemand liebt seinen Körper – immer und überall!

Die 27-Jährige gehört zu den erfolgreichsten Curvy-Models Deutschlands und setzt sich auf Instagram für Selbstliebe und Akzeptanz für jeden Körpertyp ein. Täglich hält sie ihre fast 150.000 Follower auf dem Laufenden und nutzt ihre starke Stimme dafür, um die Gesellschaft, und vor allem Frauen, weiter zum Umdenken zu bewegen. 

Body Positivity war ein nötiger Schritt, der passieren musste und der auch super ist, aber man kann das Bild, dass man seinem Körper immer positiv gegenübersteht, gar nicht halten

, erklärt Charlotte Kuhrt im Interview mit BRIGITTE.de.

Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die ganze Bewegung für die Katz war. Ganz im Gegenteil! Diversität wird immer öfter großgeschrieben. Dass jeder Körper anders und einzigartig ist, ist uns bewusst – doch für viele ist es noch lange nicht selbstverständlich!

Manchmal muss man sich einfach klar machen: Es ist NUR mein Körper. Der macht seinen Job und sieht in meinen Augen mal mehr mal weniger gut aus, aber am Ende ist es nur meine Hülle. 

Es sei wichtig, dem ganzen Thema die Wichtigkeit zu nehmen und ihm neutral gegenüberzustehen. Erst dann passiere das Umdenken im Kopf, das einem bewusst mache, dass man so viel mehr ist als nur sein Körper, so Kuhrt weiter.

Willst du wirklich immer darüber nachdenken, ob du in diesen Bikini passt oder willst du dich wohlfühlen? 

Body Neutrality heißt hier das Zauberwort! Die Bewegung schließt sich nahtlos an die Body-Positivity-Welle an und soll auch die Frauen abholen, die sich bislang ausgeschlossen gefühlt haben.

Denn ob dünn oder dick, mit Cellulite oder Dehnungsstreifen – jeder Body hat eine Daseinsberechtigung. "Wir müssen aufhören, Körper zu bewerten – egal, wie sie aussehen. Es muss uns bewusst werden, dass uns andere Körper nichts angehen und auch über unseren Eigenen sollten wir nicht dauernd urteilen."

Der Weg dahin scheint allerdings noch lang zu sein, das bekommt auch Charlotte Kuhrt immer wieder am eigenen Leib zu spüren. Selbst als das Model vor einigen Jahren rund 20 Kilo abnahm, war sie einem ständigen Druck ausgesetzt.

"Mein Umfeld hat mich plötzlich beglückwünscht und gefragt, wie viel ich denn noch abnehmen wolle. Für mich hieß das: Ich kann gar nicht dünn genug werden, bis ich so aussehe, wie ich vermeintlich aussehen sollte. Und diesem Bild wollte ich nie entsprechen, denn es gibt viel wichtigere Themen. Willst du wirklich jeden Sommer darüber nachdenken, ob du in diesen Bikini passt oder willst du dein persönliches Gewicht finden und dich wohlfühlen?"

Wir dürfen nicht mehr ausflippen, wenn wir eine kurvige Frau auf einem Cover sehen

Für Charlotte Kuhrt ist die Antwort ganz einfach und auch der Weg dahin ist gar nicht so kompliziert, wie viele immer glauben. Ihr Appell: Zeigt euch – jeder Körper sollte gesehen und als normal empfunden werden!

Wir dürfen nicht mehr ausflippen, wenn wir Ashley Graham auf einem Magazin-Cover sehen, weil sie eine kurvige Frau ist. Stattdessen sollte es heißen: "Oh ja, da ist eine hübsche Frau auf dem Cover. 

Sich nicht mehr so viele Gedanken über seinen Körper zu machen, sich so zu nehmen, wie man ist, damit fein zu sein und das offen nach Außen zu tragen – das bedarf manchmal einer gehörigen Portion Mut. Jede Frau – auch Charlotte Kuhrt – plagen hin und wieder Selbstzweifel. Was dann hilft, ist der Vergleich mit Frauen, die aussehen wie man selbst, so das Model.

Ich schaue mir diese Frauen an und sage: Hey, die sieht aus wie ich und sie ist glücklich. Ich finde sie schön, also kann ich auch mich selber schön finden. 

Mehr Platz für Persönlichkeit muss her, ein Ort, an dem es nicht um den Body oder den Style geht, sondern darum, was einen ausmacht und was man erreicht hat. Wenn wir das schaffen, kommt das mit der Selbstliebe am Ende ganz automatisch.

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